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Erich Honecker Biografie

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Erich Honecker gehörte zu den einflussreichsten kommunistischen Politikern in der Geschichte der DDR. Als Funktionär der KPD war er in der Zeit des Dritten Reichs wegen seines Widerstandes zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Diese saß er im Zuchthaus Brandenburg-Görden ab. In der DDR löste er im Jahr 1971 Walter Ulbricht als Generalsekretär des ZK der SED ab und war damit de facto Staatschef. Seine letzten Regierungsjahre waren vor allem von fehlenden Reformen geprägt, sodass er im Oktober 1989 vom SED-Politbüro zum Rücktritt gezwungen wurde. Einen Monat später ereignete sich der Mauerfall und der allmähliche Untergang der DDR.

Herkunft und Jugend

Erich Honecker wurde 1912 in Neunkirchen als Sohn eines Bergarbeiters geboren. Seine frühe Kindheit erlebte er im nahe liegenden Arbeiterviertel Wiebelskirchen. Sein Vater Wilhelm Honecker war zunächst SPD-Mitglied, trat während des Ersten Weltkriegs in die USPD über und betätigte sich ab 1919 in der KPD. Geprägt von der politischen Gesinnung seines Vaters, trat Erich Honecker 1922 in die Kommunistische Kindergruppe in Wiebelskirchen ein. Vier Jahre später wurde er Mitglied im KJVD. Im Jahr 1930 erfolgte sein Beitritt in die KPD. Honecker begann nach seiner Schulzeit zunächst eine Ausbildung als Dachdecker. Diese brach er aber vorzeitig ab und nahm in Moskau ein Studium an der Internationalen Lenin-Schule auf.1

Widerstand im Dritten Reich

Nach seiner Rückkehr aus Moskau arbeitete Honecker als Bezirksleiter des KJVD im Saarland. Im Frühjahr 1933 erfolgte die Machtergreifung und Gleichschaltung der Nationalsozialisten. Politische Gegner wurden nun verfolgt und verhaftet. Da das Saarland zu dieser Zeit aber nicht zu Deutschland gehörte, konnte Honecker seine politische Tätigkeit zunächst fortführen. Er setzte sich vehement gegen eine Wiederangliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich ein. Nach der Saarabstimmung 1935, die das Saarland an Deutschland angliederte, floh er nach Frankreich. Im August 1935 reiste er mit dem gefälschten Namen „Marten Tjaden“ nach Berlin, um dort Parteiarbeit und Widerstand durch den KJVD zu organisieren. Im Dezember 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet und 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Haftstrafe saß er im Zuchthaus Brandenburg-Görden ab. Nach der Befreiung im April 1945 durch die Rote Armee reiste Honecker nach Berlin und wurde dort der Gruppe Ulbricht zugeteilt. In der Nachkriegszeit begann sein politischer Aufstieg.2

Politiker in der DDR

Nach seiner Mitbegründung der Freien Deutschen Jugend 1946 wurde Honecker im selben Jahr Mitglied der SED, die sich später zur staatstragenden Partei der DDR entwickelte. 1949 kam es zur deutschen Teilung und Gründung der DDR. Bis 1955 war Honecker als Vorsitzender der FDJ tätig. In dieser Zeit besetzte er die wichtigsten Positionen der Jugendorganisation und stieg dadurch in das Zentralkomitee der SED auf. In den 1950er Jahren machte sich Honecker zunehmend einen Namen. Zwischen 1955 und 1956 ließ er sich an einer Parteihochschule in Moskau ausbilden. In den Folgejahren übernahm er die Verantwortung für Militär- und Sicherheitsfragen im SED-Politbüro. Als Leiter dieses Amtes hatte er einen entscheidenden Anteil am Bau der Berliner Mauer 1961 und dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze. Indem Erich Honecker seine ehemaligen FDJ-Genossen in die wichtigsten Positionen der SED unterbrachte, wurde er zu einem immer einflussreicheren Politiker.3

Honecker als Generalsekretär

Am 3. Mai 1971 löste er Walter Ulbricht als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED ab. Nach seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates und Ministerrates war Honecker de facto Partei- und Staatschef. In seinen ersten Regierungsjahren fielen die Entspannungspolitik mit der BRD und der Grundlagenvertrag. Indem er die DDR an der KSZE-Konferenz in Helsinki teilnehmen ließ, wurde die DDR als völkerrechtliches Mitglied in die UNO aufgenommen. Da der Grundlagenvertrag zur Lockerung der Reisegesetze geführt und damit eine verstärkte Ausreisewelle nach Westen verursacht hatte, sah sich Honecker zu innenpolitischen Maßnahmen gezwungen. Er ließ intellektuelle Künstler und Schriftsteller als Regimekritiker ausbürgern und verdächtige Menschen durch die Stasi bespitzeln. Die innerdeutsche Grenze baute er mit Selbstschussanlagen aus. Außenpolitisch konnte er bei zahlreichen nicht-westlichen Staaten die Anerkennung der DDR erreichen. In den 1980er Jahren verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der DDR, sodass sich Honecker zur Aufnahme von Milliardenkrediten seitens der BRD gezwungen sah.4

Mauerfall und Rücktritt

Nachdem der neue sowjetische Staatschef Gorbatschow seit 1986 mit Perestroika und Glasnost Reformen eingeführt hatte, ging der DDR ihre wichtigste Machtstütze verloren. Ausreiseanträge und Unzufriedenheit in der Bevölkerung nahmen zu, weil sich Honecker vor innenpolitischen Reformen scheute. Als sich Polen und Ungarn 1989 von ihren sozialistischen Staatssystemen lösten und ihre Grenzen öffneten, nahmen noch mehr DDR-Bürger die Flucht nach Westen auf. Aufgrund dessen wurde Honecker am 18. Oktober 1989 vom SED-Politbüro zum Rücktritt gezwungen. Auf sein Amt folgte Egon Krenz. Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wurden gegen Honecker und andere SED-Funktionäre durch die Volkskammer strafrechtliche Ermittlungen eingeführt. Ihnen warf man Korruption und Amtsmissbrauch vor. Im November 1990 kam es wegen der Todesschüsse an der Berliner Mauer zu einem erneuten Haftbefehl gegen Honecker. Nach einer kurzzeitigen Flucht nach Moskau und Chile kehrte er 1992 nach Berlin zurück. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurden die Haftbefehle gegen ihn im Januar 1993 aufgehoben, sodass er nach Chile zu einer Familie auswanderte und dort ein Jahr später starb.5






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