Lexikon

    Anzeige


Fehler gefunden?


Du hast einen inhaltlichen oder formalen Fehler in diesem Artikel gefunden? Bitte melde ihn mittels unseres Feedback-Formulars. Danke!
Quellenverweise

Karlsbader Beschlüsse

Jetzt Zusammenfassungen downloaden!

Seit dem Wiener Kongress 1815 waren im deutschen Sprachraum der Absolutismus und die Fürstenherrschaft wiederhergestellt worden. Durch die Erfolge in den Befreiungskriegen hatte sich unter den Deutschen aber ein Nationalbewusstsein entwickelt. Neben der Gründung eines deutschen Nationalstaates forderten bürgerliche Studenten und Professoren zunehmend Freiheits- und Grundrechte. Diese Bewegung sahen die europäischen Monarchen als Bedrohung für ihre absolutistische Ordnung an. Den Mord an August von Kotzebue nahmen sie daher zum Anlass für die Karlsbader Beschlüsse. Dadurch sollten liberale und nationale Bewegungen massiv eingeschränkt werden, um den Ausbruch einer Revolution zu verhindern.

Restauration

Der Wiener Kongress markierte das Ende der Napoleonischen Vorherrschaft über Europa. Österreichs Außenminister Metternich wurde zur führenden Persönlichkeit des Kongresses und sorgte dafür, dass Napoleons Neuerungen in den deutschen Staaten wieder restauriert werden sollten. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt noch kein einheitlicher Nationalstaat, sondern in verschiedene Kleinstaaten im Deutschen Bund zersplittert. Durch die Befreiungskriege hatte sich bei den Deutschen ein Nationalbewusstsein entwickelt. Die Gründung eines deutschen Nationalstaates wollte Metternich aber unbedingt verhindern, damit das Gleichgewicht in Europa nicht gestört wurde. Auch auf die Forderungen nach Freiheits- und Grundrechten wurde auf dem Wiener Kongress nicht eingegangen. In fast allen deutschen Einzelstaaten regierte noch die absolutistische Fürstenherrschaft. In der Folgezeit schlossen sich Studenten und Professoren in Burschenschaften zusammen und organisierten politischen Widerstand. 1817 ereignete sich auf dem Wartburgfest die erste Massenkundgebung.1

Karlsbader Ministerialkonferenz

Die deutschen Fürsten nutzten die Ermordung August von Kotzebues durch den Burschenschaftler Karl Ludwig Sand am 23. März 1819 für die Rechtfertigung von Verfolgungs- und Unterdrückungsmaßnahmen. Sie hatten zunehmend Angst vor dem Ausbruch einer Revolution. Daher trafen sich vom 6. bis 31. August Gesandte verschiedener deutscher Höfe zu geheimen Beratungen in Karlsbad. Zum Hauptinitiator wurde Österreichs Außenminister Metternich. Die ausgearbeiteten Beschlüsse wurden am 20. September 1819 einstimmig vom Bundestag in Frankfurt bestätigt. Die dominierenden europäischen Großmächte griffen damit tief in die Rechte der Einzelstaaten im Deutschen Bund ein.2

Inhalte

Durch die Karlsbader Beschlüsse wurde die Presse- und Meinungsfreiheit im Deutschen Bund stark eingeschränkt. Neben dem Verbot von Burschenschaften kam es zur systematischen Überwachung der Universitäten, Schließung von Sportplätzen, Pressezensur und Entlassungen von Professoren. Um die Beschlüsse in die politische Praxis umsetzen zu können, wurde die Mainzer Zentraluntersuchungskommission eingeführt. Die Jahre nach 1819 waren damit von einer Demagogenverfolgung geprägt, also einer Verfolgung liberal- und national-gesinnter Professoren und Schriftsteller, die verhaftet, angeklagt und des Landes verwiesen wurden. Hier geht es zum kompletten Inhalt der Karlsbader Beschlüsse.3

Folgen

Da die Einzelstaaten des Deutschen Bundes rechtlich nicht zur Umsetzung der Karlsbader Beschlüsse verpflichtet waren, wurden diese nicht gleichermaßen umgesetzt. Während die Demagogenverfolgung besonders in Preußen stark betrieben wurde, kam es im deutlich liberaleren Staat Baden zu geringen politischen Veränderungen. Durch die Überwachung und Verfolgung verdächtigter Menschen wurden die Aktivitäten der Burschenschaftler nach 1819 eingeschränkt. Aufgrund dieser repressiven Politik zogen sich Aktivisten und Schriftsteller zunächst privat zurück und prägten damit die Epoche des Biedermeiertums. Nach der Julirevolution in Frankreich 1830 erstarkte die deutsche Nationalbewegung allerdings wieder. Auf dem Hambacher Fest versammelten sich zwei Jahre später knapp 30.000 Menschen zu einem Massenprotest. Nach dem Vormärz und dem Ausbruch der deutschen Revolution wurden die Karlsbader Beschlüsse schließlich am 2. April 1848 vom Deutschen Bundestag außer Kraft gesetzt.4

» Hier geht es zur Übersichtsseite Restauration und Vormärz






Siocial Network


Google