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Zeitungsberichte über den Mauerbau 1961


Am 14. Juni 1961 – einen Tag nach Beginn des Mauerbaus – berichtete die westdeutsche Tageszeitung „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter der Überschrift „Ulbricht sperrt den Fluchtweg durch Berlin“ folgendermaßen über die Geschehnisse an der deutsch-deutschen Grenze:

In der Nacht zum Sonntag haben die Sowjetzonenbehörden die Sektorengrenze in Berlin sowie die Grenze zwischen West-Berlin und den Zonenrandgebieten abgeriegelt. Stacheldrahtverhaue, spanische Reiter und bewaffnete Polizeiposten versperren seit 1 Uhr alle Fluchtwege nach West-Berlin. Der S-Bahn-Verkehr zwischen beiden Teilen der Stadt ist an der Sektorengrenze unterbrochen. […] U-Bahn-Züge, die durch Ost-Berlin nach West-Berlin fahren, dürfen nur im Ostsektor nicht halten. […] Zwischen West- und Ost-Berlin sind nur noch zwölf scharf kontrollierte Grenzübergänge offen, achtzig wurden gesperrt. Den Grenzgängern ist jede Arbeit in West-Berlin amtlich verboten worden. Bewohner der Zone und Ost-Berlins dürfen die Grenze nach West-Berlin nur mit besonderer Genehmigung passieren. West-Berliner und Bundesbürger dagegen können wie bisher Ost-Berlin betreten. […]

Ost-Berlin glich am Sonntag einer belagerten Stadt, Volkspolizisten zogen an den geschlossenen Sektorenübergängen Stacheldrahtverhaue, rissen mit Preßlufthämmern das Pflaster auf und errichteten Straßensperren. Posten in feldmarschmäßiger Ausrüstung mit aufgepflanztem Bajonett und umgehängtem Stahlhelm bewachten die Nebenstraßen in der Nähe der Sektorengrenze. Polizeiposten und Panzerspähwagen sicherten Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Im Westen haben die Ostberliner Anordnungen Empörung ausgelöst. Der amerikanische Außenminister Rusk bezeichnete die Maßnahmen als „flagrante Verletzung des Rechts auf den freien Verkehr in ganz Berlin“. Rusk kündigte „scharfen Protest“ der Westmächte an. Die Bundesregierung hat Besprechungen mit ihren westlichen Verbündeten aufgenommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wirtschaftliche Sanktionen gegen den Osten ergriffen werden.

Auszüge zitiert nach: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 186, 14.08. 1961, S. 1.


Am selben Tag veröffentlichte die ostdeutsche Tageszeitung „Neues Deutschland“, die von der SED instrumentalisiert wurde, unter der Überschrift „Maßnahmen zum Schutze des Friedens und zur Sicherung der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft“ folgenden Artikel:

Planmäßig wurden die Maßnahmen zur Sicherung des Friedens und zum Schutze der Bürger der DDR […] in Kraft gesetzt. Im Beschluß des Ministerrates heißt es: „Zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militärischen Kräfte Westdeutschlands wird eine Kontrolle an den Grenzen der DDR einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist.“ […]

Alle notwendigen Maßnahmen erfolgen reibungslos, dank dem Verständnis und der Zustimmung des größten Teils der Berliner Bevölkerung. Zahlreiche Berliner bekundeten schon am Sonntag früh ihr Einverständnis. „Eine gebührende Antwort an die Bonner Ultras“, „Mit diesen Maßnahmen werden endlich klare Fronten geschaffen“ – einige der Kommentare der Werktätigen der Hauptstadt. Am Sonntag wickelte sich das Leben völlig normal ab. […] Der U-Bahn-Verkehr ging reibungslos und planmäßig vonstatten. Lediglich auf der S-Bahn kam es infolge der Umstellungen zeitweise zu Verspätungen. […] Aus Westberlin kamen auch gestern viele Westberliner über die Kontrollstellen. Sie ließen sich durch die verlogenen Behauptungen der Westberliner Hetzsender nicht abhalten. […]

Aus Westberlin wird bekannt, daß die Westberliner Bevölkerung den Beschluß des Ministerrates mit Ruhe aufgenommen hat. Dieser ruhigen Aufnahme durch breite Teile der Bevölkerung steht eine hektische Unruhe unter den Agentenorganisationen, Menschenhändlern und Kopfjägern entgegen, die unter Ausnutzung der Frontstadtpolitik Westberlin zu einem Umschlagplatz des Menschenhandels, einer Agentenschleuse und einem gefährlichen Provokationsherd ausgebaut haben, und die jetzt einen empfindlichen Schlag erhielten. […] Die Westberliner Polizei hat in den Nachmittagsstunden des Sonntags Grenzabsperrungen zum demokratischen Berlin vorgenommen. Am Potsdamer Platz und anderen Stellen sind Polizeikommandos postiert, die den Befehl haben, Westberliner vor dem Betreten des demokratischen Berlins zurückzuhalten.

Auszüge zitiert nach: Neues Deutschland Nr. 223, 14.08.1961, S. 1.

Verfasst von Fabio Schwabe
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