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Willy Brandts Kniefall von Warschau


Willy Brandts „Kniefall von Warschau“ am 7. Dezember 1970 legte die Grundlagen für die „Neue Ostpolitik“ . An jenem Tag kniete der Bundeskanzler vor dem Ehrenmal für die „Helden des Warschauer Ghettos“ nieder. Mit diesem symbolischen Akt ebnete Brandt den Weg für ein verbessertes Verhältnis zu Polen, das mit der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags verwirklicht werden konnte.

Vorgeschichte

Unter der Regierung Brandts kam es seit 1969 zur Wende im Ost/West-Konflikt. Mit der „Neuen Ostpolitik“ sollten die Beziehungen zwischen der BRD und DDR verbessert und die Idee einer Wiedervereinigung am Leben erhalten werden. Dafür suchte Brandt nach Gesprächen mit der DDR, Polen, Tschechoslowakei und Sowjetunion. Am 12. August 1970 wurde bereits der Moskauer Vertrag geschlossen. Anschließend nahm Brandt Kontakt mit Polen auf. Dabei ging es vor allem um die Oder-Neiße-Linie, die seit ihrer Grenzziehung nach 1945 für Konflikte gesorgt hatte.1

Verlauf

Am 7. Dezember 1970 war die Unterzeichnung des Warschauer Vertrags geplant. Unmittelbar vor Unterzeichnung des Vertrags legte Bundeskanzler Willy Brandt am Ehrenmal für die „Helden des Warschauer Ghettos“ einen Kranz nieder. Dabei blieb er nicht stehen, sondern sank – unerwartet – auf seine Knien herunter. Diese Geste hatte eine symbolische Bedeutung und wirkte in der Öffentlichkeit wie eine Vergebung für die NS-Verbrechen in Polen [u.a. Aufstand des Warschauer Ghettos].2

Folgen und Bedeutung

Im Anschluss an Brandts Kniefall wurde der Warschauer Vertrag zwischen der BRD und Polen unterzeichnet. In diesem erkannten die Vertragspartner die Oder-Neiße-Linie als völkerrechtliche Grenze zu Polen an. Darüber hinaus ermöglichte der Kniefall eine moralische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Holocaust [Vergangenheitspolitik]. Auf den Warschauer Vertrag folgten wenige Monate später das Viermächteabkommen und der Grundlagenvertrag mit der DDR. Insofern leitete der „Kniefall von Warschau“ eine Entspannungsphase im Ost/West-Konflikt ein, ohne die eine deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 undenkbar gewesen wäre.3

Verfasst von Fabio Schwabe
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