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Quellenverweise

Deutsches Kaiserreich

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Die Zeit zwischen 1871 und 1918 wird – bezogen auf den deutschsprachigen Raum – als Deutsches Kaiserreich bezeichnet. Mit der Reichsgründung am 18. Januar 1871 war während des Deutsch-Französischen Krieges erstmals ein deutscher Nationalstaat entstanden. Da dieser von hohen Fürsten und Militärs ausgerufen worden war, entwickelte sich das Kaiserreich zu einem Obrigkeitsstaat. Gleichzeitig kam es durch die Industrialisierung zu gesellschaftlichen Veränderungen, die die innenpolitischen Verhältnisse bis 1918 stark belasten sollten.

Reichsgründung 1871

Bis 1871 war Deutschland kein Nationalstaat, sondern in verschiedene Klein- und Mittelstaaten aufgeteilt und in einem lockeren Staatenbund verbunden [Deutscher Bund]. In den 1860er Jahren kam es zwischen den Großmächten Preußen und Österreich zum Kampf um die Vorherrschaft über den deutschsprachigen Raum [Deutsche Einigungskriege]. Nach dem erfolgreichen Krieg gegen Dänemark 1864 siegte Preußen 1866 auch gegen Österreich. Preußen annektierte die nördlichen deutschen Staaten und gründete mit dem Norddeutschen Bund einen eigenen Bundesstaat. Dass sich Preußen erfolgreich militärisch durchsetzen konnte, geht insbesondere auf Otto von Bismarck zurück, der das Militärbudget im Heereskonflikt deutlich erhöht hatte. Noch während des Deutsch-Französischen Krieges riefen die deutschen Fürsten und hochrangige Militärs im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871 das Deutsche Kaiserreich aus. Kaiser wurde der preußische König Wilhelm I. . Da die Reichsgründung vor allem von Preußen sowie anderen deutschen Fürsten und Offizieren vorangetrieben worden war, entwickelte sich das Kaiserreich zu einem preußisch dominierten Obrigkeitsstaat. Daher auch die Bezeichnung „Reichsgründung von oben“.1

Verfassung

Mit der Reichsgründung 1871 wurde für das Deutsche Kaiserreich auch eine Verfassung verabschiedet. Infolge der Novemberverträge traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei. Deutschland trug die Staatsform einer konstitutionellen Monarchie und war ein Bundesstaat. Der Reichstag wurde als Parlament eingerichtet, der vom Volk gewählt wurde und sich an Gesetzgebung und am Haushaltsplan beteiligen durfte. Im Gegensatz zum Reichstag war der Bundesrat das deutlich mächtigere Organ. Dort hatte Preußen aufgrund seiner großen Landflächen ein überwiegendes Stimmrecht. Noch höher gestellt waren der Kaiser und Reichskanzler. Ein Grundrechtskatalog für die Bevölkerung wurde nicht verabschiedet. Bis 1918 war die Reichsverfassung demzufolge von Preußen dominiert und trug einen obrigkeitsstaatlichen Charakter.2

Innenpolitik

Die Innenpolitik im Kaiserreich war bis 1890 maßgeblich von Reichskanzler Otto von Bismarck geprägt. Da sich Bismarck im Heereskonflikt der 1860er Jahre mit den Liberalen zerstritten hatte, versuchte er diese zunächst mit Reformen zufriedenzustellen. Dies war für ihn außerdem nützlich, da die Liberalen im Reichstag die Mehrheit bildeten. Bismarck führte eine allgemeine Gewerbefreiheit ein, baute Schutzzölle ab und ließ Maße, Gewichte und Währungen vereinheitlichen. Die Liberalen unterstützten Bismarck daher im Kampf gegen den Katholizismus [Kulturkampf]. Dabei versuchte Bismarck den Einfluss der katholischen Kirche in der Politik zurückzudrängen. 1878 kam es zu einem Kurswechsel: wegen eingeführter Schutzzölle zerstritt sich Bismarck mit den Liberalen und wendete sich nun gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung. Deren Aktivitäten wollte er mit dem Sozialistengesetz weitgehend einschränken. Gleichzeitig erließ er eine umfassende Sozialgesetzgebung, mit der er Forderungen der Arbeiterschaft erfüllen wollte. Bis 1918 wurde die Sozialdemokratie im Reichstag dennoch zur mächtigsten deutschen Partei.3

Außenpolitik

Die Jahre zwischen 1871 und 1890 waren unter Bismarck von einer defensiven und absichernden Bündnispolitik geprägt. Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1871 wollte er jeden weiteren Konflikt mit anderen Großmächten unbedingt vermeiden. Seiner Ansicht nach war das Deutsche Reich „saturiert“. Er versuchte dabei vor allem Frankreich von Bündnissen gegen das Deutsche Reich zu isolieren. Er schloss 1879 mit Österreich einen Zweibund, der mit Italien 1882 zum Dreibund erweitert wurde. Außerdem einigte er sich 1887 mit Russland auf einen Rückversicherungsvertrag. Mit Bismarcks Entlassung 1890 änderte sich dieses System völlig: Kaiser Wilhelm II. mischte sich zunehmend in die Außenpolitik ein und wollte dem Deutschen Reich einen „Platz an der Sonne“ bescheren. Er baute die Flotte aus, strebte nach Kolonien und ging damit jeden Konflikt mit anderen Großmächten ein. Dies führte dazu, dass Deutschland durch die 1907 geschlossene Triple Entente von Frankreich, Großbritannien und Russland „eingekreist“ wurde. Diese Spannungen führten 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.4

Gesellschaft im Kaiserreich

Die kaiserliche Gesellschaft war von sozialen Klassenunterschieden geprägt. Wegen der erfolgreich geführten Einigungskriege kam dem Militär eine führende Rolle zu. Auch der Adel konnte sein traditionelles Sozialprestige bewahren und unterhielt einflussreiche Kontakte zum kaiserlichen Hof. Durch die Industrielle Revolution und dem wirtschaftlichen Boom kam es im restlichen Volk zu gravierenden Veränderungen. Aufgrund des gestiegenen Wohlstandes etablierte sich das Bürgertum zu einer wichtigen Gesellschaftsschicht, die zunehmend an politischer Bedeutung gewann. Davon abzugrenzen war das sogenannte Proletariat, das am Existenzminimum lebte und von der Sozialen Frage geprägt war. Die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich führte zur Gründung von Arbeitervereinen und Gewerkschaften, die bessere Lebensbedingungen für die Arbeiterschaft forderten. Bis 1918 sollte der Einfluss der Arbeiterparteien auf die Politik aber keine Rolle spielen. Das Kaiserreich blieb eine vom Kaiser, Adel und Militär dominierte Gesellschaft.






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