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Wirth: Deutschlands Pflichten

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In der Zeit des Vormärz entstand im deutschen Sprachgebiet eine große Protestwelle von Studenten und Professoren, die sowohl Freiheits- und Grundrechte als auch einen deutschen Nationalstaat forderten. Große Bekanntheit erlangte das Hambacher Fest 1832. Auf dem Flugblatt „Deutschlands Pflichten“ vom Hauptorganisator Johann Georg August Wirth am 3. Februar 1832 stand folgendes geschrieben:

„Deutschlands Pflichten“

Die Könige haben unter sich einen Bund geschlossen. Der Bund gilt der Unterdrückung der Völker. Die Mittel sind, dass der Wille des Königs mithilfe der Gewalt als oberstes Gesetz geltend gemacht, alle Wünsche und Anträge des Volkes zur Beförderung der gesellschaftlichen Zwecke schnöde zurückgewiesen und die Verteidigung der Volksrechte durch Vernichtung der freien Presse und durch Terrorismus gegen deren unabhängige Organe unmöglich gemacht wird. Die Früchte des Bundes sind: Verarmung der Völker und Entweihung der menschlichen Würde durch Kriecherei und Sklaventum. Dieser Bund, welcher wie eine drückende eherne Kette ganz Europa umschlingt und den Segen der Natur in Calamität verwandelt, hat seine Hauptstütze in Deutschland. Die zwei mächtigsten deutschen Könige beobachten sorgfältig die Stimmung der Völker. Sobald sie eine Regung der besseren Natur bemerken und das geringste Streben nach Freiheit wahrnehmen, verbünden sie sich mit dem Selbstherrscher der Reußen [Russen], d.h. aller Barbaren, um dem Geiste der Zivilisation entgegen zu wirken. Ihre Politik besteht dabei darin, die Kraft des deutschen Volkes durch Auseinanderreißen des Landes, Zerstörung des deutschen National-Charakters, Unterdrückung der Triebe nach Wiedervereinigung und endlich durch die grausamste Beschränkung der Gedanken-Mittelung auf immer zu brechen, hiernächst aber die Freiheit des französischen Volkes zu untergraben, indem man die Umtriebe dessen Königs unterstützt und zugleich die deutsche Nation gegen Frankreich aufzuhetzen versucht. In der Erkenntnis der Politik des Bundes liegen zugleich die Mittel zur Vernichtung desselben. Sollen die Völker endlich die Freiheit erlangen, soll der Verarmung und dem Elende Europas ein Ende gesetzt werden, so muss Russland von Preußen und Österreich durch ein demokratisches organisiertes Polen getrennt, das Übergewicht des preußischen und österreichischen Königs durch Organisation eines deutschen Reiches, mit demokratischer Verfassung, aufgehoben, und eine europäische Staatengesellschaft durch ein treues Bündnis des französischen, deutschen und polnischen Volkes vorbereitet werden […]. Auch der größte Despot hat nur Gewalt über den Körper: Über den Geist gebietet keine andere Macht als die moralische. Wenn nun auch unsere Körper der Gewalt der Tyrannen unterworfen sind, so bleibt doch der Geist frei; und dadurch ist und die Macht gegeben, die Wiedervereinigung Deutschlands im Geiste herzustellen. Die vereinigte Gewalt der Könige ist nicht hinreichend, um das Bündnis der Geister zu verhindern. Aus dem geistigen Bündnisse entspringt aber die Macht der öffentlichen Meinung, und da diese schwerer in der Waagschale der Gewalten fällt als alle Macht der Fürsten, so führt die Wiedergeburt Deutschlands, im Geiste, von selbst auch auf die materielle Vereinigung.

Auszüge zitiert nach: J. Kermann (Hg.), Texte zur Landesgeschichte – Das Hambacher Fest, Speyer 1981.






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