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Westintegration der BRD


Die Westintegration von Bundeskanzler Konrad Adenauer machte die BRD in den 1950er Jahren zu einem gleichberechtigten Partner in der westlichen Staatengemeinschaft. Die BRD erlangte die Souveränität zurück und entwickelte sich zu einem politisch und wirtschaftlich stabilen Staat. Eine gesamtdeutsche Lösung rückte dadurch in weite Ferne.

Vorgeschichte

Auf der Potsdamer Konferenz 1945 war es zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zur Konfrontation gekommen. Seit der 1947 verabschiedeten Truman-Doktrin betrieben die USA eine Eindämmungspolitik [Containment] gegen den sowjetischen Kommunismus in der Welt. Es entstand ein Kalter Krieg, der Deutschland 1949 in BRD und DDR spaltete. Die Westmächte schlossen ihre Besatzungszonen zur Trizone zusammen. In der 1949 gegründeten BRD wurde Konrad Adenauer zum Bundeskanzler gewählt. Der westdeutsche Staat verfügte jedoch über keine Souveränität. Der Besatzungsstatus der Westmächte blieb zunächst bestehen.1

Merkmale der Westintegration

Für Konrad Adenauer blieb eine deutsche Wiedervereinigung ausgeschlossen. Außenpolitisch strebte er für die BRD die Souveränität an. Westdeutschland sollte politisch, wirtschaftlich und militärisch in den Kreis der westlichen Staatengemeinschaft eingebunden werden. Durch den aufkommenden Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion rückten Gespräche über eine Wiederbewaffnung in den Mittelpunkt. Westdeutschland sollte als „Bollwerk“ gegen den sowjetischen Kommunismus dienen. Die Westintegration ging mit einer zunehmenden Abgrenzung zum Osten einher, die die bipolare Weltordnung zementierte.2

Petersberger Abkommen

Den Auftakt der Westintegration markierte das Petersberger Abkommen. Seitdem wurden der BRD diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Ländern erlaubt. Sie durfte nun internationalen Organisationen – wie dem Europarat – beitreten. Im Petersberger Abkommen bekannte sich die Bundesregierung zur engen Zusammenarbeit mit der westlichen Staatengemeinschaft. Dazu gehörten unter anderem die Achtung der Freiheit, Toleranz und Menschenrechte. Außerdem förderte die BRD die Entmilitarisierung und akzeptierte die internationale Kontrolle des Ruhrgebiets.3

EGKS, EWG und EURATOM

Um die BRD zu einem politisch und wirtschaftlich stabilisierten Staat aufzubauen, setzte Adenauer auf eine Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen. Mit der EGKS wurde 1951 die erste überstaatliche Organisation gegründet. Die Zusammenarbeit in der Kohle- und Stahlproduktion weitete sich 1957 [Römische Verträge] zur EWG und EURATOM aus. Auf diese Weise entwickelte sich die BRD zu einem gleichberechtigten Partner in der westlichen Staatengemeinschaft.4

Deutschlandvertrag

Die Wiederbewaffnung Westdeutschlands rückte in den 1950er Jahren – als Folge des Koreakriegs – in den Mittelpunkt. Im Jahr 1954 scheiterte das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft am Veto Frankreichs. Im Deutschlandvertrag – als Teil der Pariser Verträge – wurde der BRD der Eintritt in die NATO, die Wiederbewaffnung und Souveränität zugestanden. Westdeutschland war nun auch militärisch in den Westen eingebunden.5

Folgen

Die Westintegration Adenauers ermöglichte den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau der BRD. Der westdeutsche Staat entwickelte sich zu einem stabilen und anerkannten Partner in Westeuropa. Gleichzeitig verhärteten sich die Fronten zwischen West und Ost. Indem Adenauer 1952 die Stalin-Noten ablehnte, rückte die Option einer deutschen Wiedervereinigung in weite Ferne. Im Jahr 1955 gründete die Sowjetunion – als Reaktion auf die westdeutsche Wiederbewaffnung – den Warschauer Pakt. Die BRD und DDR waren nun fest in zwei Machtblöcken verankert. Eine Verbesserung der deutsch-deutschen Beziehungen ergab sich erst mit der Neuen Ostpolitik der 1970er Jahre.

Verfasst von Fabio Schwabe

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