NS-Wirtschaftspolitik

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann der schrittweise Ausbau der NS-Diktatur. Neben Staat und Gesellschaft wurde auch die Wirtschaft von der NSDAP kontrolliert. Die NS-Wirtschaftspolitik zielte auf einen Abbau der Massenarbeitslosigkeit und war auf die Planung eines neuen Kriegs ausgerichtet. Dafür entwickelte sich die Rüstungsindustrie zum wichtigsten Sektor der deutschen Wirtschaft in den 1930er Jahren.

Ziele

Das oberste Ziel der NS-Wirtschaftspolitik war die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit, die infolge der Weltwirtschaftskrise 1929 entstanden war. Damit sollte das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die neue Regierung gestärkt werden. Darüber hinaus strebte das NS-Regime die Unabhängigkeit der deutschen Wirtschaft von ausländischen Importen an. Mit diesen Zielen plante Hitler einen neuen Krieg zu finanzieren. Auf einem Reichsparteitag im September 1936 machte er in einer Rede zum “Vierjahresplan” deutlich, dass die deutsche Wehrmacht “in vier Jahren einsatzfähig” und die Wirtschaft “in vier Jahren kriegsfähig” sein solle. Um die Wirtschaft kontrollieren zu können, wurden im Zuge der NS-Gleichschaltung am 2. Mai 1933 die freien Gewerkschaften zerschlagen. An ihrer Stelle gründete die NSDAP die “Deutsche Arbeitsfront (DAF)“.1

Maßnahmen

Eine bedeutende Maßnahme der NS-Wirtschaftspolitik war die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus Handel, Industrie und Gewerbe. Jüdische Geschäfte wurden systematisch boykottiert. Durch das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” wurden tausende jüdische Beamte aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Wichtige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen waren die Einführung der Wehrpflicht sowie die Gründungen des Reichsarbeitsdienstes und Reichsnährstandes. Somit erlangte die Regierung die Kontrolle über Industrie und Landwirtschaft. NS-Organisationen wie “Kraft durch Freude (KdF)” ermöglichten zahlreichen Arbeitern kulturelle Freizeitangebote. 1936 verabschiedete die Regierung den “Vierjahresplan”, der Wirtschaft und das Militär auf einen Krieg vorbereiten sollte. Dadurch erlebte die Rüstungsproduktion einen enormen Aufschwung. Zwei Jahre später machte sie die Hälfte aller Staatsausgaben aus.2

Folgen

Die Maßnahmen der NS-Wirtschaftspolitik erbrachten kurzfristige Erfolge. So reduzierten staatliche Baumaßnahmen, die Wehrpflicht und Aufrüstung die Arbeitslosigkeit auf ein Minimum. Unterdessen war die Staatsverschuldung – aufgrund der Notenpresse und des MEFO-Wechsels – bis Ende 1938 auf 42 Milliarden Reichsmark angestiegen. Die Aufrüstung war durch Kredite finanziert worden, somit blieb die Abhängigkeit von ausländischen Devisen bestehen. Ab 1938 erreichte die systematische Enteignung jüdischen Besitzes und Vermögens eine neue Dimension. Die “Arisierung” blieb ein Bestandteil der NS-Wirtschaftspolitik und erhöhte die Staatseinnahmen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurde das Problem der hohen Staatsverschuldung ins Ausland verlagert: So wurden einige der besetzten europäischen Staaten für die deutsche Kriegswirtschaft ausgebeutet – immer mehr Kriegsgefangene arbeiteten als Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern und unterstützten auf diese Weise die deutsche Rüstungsproduktion. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 hatte die Reichsmark ihren Wert als Zahlungsmittel verloren. Nach der Währungsreform im Jahr 1948 wurde sie durch die Deutsche Mark ersetzt. Die hohen Staatschulden der Bundesrepublik Deutschland wurden mit dem Londoner Schuldenabkommen im Jahr 1953 zum großen Teil erlassen.3

Übersichtsbild: Foto Reichsarbeitsdienst (um 1940), Autor: Father of de:user:Philipendula. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 24.01.2022 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 27.01.2022. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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