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Folgen und Bedeutung des Ersten Weltkriegs


Der Erste Weltkrieg markierte eine historische Zäsur. Die moderne Kriegsführung verursachte enorme Zerstörungen und Opferzahlen. Dies führte zu Veränderungen in der politischen Landkarte. Die USA lösten Europa als dominierende Weltmacht ab. Die ungerechten Friedensbedingungen des Versailler Vertrags trieben Deutschland in eine politische und wirtschaftliche Krise. Darauf folgten der Aufstieg des Nationalsozialismus und schließlich ein Zweiter Weltkrieg.

Verluste

Der Erste Weltkrieg erforderte eine bis dahin nie gekannte Opferzahl. Knapp 9 bis 10 Millionen Soldaten verloren auf den Schlachtfeldern ihr Leben. Hinzu kamen ungefähr sieben Millionen Zivilisten. Diese neue Dimension des Massensterbens wurde durch die moderne Kriegsführung ermöglicht. Durch den Einsatz von Maschinengewehren, Flammenwerfern, Handgranaten und U-Booten konnte aus größerer Entfernung angegriffen werden. Eine besonders grausame Kriegswaffe stellte das Giftgas dar.1

Veränderungen der politischen Landkarte

Der Erste Weltkrieg sorgte für enorme Veränderungen in der politischen Landkarte. Die alten Monarchien des Deutschen Reiches, Österreich-UngarnsRusslands und Osmanischen Reiches gingen unter. Im Deutschen Reich wurde infolge der Novemberrevolution 1918 die Weimarer Republik ausgerufen. In Russland übernahmen nach der Oktoberrevolution 1917 die Bolschewiki die Regierungsgewalt. Darüber hinaus verlor Europa seine Rolle als Weltmacht und musste sie an die aufstrebenden USA abgeben. Das Jahr 1917 wird rückblickend auch als „Epochenjahr“ bezeichnet, da es den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts prägte.2

Demokratisierung

Als die deutsche Kriegsniederlage im Herbst 1918 absehbar war, übergab die OHL den demokratischen Parteien die Regierungsgewalt. Infolge der Oktoberreformen wurde das Deutsche Reich kurzzeitig eine parlamentarische Monarchie. Die Novemberrevolution 1918 stürzte die alte Herrschafts- und Gesellschaftsordnung endgültig. In zahlreichen Städten forderten Arbeiter- und Soldatenräte mehr Demokratie. Am 9. November wurde zweimal die Republik ausgerufen. Es wurde ein Rat der Volksbeauftragten eingesetzt, der über das neue politische System bestimmen sollte. Im Januar 1919 entstand mit der Weimarer Republik die erste deutsche parlamentarische Demokratie. Die Monarchie war nun Geschichte. Die alten Sonderrechte für den Adel und das Militär fielen weg.3

Versailler Vertrag

Im Januar 1918 legte US-Präsident Woodrow Wilson einen 14-Punkte-Plan vor. Darin forderte er ein Nachkriegseuropa von gleichberechtigten Staaten und einen vermittelnden Völkerbund. Wilsons Vorschlag scheiterte jedoch an den Siegermächten Großbritannien und Frankreich. Diese zwangen dem Deutschen Reich mit dem Versailler Vertrag einen „Diktatfrieden“ auf. Deutschland wurde damit politisch isoliert und geriet durch die hohen Reparationszahlungen in eine tiefe Wirtschaftskrise. Diese erreichte mit der Inflation im Jahr 1923 ihren Höhepunkt.4

Aufstieg des Nationalsozialismus

Die harten Friedensbedingungen des Versailler Vertrags stießen in der deutschen Bevölkerung auf breite Empörung. Die durch die Reparationszahlungen ausgelöste Inflation bereitete der jungen Weimarer Republik einen schweren Anfang. In den Krisenjahren 1919-1923 kam es zu einer Reihe von links- und rechtsextremen Putschversuchen. In konservativen Kreisen wurde unterdessen die Dolchstoßlegende verbreitet. Mit ihr sollte die Schuld an der politischen und wirtschaftlichen Krise der sozialdemokratischen Regierung zugeschoben werden. Die Folgen des Ersten Weltkriegs schufen somit einen Nährboden für den Aufstieg des Nationalsozialismus. In den 1930er Jahren etablierte sich die NSDAP zur stärksten Partei und führte Europa in einen Zweiten Weltkrieg. Aufgrund dieses Zusammenhangs sprechen Historiker auch von einem „Dreißigjährigen Krieg“ .5

Verfasst von Fabio Schwabe

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