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Reichsgründung 1871


Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich gegründet. Dieser Akt war vor allem durch Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck ermöglicht worden. Er führte Preußen in den 1860er Jahren erfolgreich durch drei Einigungskriege und machte der deutschen „Kleinstaaterei“ ein Ende.

Der Deutsche Bund nach 1848/49

Seit 1815 existierte das heutige Deutschland als lockerer Staatenbund – dem Deutschen Bund. In dieser Zeit häuften sich im Volk die Forderungen nach Nationalstaat, Demokratie und Grundrechten. In der Revolution 1848/49 scheiterte der Versuch, eine vom Volk initiierte Nationalstaatsgründung herbeizuführen. Die Großmächte Preußen und Österreich leisteten Widerstand. Seit den 1850er Jahren entbrannte zwischen Preußen und Österreich ein Machtkampf um die Vorherrschaft über Deutschland [Deutscher Dualismus]. Preußen versuchte nun den Wunsch nach nationaler Einheit für eigene Machtzwecke zu instrumentalisieren.1

Heereskonflikt in Preußen

In den frühen 1860er Jahren kam es in Preußen zum Streit zwischen König und Parlament. Das Parlament lehnte die vom König angestrebte Aufstockung der preußischen Armee ab. Die notwendigen Geldmittel wurden nicht bewilligt. Für eine Wende sorgte der seit 1862 amtierende Ministerpräsident Otto von Bismarck. Er löste den Heereskonflikt mit einem Verfassungsbruch. Bismarck wendete die „Lückentheorie“ an und ließ die Heeresreform ohne Berücksichtigung des Parlaments durchführen. Diese Maßnahme stieß zunächst auf große Kritik. Bismarck versuchte aber die innenpolitischen Streitigkeiten durch außenpolitische Erfolge – für die nationale Einheit – zu kompensieren.2

Deutsche Einigungskriege

Zwischen 1864 und 1871 ereigneten sich drei „Einigungskriege“ , die die deutsche Nationalstaatsgründung begünstigten. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 kämpften Preußen und Österreich gemeinsam gegen Dänemark. 1866 brach der Deutsche Krieg aus. Er endete mit einem Sieg Preußens über Österreich. Preußen annektierte die nördlichen Staaten und schloss sie zum Norddeutschen Bund zusammen. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst. Mit den süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden schloss Preußen ein Schutz- und Trutzbündnis. Nach Preußens Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war der Weg nun frei für die deutsche Einigung.3

Reichsgründung in Versailles

Die deutsche Reichsgründung erfolgte am 18. Januar 1871 – noch während des Kriegs – im Spiegelsaal von Versailles. Sie fand in Anwesenheit der deutschen Fürsten und Militärs statt. Daher sprach man auch von einer „Reichsgründung von oben“ . Gegenüber den süddeutschen Staaten – vor allem Bayern – musste Preußen einige Zugeständnisse machen. Im sogenannten „Kaiserbrief“ wurden dem bayerischen König Ludwig II. Geldzahlungen zugesagt, um die Rangerhöhung des preußischen Königs zum Kaiser zu akzeptieren. Frankreich musste durch die Kriegsniederlage Elsass-Lothringen abtreten und fünf Milliarden Francs an das Deutsche Reich zahlen. Bismarck installierte nach 1871 ein absicherndes Bündnissystem und versuchte Frankreich außenpolitisch zu isolieren.4

Verfasst von Fabio Schwabe

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