Wartburgfest


Das Wartburgfest vom 18. Oktober 1817 war eine politische Massenkundgebung von ca. 500 Studenten bei Eisenach. Diese forderten die Gründung eines deutschen Nationalstaates sowie Freiheits- und Grundrechte. Das Datum wurde anlässlich des 300. Jahrestags der Reformation gewählt und sollte somit die Idee eines nationalen Volksfestes verkörpern.

Vorgeschichte

In der Völkerschlacht bei Leipzig konnte Napoleons Vorherrschaft über Deutschland überwunden werden [Befreiungskriege]. Auf dem Wiener Kongress 1814/15 entschieden sich die europäischen Fürsten für eine Restauration. Für den deutschsprachigen Raum setzten sie mit dem Deutschen Bund einen lockeren Staatenbund ein, in dem jeder Fürst seine Souveränität behielt. In der Deutschen Bundesakte wurde die Einführung von Verfassungen angekündigt. Die nationalen und liberalen Wünsche des Bürgertums blieben unerfüllt. Deutschland war weiterhin zersplittert, eine gesamtdeutsche Verfassung mit Freiheits- und Grundrechten kam nicht zustande.1

Wartburgfest: Verlauf und Grundsätze

Als Reaktion auf die Restauration gründeten patriotische Studenten im Jahr 1815 in Jena die sogenannte Urburschenschaft . Zwei Jahre später luden sie – anlässlich des Jahrestags der Reformation und Völkerschlacht bei Leipzig – für den 18. Oktober 1817 zum „Nationalfest“ auf die Wartburg bei Eisenach ein. Dort erschienen knapp 500 Studenten und einige Professoren von mehreren deutschen Universitäten. Erstmals wurde die schwarz-rot-goldene Flagge als Symbol der deutschen Nationalbewegung öffentlich zur Schau gestellt. Darüber hinaus einigten sich die Aktivisten auf ein Grundsatzprogramm. Dazu gehörten die Forderungen nach nationaler Einheit , Grundrechten sowie einer gesamtdeutschen Verfassung.2

Folgen

Kurz nach dem Wartburgfest erfolgte eine symbolische Bücherverbrennung von reaktionären und antiliberalen Schriftstücken. Die patriotischen Studenten, die sich aktiv in Burschenschaften organisierten, wurden von den Fürsten mit Misstrauen beobachtet. Die Farben Schwarz, Rot und Gold entwickelten sich zum Symbol einer Nationalbewegung, die ihre Forderungen nach einem deutschen Einheitsstaat bekundete und eine Lösung der Deutschen Frage anstrebte. Nach der Ermordung August von Kotzebues durch einen Studenten kam es im Deutschen Bund zu einer Welle der Repression . Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 verboten Burschenschaften, legitimierten die Pressezensur und stellten Universitäten unter Bewachung. Die Forderungen nach Freiheit und Einheit entluden sich 1848 im Ausbruch der deutschen Revolution.3

 

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 17. Mai 2016 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 14. Dezember 2019. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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