Deutsche Bundesakte

Die Deutsche Bundesakte wurde am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongress verabschiedet. Als Verfassungsgesetz des Deutschen Bundes war sie der Garant für Frieden und Gleichgewicht in Europa. Jeder Einzelstaat behielt seine Eigenständigkeit. Dies war ein wichtiges Anliegen für Österreichs Staatskanzler Fürst Metternich, da er die Gründung eines deutschen Nationalstaates unbedingt verhindern wollte.

Vorgeschichte

Die Napoleonischen Kriege hatten Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts politisch und geografisch umgewälzt. Nachdem Napoleons Vorherrschaft infolge der Befreiungskriege beendet werden konnte, trafen sich die führenden europäischen Monarchen auf dem Wiener Kongress. Dort verhandelten sie über eine Neuordnung Europas. Deutschland gehörte dabei zum Hauptgegenstand der Diskussionen: Als „Flickenteppich“ aus mehreren Klein- und Mittelstaaten musste eine Antwort auf die Frage gefunden werden, ob Deutschland nun Bundesstaat oder Staatenbund werden solle. Vor dem Hintergrund eines erstarkenden Nationalismus – durch die Völkerschlacht bei Leipzig – spielte dies eine herausragende Rolle. Österreichs Staatskanzler Metternich ging es um eine Ordnung des Friedens und Gleichgewichts – ein deutscher Nationalstaat hätte diese Pläne gefährdet.1

Shortcode:

Inhalt

Auf dem Wiener Kongress kamen die Teilnehmer am 8. Juni 1815 zu einer Einigung und verabschiedeten die Deutsche Bundesakte. Jeder Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes – zunächst 34 Fürsten und 4 freie Reichsstädte – behielten ihre Souveränität. Der Deutsche Bund wurde somit als Staatenbund gegründet, dessen oberstes Ziel die „innere und äußere Sicherheit“ war. Die Verwaltung bestand aus einer Bundesversammlung und einem Engeren Rat. Preußen und Österreich hatten im Engeren Rat aufgrund ihrer Landesgrößen entscheidende Vorteile beim Stimmrecht. Eine besondere Problematik verbarg sich hinter Artikel 13 der Bundesakte. Darin wurde die Einführung einer „landständischen Verfassung“ angekündigt. Die Umsetzung dieses Artikels blieb jedem Fürsten allerdings selbst überlassen. Die politischen Forderungen der liberalen und nationalen Bewegungen wurden demzufolge nur vage umgesetzt.2

Folgen

Die Deutsche Bundesakte war eine klare Absage an die Forderungen nach Freiheitsrechten und Nationalstaat. Die europäischen Fürsten bestanden – im Sinne des „System Metternichs“ – auf ihre traditionellen Herrschaften. Im Mittelpunkt stand die Restauration. Das Gleichgewicht der Pentarchie wurde in der Heiligen Allianz festgeschrieben. Der Deutsche Bund war vielen Anhängern des liberalen Bürgertum ein Dorn im Auge und führte zur Gründung von Burschenschaften. In der Zeit des Vormärz kam es zu einer immer breiter werdenden politischen Bewegung, die die europäischen Fürsten mit Verfolgung, Bespitzelung und Zensur einzudämmen versuchten. Der aufkommende Liberalismus und Nationalismus führte schließlich zum Ausbruch der Revolution 1848/49.3

Bild 1: Erste Seite der deutschen Bundesakte (1815), Lizenz: Gemeinfrei

Bild 2: Karte Deutscher Bund 1815, Autor: ziegelbrenner, Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

 

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 17.01.2018 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 23.02.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

Bereit zum Pauken?

Die nächste Klausur steht an und das nächste Abitur kommt bestimmt? Mit unseren Lernmaterialien kannst du sofort starten und für dein Thema lernen. Zeig’s deinen LehrerInnen! 

Alle Lernmaterialien zum Mega-Sparpreis

In unserem Lernshop bieten wir alle Lernmaterialien zu allen Themen auch in unserem Mega-Sparbundle an. 

Geschichte kompakt Version 3 geht online! Jetzt mit 1€ unterstützen!

Nun ist es soweit – Geschichte kompakt geht in den dritten Relaunch seit 2012! Wir freuen uns darüber, dass sich unser Projekt – mit jährlich zwei Millionen Nutzern – zu einer der führenden Geschichtsseiten entwickelt hat.

Mit unserem neuen Webauftritt möchten wir uns für eure Treue bedanken: Eine neue Navigation, Grafiken und ein interaktives Forum sollen euch das Lernen für das Fach Geschichte erleichtern. Schüler, Lehrer und Historiker sind bei uns jederzeit willkommen. Ihr könnt uns gerne euer Feedback und Verbesserungsvorschläge im Forum mitteilen. 

Geschichte kompakt ist und bleibt ein Projekt, dass von nur zwei Personen betrieben wird. Durch immer neue Anforderungen und die Notwendigkeit höherer Serverkapazitäten steigen auch unsere Kosten stetig. Wir finanzieren uns vollständig über Werbung und unseren Lernshop. Mit einer Spende von nur 1€ trägst du dazu bei, dass Geschichte kompakt weiterhin kostenlos bleibt. Du hilfst uns dabei, neben den Websites der großen Verlage, bestehen zu bleiben.

Vielen Dank und viel Spaß mit unserem neuen Portal.

Fabio Schwabe und Christopher Schwab