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Metternichs Reaktion auf die Ermordung Kotzebues


Die Ermordung des antiliberalen Schriftstellers August von Kotzebue durch einen Studenten veranlasste Österreichs Staatskanzler Metternich zu drastischen Maßnahmen. In einem am 9. April 1819 verfassten Brief an seinen engsten Berater Friedrich von Gentz sprach dieser über die Motive des Attentäters und seinen geplanten Repressalien, die im Jahr 1819 als „Karlsbader Beschlüsse“ bekannt wurden:

Metternichs Reaktion auf die Ermordung Kotzebues

Ich habe die Nachricht der Ermordung Kotzebues mit allen vorläufigen Details erhalten. […] Ich für meinen Teil hege keinen Zweifel, daß der Mörder nicht aus eigenem Antriebe, sondern infolge eines geheimen Bundes handelte. Hier wird wahres Übel auch einiges Gute erzeugen, weil der arme Kotzebue nun einmal als ein argumentum ad hominem dasteht, welches selbst der liberale Herzog von Weimar nicht zu verteidigen mag. – Meine Sorge geht dahin, der Sache die beste Folge zu geben, die möglichste Partie aus ihr zu ziehen, und in dieser Sorge werde ich nicht lau vorgehen.

Ich habe Ihnen vor vielen Monaten die geheimen Akten der Burschenschaft gegeben, und soviel ich mich erinnerte, sind sie noch in Ihren Händen. Ich glaube den Zeitpunkt gekommen, um sehr gemessen mit dieser ganzen Sache nun anzutreten. Meine Idee wäre, daß die Statuten im größten Geheim gedruckt und in Deutschland verteilt würden. Das Geheimnis in dieser Gelegenheit halten, ist sehr leicht, und hierzu hat Gr. Sedlnitzky [österr. Polizeiminister] alle Mittel. Ich bitte Sie demnach, die Piecen zu ordnen und mit selben zu Gr. Sedlnitzky zu gehen. Ich schreibe ihm über den Gegenstand.

Eine der Ursachen, warum ich die Statuten, die Jenenser Protokolle usw. gedruckt wünsche, ist, damit sie der Beratung, welche über die Sache unter den Kabinetten eröffnet werden wird, zum Belege dienen könne. Es scheint bestimmt sicher zu sein, daß der Mörder Kotzebues als der Emissär – ein wirklicher Haschischin – der Jenenser Feme handelte. Die Universität, welche den Streich ausführen sollte, wurde zuerst durchs Los bestimmt, und sodann abermals durch das Los, welcher Verbrüderte die Tat mit Aufopferung seines eigenen Lebens ausführen sollte und, was mehr ist, – sie ausgeführt hat. Hierauf deuten vielen Daten. Wir werden nun ehestens sehen, was der Kaiser von Rußland zu der liebevollen Behandlung seiner Staatsräte in Deutschland sagen wird. Während nun die russischen Agenten in Deutschland propter obscurantiam ermordet werden, präsidieren die russischen Agenten in Italien den Klubs der Karbonari. Diesem Greuel wird auch bald Einhalt geschehen! […]

Auszüge zitiert nach: Briefe von und an Friedrich von Gentz, Bd. 3, Schriftwechsel mit Metternich. Tl. 1. 1803-1819, hrsg. v. Carl Friedrich Wittichen und Ernst Salzer, München/Berlin 1913, S. 388f.

Verfasst von Fabio Schwabe

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