Diokletians Tetrarchie

Nach der langen Krisenzeit der Soldatenkaiser sorgte Diokletian am Ende des 3. Jahrhunderts für neue Reformen. Da das Römische Reich wegen seiner universalen Ausdehnung zu groß für eine zentrale Regierung geworden war, führte er das System der Tetrarchie (Viererherrschaft) ein. Damit sollte das Reich verwaltungsmäßig unter vier Herrscher aufgeteilt werden, um das innenpolitische Chaos zu beseitigen und äußere Bedrohungen abzuwenden. Darüber schrieb der römische Geschichtsschreiber Aurelius Victor in seinem Werk der „Kaisergeschichte“ (39, 1 ff):

39, 1 ff. […] Auf Grund einer Entschließung der militärischen Führer und Tribunen wurde Valerius Diocletianus, der Kommandeur der Garden, wegen seiner Einsicht [zum Kaiser] gewählt; ein bedeutender Mann, doch war es bezeichnend für ihn, daß er der erste war, der für sich goldbestickte Kleider wählte und seidene, purpurne und mit der Pracht von Edelsteinen besetzte Fußbekleidung beanspruchte. Wenn das allein schon mehr ist, als einem Bürger zukommt und von einer aufgeblasenen und verschwenderischen Gesinnung zeugt, so ist es noch geringfügig neben dem anderen: denn er zuerst – wie vor ihm nur Caligula und Domitianus – ließ sich öffentlich mit „Dominus“ anreden und wie einen Gott verehren und anrufen. […] Doch diese Fehler wurden aufgewogen durch seine sonstigen Vorzüge: während er sich als „Dominus“ anreden ließ, zeigte er sich in der Tat als Vater seiner Untertanen. […]

Um den Geltungsbereich des römischen Rechtes zu schützen und zu erweitern, nahm er mehrere Männer, und zwar Ausländer, zu Teilhabern seiner Regierung an. Als er erfuhr, daß […] in Gallien Aelianus und Amandus mit einer aufgebotenen Schar von Landleuten und Räubern – Bagauden von den Einwohnern genannt – weit und breit die Äcker verwüsteten und viele Städte in ihre Gewalt zu bringen versuchten – ernannte er sogleich seinen treuen Freund Maximianus, einen zwar halbbäuerischen, jedoch kriegstüchtigen Mann von guter Veranlagung, zum Imperator. Dieser erhielt später, wegen seiner Verehrung des Hercules, den Beinamen Herculius, so wie Valerius [Diocletianus] den Beinamen Jovius [Iupiter] annahm. […] Dieser Herculius hatte gleich nach seinem Aufbruch nach Gallien die Feinde besiegt oder ihre Unterwerfung angenommen und so in kurzem die allgemeine Ruhe wiederhergestellt. […]

Zur gleichen Zeit erschütterten die Perser den Osten und Julianus und die Quinquegentanischen Völker Afrika. […] Deshalb ernannten [die beiden Imperatoren] den Julius Constantius und Galerius Maximianus […] zu Caesaren und fesselten sie durch Verwandschaftsbande an sich; beide nahmen sich nach Auflösung ihrer früheren Ehen neue Frauen, Constantius die Stieftochter des Herculius, Galerius die Tochter des Diocletianus. […] Sie alle stammten aus Illyrien; trotz ihrer geringen Bildung waren sie doch, dank ihrer Vertrautheit mit den Mühsalen des Landlebens und des Kriegsdienstes, vortreffliche Herrscher. […] Zu Diocletianus schauten sie alle wie zu einem Vater oder wie zu einem mächtigen Gotte auf. […] Da die Last der Kriege, von der ich schon sprach, immer heftiger und drückender wurde, teilten sie gleichsam das Reich: Constantius wurde alles Land jenseits der Alpen, das zu Gallien gehört, anvertraut, Afrika und Italien dem Herculius; Illyrien und die Küsten bis an die Meerengen des Schwarzen Meeres dem Galerius, alles übrige blieb dem Diocletianus. Von dieser Zeit ab wurde einem Teile Italiens die Bürde ungeheurer Steuern auferlegt […] und eine neue Abgabe gesetzlich eingeführt; wenn diese zu jenen Zeiten noch erträglich war, da sie ein gewisses Maß einhielt, so hat sie sich doch zu meiner Zeit zum wahren Verderben angewachsen. […]

Nicht geringerer Eifer wurde verwandt auf die innere Verwaltung – die Gesetzgebung war vom Geiste der Gerechtigkeit beherrscht – und der verderbliche Stand der geheimen Polizeispione [frumentarii] – das sind etwa die gleichen Leute wie die heutigen kaiserlichen Revisionskommissare [agentes in rebus] – wurde abgeschafft. Schienen diese ursprünglich zur Aufspürung und Anzeige von etwaigen Unruhen in den Provinzen eingesetzt zu sein, plünderten sie jetzt alles in schändlichster Weise aus: Anschuldigungen wurden ruchlos ersonnen und überall Terror verbreitet, besonders gegenüber den Einwohnern weit abgelegener Gebiete. […] Die alten Religionsbräuche wurden mit der größten Gewissenhaftigkeit eingehalten. […] Nachdem Diocletianus das 20. Jahr seiner Regierung gefeiert hatte, legte er, noch ziemlich rüstig, die Leitung des Staates nieder, während er Herculius nur mit größter Mühe zu dem gleichen Entschluß hatte bringen können. […]

Auszüge zitiert nach: Aurelius Victor, Über die Kaiser 39, 1 ff, übersetzt von W. Arend, in: W. Lautemann, M. Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Altertum, München 1975, S. 730 f.

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2016 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 30.03.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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