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Der „Preußenschlag“


Der sogenannte „Preußenschlag“ ereignete sich am 20. Juli 1932. An jenem Tag wurde die Regierung Preußens – auf Grundlage einer Notverordnung – durch einen Reichskommissar ersetzt. Es folgte eine umfassende „Säuberung“ des preußischen Machtapparates, die letztlich eine stärkere Zentralisierung des Deutschen Reiches herbeiführte und Hitlers „Machtergreifung“ erleichterte. Die Weimarer Republik neigte sich ihrem Ende zu.

Vorgeschichte

In Preußen regierte seit 1920 unter Ministerpräsident Otto Braun eine Koalition aus SPD, Zentrum und DDP. Infolge der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden regierungsfähige Koalitionen immer unwahrscheinlicher. Auf den Landtagswahlen von 1932 konnten die radikalen Parteien der NSDAP und KPD zahlreiche Wählerstimmen dazugewinnen. Die preußische Landesregierung musste zurücktreten, blieb allerdings geschäftsführend im Amt. Unterdessen plante Reichskanzler Franz von Papen die Einsetzung einer rechtskonservativen Regierung in Preußen. Dafür unterschrieb ihm Reichspräsident Hindenburg eine Notverordnung, für die aber noch ein gegebener Anlass fehlte.1

Verlauf

Ein günstiger Anlass bot der „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932. Von Papen nutzte die gewaltsame Straßenschlacht für eine Notverordnung aus, da die öffentliche Sicherheit gefährdet sei. Am 20. Juli überbrachte von Papen dem preußischen Innenminister Carl Severing in der Reichskanzlei die entsprechende Notverordnung. Er erklärte – unter polizeilicher Begleitung – Braun und Severing für abgesetzt. Die preußische Landesregierung hielt diese jedoch für unrechtmäßig und erhob – vergeblich – Klage vor dem Staatsgerichtshof. Nahezu widerstandslos wurde die Regierung in Preußen durch den „Reichskommissar“ von Papen ersetzt. Darüber hinaus folgten der Austausch des Berliner Polizeipräsidiums und Zentrale der Schutzpolizei.2

Folgen

Durch den „Preußenschlag“ ging die Kontrolle über den preußischen Machtapparat – inklusive der Polizei – auf die Reichsregierung über. Damit wurden die föderale Struktur des Deutschen Reiches stark beschnitten und jeglicher Widerstand gegenüber der Reichspolitik erschwert. Der Staatsstreich in Preußen legte den Grundstein für die konservativ-autoritäre Wende im Deutschen Reich. Er erleichterte außerdem Hitlers „Machtergreifung“ und die Errichtung der NS-Diktatur, indem sich die Schlüsselpositionen in Verwaltung, Polizei und Justiz des preußischen Staates bereits in den Händen der Reichsregierung befanden.3

Verfasst von Fabio Schwabe

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