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Willy Brandts Rede über den „Mauerfall“


Am 9. November 1989 ereignete sich der historische „Mauerfall“ . Am folgenden Tag hielt der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Schöneberger Rathaus eine Rede, in der er über die deutsche und europäische Zukunft sprach. Brandt hatte mit seiner Neuen Ostpolitik in den frühen 1970er Jahren ein verbessertes Verhältnis zwischen der BRD und DDR ermöglicht.

Brandts Rede über den „Mauerfall“

.[…] Sicher ist, dass nichts im anderen Teil Deutschlands wieder so werden wird, wie es war. Die Winde der Veränderung, sie seit einiger Zeit über Europa ziehen, haben an Deutschland nicht vorbei ziehen können. Meine Überzeugung war es immer, dass die betonierte Teilung und dass die Teilung durch Stacheldraht und Todesstreifen gegen den Strom der Geschichte standen. Und ich habe es noch in diesem Sommer erneut zu Papier gebracht: Berlin wird leben, und die Mauer wird fallen. […]

Denen, die heute noch so schön jung sind, und denen, die nachwachsen, kann es nicht immer leichtfallen, sich die historischen Zusammenhänge, in die wir eingebettet sind, klarzumachen. Deshalb sage ich nicht nur, dass wir bis zum Ende der Spaltung – zornig, aber auch im Gefühl der Ohnmacht habe ich im August ’61 dagegen angeredet – noch einiges vor uns haben, sondern ich erinnere uns auch daran, dass das alles nicht erst am 13. August 1961 begonnen hat. Das deutsche Elend begann mit dem terroristischen Nazi-Regime und dem von ihm entfesselten Krieg. Jenem schrecklichen Krieg, der Berlin wie so viele andere deutsche und nichtdeutsche Städte in Trümmerwüsten verwandelte. Aus dem Krieg und auch aus der Veruneinigung der Siegermächte erwuchs die Spaltung Europas, Deutschlands und Berlins.

Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. Jetzt erleben wir, und ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf: die Teile Europas wachsen zusammen. […]

Auszüge zitiert nach: Willy Brandt, „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“, Reden zu Deutschland, Bonn 1990, S. 37ff.

Verfasst von Fabio Schwabe

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