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Sozialdarwinismus


Der Sozialdarwinismus war ein fester Bestandteil der NS-Ideologie. Die Theorie geht bis ins 19. Jahrhundert zurück und hat ihre Wurzeln in Darwins Evolutionstheorie. Darwins Lehre der „natürlichen Auslese“ wurde seitdem vielfach interpretiert und rechtfertigte im „Dritten Reich“ – im Rahmen der „Euthanasie“ – die Ermordung von tausenden Kranken und Behinderten. Darüber hinaus legitimierte sie die „Lebensraumpolitik im Osten„.

Ursprünge

Im Jahr 1859 veröffentlichte der britische Naturforscher Charles Darwin sein Werk „On the Origin of Species„. Darin vermittelte er grundlegende Lehren zur Evolutionstheorie. Durch eine „natürliche Auslese“ würden sich die von Natur aus stärkeren Lebewesen gegenüber schwächeren Lebewesen in der Umwelt durchsetzen. Unter den Tieren existierte also ein „Kampf ums Dasein“. Darwin bezog sich in seiner Theorie auf die Tier- und Pflanzenwelt. Der englische Soziologe Herbert Spencer übertrug diese Ideen auch auf die Menschen und begründete damit den Sozialdarwinismus. Diese Theorie schilderte er in seinem 1864 erschienenen Werk „Survival of the Fittest“.1

Entstehung in Deutschland

In der Zeit des Kaiserreichs (1871-1918) wurde der Sozialdarwinismus durch den Biologen Ernst Haeckel im deutschen Sprachraum bekannt. Auch er wandte die Theorie der „natürlichen Auslese“ auf die Menschen an und gilt als Begründer der Eugenik. Er vermittelte praktische Lehren einer Sozialpolitik, die die Säuberung der Gesellschaft von minderwertigen Menschen bevorzuge. Der Sozialdarwinismus diente den europäischen Großmächten am Ende des 19. Jahrhunderts als moralische Rechtfertigung für den Kolonialismus und Imperialismus in Afrika.2

Euthanasie im „Dritten Reich“

Infolge der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 gelangte der Sozialdarwinismus in die politische Praxis. Die Nationalsozialisten betrieben eine „Rassenhygiene“. Ethnische Minderheiten, Kranke und Behinderte wurden als „Schädlinge“ bezeichnet. Sie sollten mithilfe einer Zwangssterilisation aus der Gesellschaft entfernt werden, um die „deutsch-arische“ Rasse aufzuwerten. Den Höhepunkt dieser Politik markierte die 1939 – im Rahmen der Euthanasie – gestartete „Aktion T4„. Bei dieser systematischen Massenvernichtung kamen bis 1945 knapp 200.000 Kranke und Behinderte ums Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 verlor der Sozialdarwinismus seine Bedeutung. In der UN-Charta und dem deutschen Grundgesetz wurden die Gleichheit und Würde des Menschen festgeschrieben.3

Verfasst von Fabio Schwabe

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