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Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik


Warum scheiterte die Weimarer Republik? Von Beginn an war sie mit den Folgen des Ersten Weltkriegs belastet. Ihr wurde die Schuld an den politischen und wirtschaftlichen Missständen zugeschoben. Auch die Reichswehr, Polizei und Justiz waren nur unzureichend demokratisch eingestellt. Die instabile Weimarer Verfassung führte letztlich zur Selbstauflösung der ersten deutschen Demokratie.

Erster Weltkrieg und Versailler Vertrag

Im Herbst 1918 verlor das Deutsche Kaiserreich den Ersten Weltkrieg. Die Novemberrevolution führte zum abrupten Untergang der Monarchie. Im Versailler Vertrag musste die deutsche Regierung den harten Friedensbedingungen zustimmen. Diese Umstände bereiteten der Weimarer Republik einen schweren Anfang. Rechtsnationale Gruppierungen machten die – als „Novemberverbrecher“ diffamierten – Sozialdemokraten für die politische und wirtschaftliche Krise verantwortlich. Außerdem verbreiteten sie die Dolchstoßlegende, die die neue Regierung zum „Sündenbock“ erklärte.

Politischer Terror

Vor allem die Krisenjahre zwischen 1919 und 1923 waren von links– und rechtsextremen Putschversuchen gegen die Regierung geprägt. Linksradikale strebten eine kommunistische Revolution nach Vorbild Russlands an. Rechtsradikale empfanden den Versailler Vertrag als „Schanddiktat“ und wollten ihn möglichst rückgängig machen. Dem politischen Terror fielen zahlreiche Politiker zum Opfer. Zu den berühmtesten Putschversuchen gehörten der Spartakusaufstand 1919, Kapp-Putsch 1920 und Hitler-Putsch 1923.1

Demokratie ohne Demokraten

Auch der Staatsapparat der Weimarer Republik war gegenüber der Demokratie skeptisch eingestellt. Reichswehr, Polizei und Justiz standen weiterhin in der Tradition des Kaiserreichs. Ihnen mangelte es an demokratischer Erfahrung. Der Staat konnte sich daher auf kein verlässliches Gewaltmonopol stützen. Die Regierung arbeitete oftmals mit antidemokratischen und republikfeindlichen Militärs gegen linksradikale Putschisten – wie beim Spartakusaufstand – zusammen. Bei rechtsradikalen Attentaten agierte die Reichswehr eher zurückhaltend. Auch in der Justiz fielen die Urteile eher milde aus.2

Wirtschaftliche Krise

Die im Versailler Vertrag festgeschriebenen Reparationszahlungen verursachten 1923 eine Hyperinflation. Die andauernden ökonomischen Belastungen konnten mithilfe des Dawes-Plans vorübergehend behoben werden. Die relative Stabilisierung zwischen 1924 und 1929 wird als „Goldene 20er Jahre“ bezeichnet. Seit der Weltwirtschaftskrise 1929 kamen die wirtschaftlichen Probleme erneut auf. Die allgegenwärtige Massenarbeitslosigkeit führte zur endgültigen Ablehnung der Weimarer Republik und ließ radikale Parteien erstarken.

Instabile Weimarer Verfassung

Die Weimarer Verfassung machte aus Deutschland eine parlamentarische Demokratie mit starkem Reichspräsidenten. Dieser erhielt – aufgrund seiner politischen Kompetenzen – den Beinamen „Ersatzkaiser“ . Vor allem das Notverordnungsrecht erwies sich seit 1930 als Problem für die Demokratie. Regierungsfähige Koalitionen wurden unmöglich, da es zu viele Splitterparteien gab. Reichspräsident Hindenburg ließ das Parlament entmachten. Es regierten sogenannte Präsidialkabinette, die nicht mehr dem Vertrauen des Parlaments unterlagen. Das Notverordnunsgrecht setzte die Demokratie de facto außer Kraft.3

Aufstieg der NSDAP

Von der politischen und wirtschaftlichen Krise konnte vor allem die NSDAP profitieren. Seit der Reichstagswahl 1930 war sie im Parlament vertreten und entwickelte sich zur stärksten politischen Kraft. Die gezielte Propaganda gegen die Demokratie ermöglichte ihren politischen Aufstieg. Dafür nutzte sie auch die Dolchstoßlegende. Mit ihrem Parteiführer Adolf Hitler versprach sie Ordnung und bessere Lebensbedingungen. Gegen ihre Schlägertruppen der SA standen die Regierung, Polizei und Justiz machtlos gegenüber. Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann die sogenannte „Machtergreifung“ .4

Verfasst von Fabio Schwabe

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