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Vormärz


Als „Vormärz“ wird die Zeit zwischen 1815 und der Märzrevolution 1848 bezeichnet. Viele Bürger waren von der Restauration im Deutschen Bund enttäuscht. Sie gründeten Burschenschaften und forderten die Gründung eines deutschen Nationalstaates mit Freiheits- und Grundrechten. Die Fürsten reagierten auf diese Bewegung mit Zensur, Bespitzelung und Repression.

Vorgeschichte

Im frühen 19. Jahrhundert war der deutschsprachige Raum [Rheinbund] von Napoleon Bonaparte und französischen Truppen besetzt. Einerseits galt Napoleon als „Befreier“ , indem er liberale Reformen einführte. Andererseits wurden die französischen Besatzer als „Unterdrücker“ betrachtet. Die Befreiungskriege [1813-1815] beendeten Napoleons Vorherrschaft in Europa. An diesen Kriegen beteiligten sich auch viele Freiwillige. Aus dem Befreiungskampf erwuchs ein deutsches Nationalbewusstsein. Auf dem Wiener Kongress einigten sich die europäischen Fürsten jedoch auf die Restauration und ein friedliches Gleichgewicht. Die Wünsche nach Freiheit und Nation wurden abgelehnt. Mit dem Deutschen Bund gründeten sie 1815 einen lockeren Staatenbund. Napoleons liberale Reformen wurden rückgängig gemacht.1

Wartburgfest und Karlsbader Beschlüsse

Seit 1815 gründeten Studenten sogenannte Burschenschaften. Sie wurden zunehmend politisch aktiv. Ihre liberalen und nationalen Forderungen brachten sie auf dem Wartburgfest im Jahr 1817 zum Ausdruck. Weitreichende Folgen hatte die Ermordung des antiliberalen Schriftstellers August von Kotzebue durch Karl Ludwig Sand im Jahr 1818. Den Fürsten – insbesondere Metternich – lieferte dieses Attentat einen willkommenen Anlass für radikale Unterdrückungsmaßnahmen. Mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 ließen sie Burschenschaften verbieten und politische Schriften einer Zensur unterwerfen. Verdächtige Professoren wurden an den Universitäten bespitzelt und aus dem Dienst entlassen. Man sprach von einer „Demagogenverfolgung“ .2

Julirevolution und Hambacher Fest

Im Jahr 1830 brach in Frankreich die Julirevolution aus. Der Sturz der Bourbonen-Dynastie verlieh der liberalen und nationalen Bewegung im Deutschen Bund neuen Aufschwung. Auf dem Hambacher Fest 1832 versammelten sich knapp 30.000 Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zu einer politischen Massenkundgebung. Sie forderten den deutschen Nationalstaat, eine Verfassung und Grundrechte. Die schwarz-rot-goldene Flagge wurde zum Symbol der Einheit und Freiheit. Die Fürsten reagierten auf dieses Ereignis mit verschärfter Repression.3

Frankfurter Wachensturm und Göttinger Sieben

Im Jahr 1833 versuchten Studenten die Hauptwache in Frankfurt zu stürmen, um anschließend das Gebäude des Bundestages zu besetzen und die Republik auszurufen [Frankfurter Wachensturm]. Dieser Putschversuch scheiterte und zwang viele Aufständische zum Exil ins Ausland. 1837 protestierten sieben Göttinger Professoren gegen die Aufhebung der Verfassung in Hannover. Zwar wurden sie aus ihren Ämtern entlassen, doch ihre politische Wirkung machte sich im gesamten Deutschen Bund bemerkbar. Ihr gewagter Protest ermutigte die Menschen zu verstärktem Widerstand gegen die herrschenden Fürsten.4

Schlesischer Weberaufstand

Nicht nur das Bildungsbürgertum wehrte sich gegen die Unterdrückung der Fürsten. Auch Arbeiter und Bauern forderten bessere Lebensbedingungen. Im Jahr 1844 meuterten in der Provinz Schlesien zahlreiche Heimweber gegen die Lohnkürzungen der Verleger. Sie plünderten und demolierten die konkurrierenden Fabriken. Der Schlesische Weberaufstand erweckte eine große Aufmerksamkeit im Deutschen Bund. Die soziale Frage wurde nun von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Die wachsenden politischen und sozialen Missstände führten schließlich im Jahr 1848 zum Ausbruch der deutschen Revolution.5

Verfasst von Fabio Schwabe

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