Biographien
  • Willy Brandt war von 1969 bis 1974 Bundeskanzler und führte die Willy Brandt war von 1969 bis 1974 Bundeskanzler und führte die "Neue Ostpolitik" ein
  • Willy Brandts Einbürgerungsurkunde 1948 nach seinem Exil in Norwegen und DänemarkWilly Brandts Einbürgerungsurkunde 1948 nach seinem Exil in Norwegen und Dänemark
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  • Willy Brandt und sein Berater Günter Guillaume, der später als DDR-Spion enttarnt wurde Willy Brandt und sein Berater Günter Guillaume, der später als DDR-Spion enttarnt wurde

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Willy Brandt Biografie

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Willy Brandt hat für die innerdeutschen Beziehungen zur Zeit der deutschen Teilung eine wichtige Rolle gespielt. Als SPD-Politiker war er zunächst Bürgermeister Westberlins, Bundesaußenminister und von 1969 bis 1974 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Zu Beginn der 1970er Jahre leitete er durch seine Neue Ostpolitik eine Entspannung des Ost-West-Konflikts zwischen BRD und DDR ein. Mit seinem Kniefall vor dem Monument des ehemaligen Warschauer Ghettos verbesserte er Deutschlands internationales Ansehen nach den Verbrechen des Dritten Reichs. Seine Politik Wandel durch Annäherung erhielt die Idee einer deutschen Wiedervereinigung am Leben. Für seine diplomatischen Verdienste erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.

Jugend und politische Anfänge

Willy Brandt wurde 1913 in Lübeck unter dem Namen „Herbert Ernst Karl Frahm“ geboren. Seine Jugend war aufgrund des Ersten Weltkriegs von schwierigen Verhältnissen geprägt. Hinzu kommt, dass er ein nichteheliches Kind war und er seinen Vater nie kennen lernte. Stattdessen wuchs er bei seinem Großvater auf. 1929 wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und ein Jahr später SPD-Mitglied. Nachdem er 1932 in der Sozialistischen Arbeiterpartei beigetreten und Vorsitzender des Lübecker Jugendverbandes geworden war, beendete er 1932 seine Schulzeit am Johanneum zu Lübeck mit dem Abitur. Ein Parteistipendium für ein Hochschulstudium wurde ihm aufgrund seiner Streitigkeiten in der SPD abgelehnt, sodass er zunächst ein Volontariat bei einer Schiffsmaklerfirma in Lübeck begann.1

Exil während der NS-Diktatur

Nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 wurden die SAP und andere Parteien wenig später verboten. Aus Angst vor politischer Verfolgung im Dritten Reich ging er ins Exil nach Dänemark und Norwegen, wo er sich unter dem Namen „Willy Brandt“ eine neue Identität verschaffte. Im Exil studierte er in Oslo Geschichte und übte eine journalistische Tätigkeit aus. 1936 kehrte Brandt als norwegischer Student nach Berlin mit dem Ziel zurück, die SAP in Deutschland verdeckt neu zu organisieren. Ein Jahr später berichtete er im Auftrag mehrerer norwegischer Zeitungen über den Bürgerkrieg in Spanien. Nach seiner Ausbürgerung im Jahr 1938 und der deutschen Besatzung in Norwegen gelangte Willy Brandt in Kriegsgefangenschaft. Seine verdeckte Identität fiel dort niemandem auf, sodass er wieder entlassen wurde und nach Stockholm reiste und von der norwegischen Regierung die Staatsbürgerschaft erhielt. Von 1942 bis 1945 trat er gemeinsam mit anderen europäischen Sozialdemokraten der Kleinen Internationale bei. In der Nachkriegszeit berichtete Brandt für skandinavische Zeitungen über die Nürnberger Prozesse und erhielt 1948 die deutsche Staatsbürgerschaft wieder.2

Politischer Aufstieg

1948 wurde Willy Brandt Vertreter des SPD-Parteivorstandes in Berlin. Zwischen 1949 und 1957 arbeitete er als Mitglied des Deutschen Bundestages und wurde anschließend zum Regierenden Bürgermeister Westberlins gewählt. Vor allem sein eifriger Einsatz für Freiheit und Demokratie zu Zeiten der Berlin-Krise erbrachten ihm internationales Ansehen. 1961 kandidierte er das erste Mal als SPD-Politiker für das Amt des Bundeskanzlers, verlor allerdings die Wahl gegen Konrad Adenauer. In den 1960er Jahren entwickelte er mit Egon Bahr ein außenpolitisches Programm zum Thema „Neue Ostpolitik“. 1964 wurde Brandt SPD-Parteivorsitzender und ein Jahr später Mitglied des Deutschen Bundestages. In der Großen Koalition mit Kurt Kiesinger war Brandt zwischen 1966 und 1969 als Bundesaußenminister und Vizekanzler tätig. In dieser Zeit plädierte er für den Beitritt der BRD zum Atomwaffensperrvertrag und Großbritanniens Mitgliedschaft in der EWG.

Bundeskanzler und Neue Ostpolitik

Im Jahr 1969 wurde Willy Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler der BRD ernannt. In einer Koalition mit der FDP wollte er die deutsch-deutschen Verhältnisse verbessern und eine Entspannungspolitik des Kalten Krieges einleiten. Mit dem Stichwort „Wandel durch Annäherung“ sorgte die sozialliberale Koalition dafür, dass die Idee einer deutschen Einigung am Leben erhalten wurde. Der Moskauer Vertrag und Grundlagenvertrag sorgten für eine allgemeine Entspannung und brachten Ost und West wieder näher zusammen. Entscheidend dafür war die Anerkennung der Oder-Neiße Linie als Westgrenze zu Polen. Am Denkmal des Warschauer Ghettos sorgte Brandt mit seinem Kniefall für internationales Ansehen. Diese Geste galt als „Wiedergutmachung“ für die Verbrechen des Dritten Reichs und erbrachte Brandt wegen seiner Entspannungspolitik 1971 den Friedensnobelpreis. Als 1974 ein großer Spionagefall aufgedeckt wurde, übernahm Brandt die Verantwortung und trat als Bundeskanzler zurück.3

Tätigkeiten nach der Kanzlerschaft

Nach der Kanzlerschaft betätigte sich Willy Brandt seit 1976 als Präsident der Sozialistischen Internationale und zwischen 1979 und 1983 als Mitglied des Europäischen Parlaments. Darüber hinaus vermittelte er im Nahostkonflikt zwischen Bruno Kreisky und Jassir Arafat. Für seine internationalen Tätigkeiten in Entwicklungsländern erhielt er 1984 den „Dritte-Welt-Preis“ und ein Jahr später den „Albert-Einstein-Friedenspreis“. Er traf sich außerdem im Jahr 1986 mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, der wichtige Reformen einführte und damit das Endes des Kalten Krieges einleitete. 1987 trat Brandt als SPD-Parteivorsitzender zurück und wurde anschließend zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Trotzdem machte sich Brandt weiterhin einen internationalen Namen, als er sich im November 1990 mit dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein traf und die Freilassung von zahlreichen Menschen erreichte. Am 20. Dezember 1990 eröffnete Brandt die erste Sitzung des gesamtdeutschen und wiedervereinten deutschen Bundestages. Auf seine Initiative wurde Berlin zum neuen Regierungssitz bestimmt. 1992 starb Willy Brandt schließlich in Unkel in Rheinland-Pfalz.4






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