Lexikon

    Anzeige


Fehler gefunden?


Du hast einen inhaltlichen oder formalen Fehler in diesem Artikel gefunden? Bitte melde ihn mittels unseres Feedback-Formulars. Danke!
Quellenverweise

Deutscher Zollverein

Jetzt Zusammenfassungen downloaden!

Der Deutsche Zollverein war ein 1834 gegründetes Bündnis der Staaten des Deutschen Bundes für gemeinsame wirtschaftliche Zusammenarbeit. Deutschland war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kein Nationalstaat, sondern in verschiedene Kleinstaaten zersplittert. Der wirtschaftliche Handelsverkehr wurde an den Grenzen durch zahlreiche Zollschranken eingeschränkt. Auf Initiative Preußens sollte der Deutsche Zollverein den Wirtschaftsverkehr erleichtern und ein einheitliches Maß-, Gewichts- und Währungssystem schaffen. Dies förderte auf lange Sicht die Vereinheitlichung der deutschen Staaten zu einem Nationalstaat.

Vorgeschichte

Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress wurde für die deutschen Einzelstaaten der Deutsche Bund geschaffen. Dieser war ein lockerer Staatenbund, in dem jeder Fürst seine Souveränität behielt. Eine einheitliche Handels- und Verkehrspolitik wurde nicht eingeführt. Durch die vielen Zollschranken wurde der innerdeutsche Handel erschwert und die industrielle Entwicklung gehemmt. Seitdem Napoleon die Kontinentalsperre aufgehoben hatte, wurde der Import englischer Waren von deutschen Gewerbetreibenden als Konkurrenz angesehen. Die Zölle sicherten den Kleinunternehmern also zunächst ihre Existenz, erwiesen sich für den staatlichen Warentransport allerdings als großes Handelshemmnis. Wirtschaftswissenschaftler Friedrich List entwarf den Vorschlag eines wirtschaftlich geeinten Deutschlands mit Zollschranken an den Außengrenzen. Diese Idee blieb zunächst erfolglos. Preußen griff sie aber aufgrund eigener wirtschaftlicher und politischer Interessen auf. Seit dem Wiener Kongress gehörten zu Preußen auch die westlichen Provinzen Westfalen und Rheinland, sodass es territorial zersplittert war.1

Gründung kleinerer Zollvereine

Neben Preußen hatten auch die durch den Wiener Kongress gewachsenen süddeutschen Staaten Interesse an der Aufhebung innerer Zollschranken. Aufgrund ihres ländlichen Streubesitzes wurde ihr wirtschaftliches Wachstum durch die Zollgebühren stark beschränkt. Daher schlossen Württemberg und Bayern 1825 den Süddeutschen Zollverein. Drei Jahre später gründeten Hannover, Kurhessen und Sachsen den Mitteldeutschen Handelsverein. Preußen hatte bereits seit dem Zollgesetz 1818 alle inneren Handelsschranken aufgehoben und gründete 1828 den Preußisch-Hessischen Zollverein. In Preußen setzte sich besonders Finanzminister von Motz dafür ein, die Staaten der konkurrierenden Zollverbände zum Anschluss an Preußens Zollverein zu bewegen. Da sich der Süddeutsche Zollverein als nicht effizient erwies, kam es 1829 zu einer Einigung mit Preußen über gegenseitige Zollfreiheit. Die preußische Regierung konnte die meisten Staaten des Deutschen Bundes folglich für ein gemeinsames zollfreies Bündnis überzeugen. Nach dem Zusammenschluss der preußischen und süddeutschen Zollverbände 1833 kam es am 1. Januar 1834 zur Gründung des Deutschen Zollvereins. In den Folgejahren traten diesem Bündnis zahlreiche deutsche Staaten bei.2

Folgen

Der Zollverein hatte eine langfristige Bedeutung für die Entwicklung der industriellen Revolution in Deutschland. Durch den erleichterten Handelsverkehr konnte der Zollverein große Gewinne erzielen und die Modernisierung von Infrastruktur und Gewerbe fördern. Der deutsche Wirtschaftsraum bildete nun eine Einheit, motivierte Unternehmer zu höheren Investitionen holte den ökonomischen Rückstand gegenüber England auf. Darüber hinaus wurde durch den Deutschen Zollverein ein einheitliches Maß-, Gewichts- und Währungssystem geschaffen. Der wirtschaftliche Zusammenschluss der deutschen Einzelstaaten setzte die Voraussetzungen für die 1871 erfolgte Reichsgründung. Bis dahin blieb der deutsche Sprachraum aber auf politischer Ebene zersplittert.3

» Hier geht es zur Übersichtsseite Restauration und Vormärz






Siocial Network


Google