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Reichsdeputationshauptschluss


Die Französische Revolution und Napoleons Kriege haben Europa zu Beginn des 19. Jahrhundert nachhaltig beeinflusst. Zu dieser Zeit existierte Deutschland aber noch nicht als moderner Nationalstaat mit festen Grenzen. Der deutschsprachige Raum war ein Flickenteppich, der aus über 300 Klein- und Mittelstaaten bestand. Dieses seit dem Mittelalter bestehende Herrschaftsgebilde wurde als „Heiliges Römisches Reiches deutscher Nation“ bezeichnet. Als Napoleon mit seinen französischen Truppen Europa eroberte, kam es zu grundlegenden Veränderungen. Diese wurden auf dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluss formuliert.

Napoleonische Kriege

In Frankreich war 1789 die Revolution ausgebrochen. Damit begann das Zeitalter der modernen Neuzeit. Der  Absolutismus, die Ständegesellschaft und die Leibeigenschaft der Bauern wurden abgeschafft. Der Adel musste von nun an auf seine politischen Vorrechte verzichten. Das aufstrebende Bürgertum hingegen gewann zunehmend an Einfluss und stieg zur dominierenden Gesellschaftsschicht auf. Die geistige Grundlage der Revolution legte das Zeitalter der Aufklärung. Seit 1792 führte Frankreich gegen europäische Großmächte die sogenannten Koalitionskriege. 1799 ergriff der französische General Napoleon Bonaparte die Staatsgewalt und führte die Kriege erfolgreich fort. Infolgedessen konnten sich die Ideen der Französischen Revolution schneller in ganz Europa ausbreiten1.

Reichsdeputationshauptschluss

Napoleons Armee hatte durch den Frieden von Lunèville 1801 deutsche Gebiete am linken Rheinufer annektieren können. Das „Heilige Römische Reich“ stand nun kurz vor seinem Zusammenbruch. Mit dem 1803 erlassenen Reichsdeputationshauptschluss gestaltete Napoleon die deutsche Landkarte radikal um. Er säkularisierte die geistlichen Fürstentümer und legte die zahlreichen Kleinstaaten zu größeren Territorien zusammen. Dieser Prozess wurde Mediatisierung genannt. Insofern nahm der Reichsdeputationshauptschluss das Ende des Heiligen Römischen Reiches (1806) vorweg.2

Rheinbund

Die nun stark vergrößerten deutschen Staaten stellte Napoleon unter seine Kontrolle. Sie traten in seinen 1806 gegründeten Rheinbund ein. Dieser war als ein Militärbündnis zu verstehen, das ihm Soldaten für weitere Eroberungsversuche bereitstellte. Gleichzeitig führte Napoleon den Code civil ein. Dadurch konnten sich die Ideale wie Freiheit und Gleichheit, staatliche Gewaltenteilung, Grundrechte und Gewerbefreiheit ausbreiten. Die besetzten deutschen Staaten entwickelten sich nun zu liberalen Rechtsstaaten und verfügten über Beamtentum und zentraler Verwaltung3. Hier geht es zum Artikel über den Rheinbund.

Preußische Reformen

Preußen gehörte gemeinsam mit Österreich zu den vorherrschenden Großmächten innerhalb der deutschsprachigen Gebiete. Es verlor aber seine dominante Stellung, nachdem es gegen Frankreich in der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 verloren hatte. Dies veranlasste die preußische Regierung dazu, innere Reformen einzuführen. Die Stein-Hardenberg’sche Reformen modernisierten das Heer und die staatliche Verwaltung. Die Niederlage in Jena und Auerstedt gegen Frankreich hatte deutlich gemacht, dass das preußische Staatssystem nicht effizient genug war. Daher gab es auch Ansätze, die eine Verfassung einführen und die Leibeigenschaft der Bauern beseitigen sollten. Die Preußischen Reformen legten den Grundstein für die Entwicklung des modernen Staates4.

Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleons militärische Expansion in Europa scheiterte 1812 auf seinem Russlandfeldzug. Die Staaten des Rheinbundes stellten sich nun auf die Seite der europäischen Großmächte und drängten die französische Armee bis nach Frankreich zurück. In den Befreiungskriegen nahmen viele Freiwillige Deutsche teil, die zunehmend ein Nationalbewusstsein entwickelten. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde die napoleonische Vorherrschaft über Europa schließlich besiegelt. Dies bedeutete aber auch, dass Napoleons liberale Reformen (wie der Code Civil) größtenteils wieder rückgängig gemacht wurden. Auf dem Wiener Kongress stellten die europäischen Großmächte die alte Ordnung wieder her. Mit dem Deutschen Bund wurde ein lockerer Staatenbund als Friedensbündnis gegründet. Doch die liberalen und nationalen Ideen blieben bestehen und gewannen langfristig in der Zeit des Vormärz an Bedeutung5.

» Hier geht es zur Quellensammlung 

  1. 1. Fischer Weltgeschichte: Das Zeitalter der europäischen Revolution. 1780 – 1848. S. 144/145
  2. 2. Stollberg-Rilinger, Barbara: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalter bis 1806. 3. Auflage. München 2006. S. 112/113
  3. 3. Fischer Weltgeschichte: Das Zeitalter der europäischen Revolution. 1780 – 1848. S. 150/151
  4. 4. http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/reformen-von-1807-wie-preussen-zur-grossmacht-wurde-a-499311.html
  5. 5. http://www.zeit.de/2013/39/voelkerschlacht-leipzig-1813
Verfasst von Fabio Schwabe

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