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Quellenverweise

Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik

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Warum scheiterte die Weimarer Republik? Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 war die deutsche Bevölkerung keineswegs auf ein demokratisches System vorbereitet. Durch den Versailler Vertrag erzwangen die Alliierten unzählige Reparationskosten, die den Wiederaufstieg der Wirtschaft lähmen sollten. Als moralische „Schmach“ wurde der Vorwurf empfunden, dass Deutschland die alleinige Schuld am Kriegsausbruch trage. Unter diesen Umständen gewannen links– und rechtsradikale Gruppen an Zuwachs und schoben schließlich der demokratischen Regierung die Schuld zu. Die neugegründete Republik stieß dementsprechend auf breiten Widerstand und war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.

Abruptes Ende des Kaiserreichs

Im Herbst 1918 schien die Lage für die deutschen Truppen aussichtslos. Es bahnte sich die Kapitulation an. Die OHL trat zurück und überließ die Verantwortung über die Regierung nun den demokratischen Parteien. Die USA forderten die Absetzung des Monarchen. Als sich im November landesweite Unruhen entwickelten, trat Kaiser Wilhelm II. zurück und machte nun Platz für die Errichtung einer Republik, die am 9. November von Philipp Scheidemann ausgerufen wurde [Quelle]. Doch dieser Umsturz wurde in der Bevölkerung nur gering akzeptiert. Selbst die meisten Beamte und Militärs waren noch auf das System im Kaiserreich eingestimmt und zeigten sich nicht als Befürworter der Demokratie1.

Versailler Vertrag und Kriegsschuld

Ein weiterer wichtiger Faktor für das Scheitern war der Versailler Vertrag im Jahr 1919, den die deutsche Regierung bedingungslos akzeptieren musste. Folge war die Verpflichtung von Zahlung der Reparationskosten an die Siegermächte. Diese Forderung, die mit der deutschen Schuld am Ausbruch des Weltkriegs begründet wurde, empfanden vor allem nationale und rechtsgerichtete Kreise in der Bevölkerung als große „Schmach“. Die Schuld an den sozialen und politischen Missständen wurde der Regierung zugeschoben, weil sie den Vertrag unterschrieben hatte. Auch wenn gar keine andere Möglichkeit in Aussicht war. Folglich konnte sich die Wirtschaft nur geringfügig erholen und schuf somit einen Nährboden für rechtsextremistische Gruppen, die die deutschen Straßen in bürgerkriegsähnliche Zustände verwandelten. Begünstigt wurde deren Aufstieg auch durch die Propaganda der Dolchstoßlegende2. Hier geht es zum Artikel über den Versailler Vertrag.

Aufstieg radikaler Gruppen

Radikale Gruppen wollten die Niederlage des Weltkriegs und die Friedensbedingungen von Versailles nicht akzeptieren. Vor allem die NSDAP forderte die Auflösung des Vertrags und entwickelte zusammen mit ehemaligen Vertretern der OHL die Dolchstoßlegende. Mit dieser These wurde die demokratische Regierung für die Schuld an der Niederlage verantwortlich gemacht [Quelle]. Putsche gab es vor allem zwischen 1919 und 1923. Zunächst der linksgerichtete Spartakusaufstand, im Jahr 1920 der Kapp-Lüttwitz-Putsch und 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch. Zwar konnte das politische System bei diesen Aufständen nicht gestürzt werden. Doch es zeigte sich, dass die Regierung sie nur mit Mühe bekämpfen konnte und sie die Reichswehr nicht immer hinter sich hatte. Während linksradikale Aufstände der Kommunisten gewaltsam zerschlagen wurden, bekamen die rechten Putschisten nur milde Urteile, weil Militär und Justiz noch Anhänger des Kaiserreichs waren3.

Schwäche des Parlaments

Neben politischen Unruhen auf den Straßen zeigten sich auch große Schwächen im System des Parlaments. Da die 5% Klausel für den Eintritt nicht nötig war, waren dort zahlreiche Klein- und Splitterparteien vertreten, die eine Einigung unmöglich machten. Hinzu kam, dass der Reichspräsident praktisch als „Ersatzkaiser“ herrschte, da er das Parlament mit den Artikeln 25 und 48 auflösen und neu wählen konnte. Diese Problematik zeigte sich vor allem seit 1930, als Reichspräsident Paul von Hindenburg [Biographie] pausenlos mit Notverordnungen regierte und die Demokratie mit den Präsidialkabinetten außer Kraft setzte. Da Hindenburg persönlich Leiter der ehemaligen OHL gewesen war, zeigte auch er sich als antidemokratischer Politiker. Daher konnte sich das parlamentarische System nicht behaupten4.

Wirtschaftliche und soziale Krise

Die Folgen der Kriegsniederlage und hohe Reparationskosten zeigten sich vor allem in der Wirtschaft. Da die deutsche Regierung sie im Jahr 1923 nicht mehr bezahlen konnte, kam es wenig später zur Ruhrbesetzung durch französische Truppen. Die Krise entwickelte sich schließlich zu einer Hyperinflation5. Erst durch den Dawes-Plan konnte sich die Wirtschaft in den „Goldenen 20er Jahren“ bis 1929 etwas erholen. In dieser Zeit waren Putschversuche und Aufstände eher die Ausnahme. Als sich die Weltwirtschaftskrise 1929 aber auf Deutschland ausbreitete und die amerikanischen Kredite abgezogen wurden, nahm der politische und wirtschaftliche Verfall seinen Lauf. Soziales Elend führte nun dazu, dass die Bevölkerung endgültig das Vertrauen in die Demokratie aufgegeben hatte. Die rechtsradikale NSDAP bekam großen Zulauf und wurde 1930 bei den Reichstagswahlen zweitstärkste Partei. Dies ist damit zu erklären, dass sich die deutschen Bürger aufgrund sozialer Not und politischem Chaos nach Wohlstand, Sicherheit und Ordnung sehnten. Die NSDAP schien daher die einzige Alternative zu sein6.






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