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Goldene Zwanziger Jahre


Nachdem die Weimarer Republik die Krisenjahre zwischen 1919 und 1923 überstanden hatte, konnte sich die politische und wirtschaftliche Lage seit 1924 erholen. Durch den US-amerikanischen Dawes-Plan wurden neue Kredite aufgenommen, die für Verbesserungen im Alltagsleben sorgen. In Kunst, Kultur und Wissenschaft gab es bedeutende Fortschritte. Erst die Weltwirtschaftskrise 1929 beendete die Goldenen 20er Jahre.

Vorgeschichte

Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg für Deutschland verloren. Im Zuge der Novemberrevolution ging das Deutsche Kaiserreich unter. Im provisorischen Rat der Volksbeauftragten setzte sich die MSPD im Machtkampf gegen die USPD und Spartakusbund durch und begründete im Januar 1919 die parlamentarische Demokratie. Die Weimarer Republik stand allerdings vor schwierigen Herausforderungen. Einerseits versuchten links- und rechtsradikale Gruppen die Regierung zu stürzen. Andererseits ergaben sich – bedingt durch die Reparationszahlungen im Versailler Vertrag – hohe Staatsschulden, die 1923 zur Hyperinflation führten. Erst der US-amerikanische Dawes-Plan und die Rentenmark sorgten für einen wirtschaftlichen Aufschwung und leiteten die Ära der Goldenen 20er Jahre ein.1

Goldene 20er Jahre

Neben der wirtschaftlichen Entlastung konnte Deutschland durch die Außenpolitik Gustav Stresemanns wieder etwas in die europäische Staatengemeinschaft integriert werden. Die Gesellschaft versuchte sich zunehmend aus konservativen Denkmustern des Kaiserreichs zu lösen. Frauen zeigten sich selbstbewusster in der Öffentlichkeit und trugen den sogenannten Bubikopf. In der Kunst verbreitete sich die Neue Sachlichkeit. Die Filmindustrie gewann in den 1920er Jahren große Popularität und entwickelte sich zum Massenmedium. Die Zeit zwischen 1924 und 1929 war von einer Abkehr der kaiserlichen Tradition geprägt. Im Mittelpunkt stand nun ein – auch von der US-amerikanischen Kultur übernommener – freizügiger Lebensstil.2

Folgen

Die Weltwirtschaftskrise 1929 beendete die Zeit der Goldenen 20er Jahre. Die US-amerikanischen Kredite wurden aus Deutschland abgezogen. Dies führte zur Massenarbeitslosigkeit, die den Anfang vom Ende der Weimarer Republik markierte. Präsidialkabinette setzten seit 1930 das Parlament außer Kraft und machten politische Stabilität unmöglich. Unterdessen gewann die rechtsextreme NSDAP großen Zulauf und wurde 1932 die stärkste Fraktion im Reichstag. Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann der Ausbau der nationalsozialistischen Diktatur. Das freizügige Leben der Goldenen 20er Jahre war Geschichte.3

Verfasst von Fabio Schwabe

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