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Außenpolitik der Weimarer Republik


Durch den 1919 unterzeichneten Versailler Vertrag war Deutschland international isoliert. Die Außenpolitik der Weimarer Republik strebte daher eine Revision des Vertrags an. Eine wichtige Rolle spielte dabei Gustav Stresemann. Ihm gelang die Reintegration Deutschlands in die europäische Staatengemeinschaft und eine Minderung der Reparationszahlungen.

Vorgeschichte

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution 1918 wurde das Deutsche Kaiserreich in eine Republik umgewandelt. Im Juni 1919 musste die deutsche Regierung den Friedensbedingungen des Versailler Vertrags zustimmen. Deutschland wurde dadurch international isoliert und verfiel aufrund der hohen Reparationszahlungen in eine wirtschaftliche Krise. Diese mündete im Krisenjahr 1923 in einer Hyperinflation. Französische und belgische Truppen marschierten ins Ruhrgebiet ein [Ruhrbesetzung]. Erst durch die Rentenmark konnte die Inflation beendet werden.

Dawes-Plan

Eine neue Phase der Außenpolitik wurde durch Gustav Stresemann ermöglicht. Er verfolgte eine Strategie der Verständigung und Aussöhnung, wobei er vor allem die Reparationsfrage lösen wollte. Auf der Londoner Konferenz im Jahr 1924 einigten sich die Verhandlungspartner auf die geregelte Zahlung der Reparationen. Unterdessen erhielt Deutschland durch den US-amerikanischen Dawes-Plan einen Kredit in Höhe von 800 Millionen Goldmark. Die Weimarer Republik konnte sich dadurch stabilisieren und ging in die Phase der „Goldenen 20er Jahre“ über.1

Locarno-Verträge

Gustav Stresemann versuchte Deutschlands internationale Isolierung durchbrechen. Im Oktober 1925 verhandelte er mit den europäischen Staatsmännern in Locarno über eine neue internationale Zusammenarbeit. In den unterzeichneten Locarno-Verträgen einigten sich diese auf die Unverletzlichkeit der Westgrenze. Deutschland wurde nun als gleichberechtigter Partner in der europäischen Staatengemeinschaft akzeptiert. Im Jahr 1926 erfolgte die Aufnahme in den Völkerbund. Für die deutsch-französische Aussöhnungspolitik erhielten Stresemann und Briand den Friedensnobelpreis.2

Rapallo- und Berliner Vertrag

Auch mit der Sowjetunion ging die deutsche Außenpolitik eine neue Kooperation ein. Schon im 1922 unterzeichneten Rapallo-Vertrag hatten sich diese auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und den gegenseitigen Verzicht auf Reparationen geeinigt. Die Verständigungspolitik mit der Sowjetunion ermöglichte außerdem den geheimen Aufbau deutscher Luftstreitkräfte, was durch den Versailler Vertrag ausdrücklich untersagt worden war. Im Berliner Vertrag garantierten sich beide Staaten gegenseitige Neutralität im Falle eines Kriegsausbruchs.3

Young-Plan

Der im Dawes-Plan festgelegte Betrag der Reparationszahlungen schien im Jahr 1929 – trotz wirtschaftlicher Stabilisierung – nicht realisierbar. Daher handelten Finanzexperten zwischen Februar und Juni 1929 den sogenannten Young-Plan aus. Darin wurden die Reparationsraten von 2,5 auf 2 (jährlich zu zahlenden) Milliarden Goldmark reduziert. Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 leitete jedoch eine Wende ein. Die durch US-amerikanische Kredite finanzierte deutsche Wirtschaft brach zusammen. Die Konferenz von Lausanne beendete den Young-Plan. Es setzte das Ende der Weimarer Republik und der Aufstieg der NS-Diktatur ein.4

 

Verfasst von Fabio Schwabe

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