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Hindenburg über seine Wahl zum Reichspräsidenten


Paul von Hindenburg wurde nach einer Wahl im Frühjahr 1932 in seinem Amt als Reichspräsident (das er seit 1925 innehatte) der Weimarer Republik bestätigt. Im folgenden Brief an einen Freund weist Hindenburg jede Kritik von sich und betont – angesichts der politischen Zersplitterung der Parteien – seine Pflicht für das Gemeinwohl des deutschen Volkes:

Ich habe die mir angebotene Kandidatur angenommen in dem Gefühl, eine vaterländische Pflicht damit erfüllen zu müssen. Hätte ich abgelehnt, so bestände bei der Zersplitterung der bürgerlichen Parteien die Gefahr, daß der Kandidat der Rechtsradikalen oder derjenigen einer im zweiten Wahlgang geeinigten kommunistisch-sozialistischen Koalition zum Siege gelangen würde. Ein solches Ergebnis der Präsidentenwahl müßte ich für ein großes Unglück für unser Vaterland ansehen. Dieser Wahlausgang würde Deutschland in schwere innere Kämpfe und hieraus sich ergebende außenpolitische Ohnmacht versetzen. Das zu verhindern, schien mir Pflicht, hinter der alle anderen Erwägungen zurücktreten mußten, auch die, wieder einmal von der Rechten und vielen meiner alten Kameraden mißverstanden zu werden. Aber ich gehe lieber den Passionsweg persönlicher Angriffe gegen mich und Herabsetzung meines Namens, als daß ich Deutschland sehenden Auges den Passionsweg des Bürgerkrieges beschreiten lasse.

Die Angriffe, die ich erwartete, sind nun schon in vollem Gange. Es wird in der Rechtspresse und in Versammlungen mit der Behauptung gegen mich Stimmung gemacht, ich hätte meine Kandidatur für die Wiederwahl aus den Händen der Linken oder einer „schwarz-roten-Koalition“ einseitig entgegengenommen. Diese Behauptung ist eine glatte Lüge! Die Kandidatur ist mir angetragen worden von den zwischen dem Zentrum und den Deutschnationalen stehenden Parteien des Landvolks, der Wirtschaftspartei, des Christlich-Sozialen Volksdienstes, der Volkskonservativen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei. Diesen schlossen sich später die Deutsche Zentrumspartei und die Bayerische Volkspartei sowie die Deutsch-Hannoveraner an. Zu den erwähnten Fraktionen und Parteien traten eine Reihe von Verbänden und Vereinigungen wie der Jungdeutsche Orden, der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, der Evangelische Volksdienst, die christlichen Bauernvereine, der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser“, Universitäten und Hochschulen und andere mehr. In diesen Parteien und Verbänden steckt aber ein sehr großer Teil der Wähler, die mich im Jahre 1925 ins Amt des Reichspräsidenten berufen haben. Nachdem hierzu noch im ganzen Reiche auf der Grundlage der Überparteilichkeit und der Zusammenfassung sich sogenannte „Hindenburg-Ausschüsse“ gebildet und für den Wahlvorschlag meiner Person über 3 1/2 Millionen freiwillige Eintragungen gesammelt hatten, habe ich die Überzeugung gewonnen, daß unbeschadet der Parteizugehörigkeit im einzelnen in ganz Deutschland weite Schichten den Wunsch haben, daß ich weiter in meinem Amte verbleibe.

Wer mich nicht wählen will, braucht dies nicht zu tun. Mit allem Nachdruck aber werde ich mich dagegen wehren, daß ich der Wahrheit und besserem Wissen zuwider als Kandidat der Linken oder einer schwarz-roten Koalition dargestellt werde […]. Wenn die Sozialdemokraten davon absehen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, und es ihren Anhängern freistellen, ebenfalls mich zu wählen, so kann ich das nicht verhindern; es würde auch meinem Ziele, das deutsche Volk in den großen Fragen der Politik zusammenzubringen, zuwiderlaufen, wenn ich diese Wähler zurückstoßen würde.

Zitiert nach: Brief Hindenburgs vom 25. Februar 1932 an einen befreundeten konservativen Adeligen, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 8. Jg. H. 1, S. 80f. 

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 30. September 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 30. September 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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