Römische Philosophie

Nachdem Rom seine Herrschaft infolge des 1. Punischen Krieges auf Süditalien und Sizilien erweitert hatte, kamen die Römer in Kontakt mit der griechischen Philosophie und Kultur. Infolgedessen entstanden verschiedene philosophische Schulen, die an die griechischen Vorfahren anknüpften. Zu den einflussreichsten römischen Philosophen der Klassik zählten Lukrez, Cicero und Seneca.

Stoa und Epikureismus

Die römische Philosophie wurde insbesondere von den zwei griechischen Hauptströmungen Epikurs und der Stoa geprägt. Während der Epikureismus die Lust und ein zurückgezogenes Leben als höchstes Ziel betrachtete, betonten die Stoiker Pflichtbewusstsein und eine tugendhafte Lebensführung. Diese beiden Lehren blieben während der gesamten römischen Klassik die großen gegensätzlichen Philosophenschulen. Zu den Anhängern der Stoa gehörten Cicero und Seneca. Lukrez folgte der Lehre Epikurs.1

Lukrez

Der Philosoph Lukrez gehörte zu den Anhängern des Epikureismus. Er lehrte seinen Schülern, dass sie weder den Tod fürchten sollten noch dass die Seele nach dem Tod existiere. Da das Leben nur aus dem „Jetzt“ bestehe, sollten sich die Menschen von ihren Ängsten vor Gott oder dem Tod lösen und ein erfülltes Leben genießen. In seinem Werk „De rerum natura“ machte er seinen Anhängern deutlich, dass sie sich nur von der Vernunft leiten lassen und vermeintliche Pflichten vernachlässigen sollten.2

Cicero

Lukrez‘ Gegenspieler Cicero griff vielfältige Lehren der griechischen Philosophie auf und übertrug sie in die lateinische Sprache. Auf diese Weise schaffte er ein philosophisches Vokabular, das die Sprache langfristig prägen sollte. In seinem Werk „De re publica“ lehrte Cicero, dass der Mensch von Natur aus einen Trieb zur Bildung staatlicher Gemeinschaften habe. Damit lehnte er sich an die Lehren des Aristoteles an. Cicero bezeichnete die Mischverfassung des römischen Staates als Idealform, weil sie Gleichheit und Gerechtigkeit bewahren würde. In „De finibus bonorum et malorum“ lehnte er Epikurs Lehren ab und bezeichnete – als Anhänger der Stoa – die Tugend als höchstes Gut. Der Mensch solle sich nicht in Ruhe zurückziehen, sondern sich aktiv am Staat beteiligen. Darüber hinaus gab Cicero den Römern in „De officiis“ Anweisungen zu einer sittlichen Lebensführung. In diesem Werk machte er außerdem die vier Kardinaltugenden, die sittliches Handeln ermöglichen würden, bekannt. Cicero schrieb seine Bücher vor allem während der Krise der Römischen Republik, als er sich politisch bedingt zurückziehen musste.3

Seneca

Auch Seneca befasste sich mit der Frage, wie ein glücklich erfülltes Leben zu verwirklichen sei. Er war der Meinung, dass sich der Mensch von falschen Vorstellungen über Reichtum, Macht, Besitz und Tod lösen müsse. Vielmehr solle der Mensch ein naturgemäßes Leben führen, in dem die Bedürfnisse begrenzt und erfüllbar seien. Um dies zu erreichen, müsse er den Willen zur Änderung seines Leben haben und sich ständig von selbst weiterentwickeln. Dieser Weg zur Verwirklichung der Glückseligkeit sei das höchste Lebensziel. Im Gegensatz zu Cicero will Seneca die Menschen durch seine Philosophie nicht mehr für den Staat verpflichten, sondern zu ihrer eigenen Vervollkommung bewegen.

Nachwirkung

Nach dem Untergang des Römischen Reiches in West- und Mitteleuropa wurden die Lehren der römischen Philosophen durch das aufsteigende Christentum verdrängt. Die Religion und der Glaube an das Jenseits bestimmten im Mittelalter das politische und gesellschaftliche Leben der Menschen. Erst im Zeitalter der Renaissance und Aufklärung gewann die Philosophie allmählich wieder an Auftrieb und wurde voraussetzend für die geistigen Ideen der Französischen Revolution.

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2016 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 20.02.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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