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Quellenverweise

Wartburgfest

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Am 18. Oktober 1817 kam es auf der Wartburg in Thüringen zu einer Massenversammlung von etwa 500 Studenten und Professoren. Mit der Wahl dieses Datums, als 300. Jahrestag der Reformation und 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, verfolgten die Teilnehmer propagandistische Zwecke. Das Wartburfest war eine Reaktion des Bürgertums auf die Restauration der absolutistischen Fürsten. Des Weiteren wurden Freiheitsrechte und die Gründung eines deutschen Einheitsstaat gefordert. Beides war auf dem Wiener Kongress verhindert worden.

Wiener Kongress und Restauration

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Europa von französischen Truppen unter General Napoleon besetzt wurden. Diese Fremdherrschaft konnte erst in den Befreiungskriegen, an denen sich viele freiwillige Deutsche beteiligten, gebrochen werden. Es entwickelte sich im deutschen Sprachraum zunehmen ein Nationalbewusstsein. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt aber noch kein Nationalstaat, sondern war in viele kleinere Staaten zersplittert. Auf dem Wiener Kongress 1815 beschlossen Europas Fürsten die Restauration und Wiederherstellung der Fürstenherrschaft. Die Forderungen nach Freiheitsrechten und Nationalstaat wurden damit verhindert. Anstatt eines Nationalstaates war mit dem Deutschen Bund nur ein loser Staatenbund geschaffen worden, um das Gleichgewicht in Europa aufrechtzuerhalten.1

Vormärz

Nach den Beschlüssen auf dem Wiener Kongress setzten sich Studenten und Professoren in Burschenschaften zusammen, um ihre liberalen und nationalen Forderungen politisch zu organisieren. Viele von ihnen hatten in den Befreiungskriegen im Lützowschen Freikorps mitgekämpft und ein deutsches Nationalbewusstsein entwickelt. Daher sehnten sie sich nach der Vereinigung der Kleinstaaten zu einem Einheitsstaat. Das Wartburgfest 1817 markierte das erste große Ereignis in der Epoche des deutschen Vormärz.2

Voraussetzungen

Als 300. Jahrestag der Reformation und der Völkerschlacht bei Leipzig luden Studenten deutscher Universitäten am 18. Oktober 1817 auf der Wartburg zu einem Nationalfest ein. Diese Burg hatte einen symbolisch-historischen Charakter, weil dort Martin Luther nach seiner Verbannung 1521 Zuflucht gefunden und mit seiner Bibelübersetzung die Entwicklung der deutschen Sprache maßgeblich vorangetrieben hatte. Ermöglicht wurde die Veranstaltung auch durch die liberale Einstellung des Großherzogs Karl August, der in seiner fortschrittlichen Verfassung die Presse-. Meinungs- und Versammlungsfreiheit erlaubte.3

Grundsätze

Im Anschluss an das Wartburgfest wurde ein Grundsatzprogramm verabschiedet. Es forderte vornehmlich die politische, wirtschaftliche und religiöse Einheit der deutschen Kleinstaaten zu einem Nationalstaat. Die absolutistische Fürstenherrschaft sollte gebrochen und durch eine liberale Volksvertretung ergänzt werden. Damit verband sich die Idee einer konstitutionellen Monarchie. Des Weiteren wurde die Gleichheit vor dem Gesetz, Ansprüche auf Geschworenengerichte, das Recht auf Privateigentum sowie Meinungs- und Pressefreiheit gefordert. Hier geht es zum vollständigen Grundsatzprogramm des Wartburgfest.

Folgen

Nach dem Wartburgfest kam es unter den Studenten und Professoren zur Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft. Damit nahm die Organisation der liberalen und nationalen Bewegung festere Strukturen an. Die schwarz-rot-goldene Fahne wurde in der Folgezeit zum symbolischen Charakter der deutschen Nationalbewegung. Diese waren die Uniformfarben der Lützowschen Freikorps in den Befreiungskriegen und galten damit als Nationalsymbol. Die Massenversammlung markierte den Beginn des Vormärz und nahm in den Folgejahren immer radikalere Züge an. Mit den Karlsbadern Beschlüssen wurden die Aktivitäten der Burschenschaftler massiv unterdrückt. Die absolutistischen Fürsten um Metternich konnten ihre Ordnung dennoch nicht aufrechterhalten, sodass es 1848 zum Ausbruch der deutschen Revolution kam.4

» Hier geht es zur Übersichtsseite Restauration und Vormärz






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