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Zeitungsberichte über den Reichstagsbrand


Über den Reichstagsbrand berichtete die sozialdemokratische Parteizeitung „Vorwärts“ am 28. Februar 1933 folgendermaßen: 

Riesenbrand im Reichstag. Gestern in der zehnten Abendstunde brach im Reichstagsgebäude an mehreren Stellen zugleich ein Riesenbrand aus. Das Feuer ergriff den Sitzungssaal und schlug bald zur Kuppel heraus. Die Feuerwehr aus ganz Berlin wurde zusammengezogen. Der Sitzungssaal brannte völlig aus. Es liegt Brandstiftung vor.

Der Reichstag brennt! Ungläubig wurde die Nachricht aufgenommen. Möglich, daß im Reichstag etwas brennt. Aber der Reichstag, dieses ungeheure steinernde Gebäude? Man sucht einen Aussichtspunkt, das Dach, ein hohes Gebäude – da sieht man, daß dort, wo sonst die berühmte vergoldete Kuppel zu sehen ist, eine steile Flamme emporragt. Der Reichstag brennt! Wilde Gerichte durchschwirren die Stadt. Man sagt, es sei Brandstiftung. An vier oder sechs Stellen des Gebäudes sind Brandstellen. Niemand darf hinein, niemand darf heraus. Man sucht die Täter. Wird man sie finden?

Wenn […] es wirklich Brandstiftung ist, so müssen die Täter in Kreisen zu suchen sein, die durch ihre Tat ihren Haß gegen das parlamentarische System Ausdruck verleihen wollten. Soll es „ein Signal“ sein? Wahrhaftig, man möchte es wünschen! Man möchte wünschen, daß dieser Brand dem ganzen deutschen Volk ein Licht aufstecken würde. Durch Deutschland wütet der Wahnsinn der Selbstzerstörung. Wer gebietet ihm Einhalt? Der Reichstag wird wieder aufgebaut werden. Die Demokratie wird wieder aufgebaut werden. Und wer Brand stiftet, der wird seine Strafe haben. Das arbeitende Volk wird es schon schaffen! […] WIB. [Radiosender] meldet in späterer Stunde in seinen Berliner Lokalnachrichten, ein niederländischer Kommunist sei der Täter; er habe schon gestanden. Im Gegensatz dazu erklärt die zuständige Polizeidienststelle, daß diese Gerüchte nicht bestätigt werden können.

Auszüge zitiert nach: Vorwärts vom 28.2.1933.


Die NSDAP-Tageszeitung „Völkischer Beobachter“ veröffentlichte am 1. März 1933 folgenden Bericht über den Reichstagsbrand:

Das Maß ist voll! Jetzt wird rücksichtslos durchgegriffen. Kommunistische Brandstifter zünden das Reichstagsgebäude an – Der Mitteltrakt mit dem großen Sitzungssaal vernichtet – Kommunistischer Brandstifter verhaftet – Das Zeichen zur Entfesselung des kommunistischen Aufstandes – Scharfe Maßnahmen gegen die Terroristen – Alle kommunistischen Abgeordneten in Haft – Alle marxistischen Zeitungen verboten

Der amtliche Bericht: Der Brand des Reichstags sollte das Fanal zum bolschewistischen Aufstand sein. Der Aufruhr durch die Maßnahmen der Regierung im Keim erstickt.

Berlin, 28. Februar. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit:

Am Montag brannte der Deutsche Reichstag. Der Reichsminister für das Preußische Ministerium des Inneren, Reichsminister Goering, verfügte sofort nach einem Eintreffen an der Brandstelle amtliche Maßnahmen und übernahm die Leitung aller Aktionen. Auf die ersten Meldungen von dem Brande trafen auch Reichskanzler Adolf Hitler und Vizekanzler von Papen ein. Es liegt zweifelsfrei die schwerste, bisher in Deutschland erlebte Brandstiftung vor. Die polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß im gesamten Reichstagsgebäude vom Erdgeschoß bis zur Kuppel Brandherde angelegt waren. Sie bestanden aus Teerpräparaten und Brandfackeln […]. Ein Polizeibeamter hat in dem dunklen Gebäude Personen mit brennenden Fackeln beobachtet. Er hat sofort geschossen. Es ist ihm gelungen, einen der Täter zu fassen. Es handelt sich um den 24 jährigen Maurer van der Lübbe aus Leiden in Holland, der einen ordnungsgemäßen holländischen Paß bei sich hatte und sich als Mitglied der holländischen kommunistischen Partei bekannte. […] Diese Brandstiftung ist der bisher ungeheuerlichste Terrorakt des Bolschewismus in Deutschland. Unter den hunderten von Zentnern Versetzungsmaterial, das die Polizei bei der Durchsuchung des Karl-Liebknecht-Hauses entdeckt hat, fanden sich Anweisungen zur Durchführung des kommunistischen Terrors nach bolschewistischem Muster. Hiernach sollen Regierungsgebäude, Museen, Schlösser und lebenswichtige Betriebe in Brand gesetzt werden.

Es wird ferner die Anweisung gegeben, bei Unruhen und Zusammenstößen vor den Terrortruppen Frauen und Kinder herzuschieben, nach Möglichkeit sogar solche von Beamten und Polizei. Durch die Auffindung dieses Materials ist die Durchführung der bolschewistischen Revolution gestört worden. Trotzdem sollte der Brand des Reichstages das Fanal zum blutigen Aufruhr und Bürgerkrieg sein. […] Der Kommissar des Reiches im Preußischen Innenministerium, Reichsminister Goering, ist dieser Gefahr mit schärfsten Maßnahmen entgegengetreten. Er wird die Staatsautorität unter allen Umständen und mit allen Mitteln aufrecht erhalten. […]

Gegen zwei führende kommunistische Reichstagsabgeordnete ist wegen dringenden Tatverdachts Haftbefehl erlassen. Die übrigen Abgeordneten und Funktionäre der kommunistischen Partei werden in Schutzhaft genommen. Die kommunistischen Zeitungen, Zeitschriften, Flugblätter und Plakate sind auf vier Wochen für ganz Preußen verboten. Auf 14 Tage verboten sind sämtliche Zeitungen, Zeitschriften, Flugblätter und Plakate der Sozialdemokratischen Partei, da der Brandstifter aus dem Reichstag in seinem Geständnis die Verbindung mit der S.P.D. zugegeben hat. Durch dieses Geständnis ist die kommunistisch-sozialdemokratische Einheitsfront offenbare Tatsache geworden.

Auszüge zitiert nach: Der Völkische Beobachter vom 1.3.1933.


Die KPD-Tageszeitung „Die Rote Fahne“ veröffentlichte im Oktober 1933, obwohl sie offiziell bereits verboten war, folgenden Artikel über den Reichstagsbrand und den aus ihrer Sicht fragwürdigen Haftbefehlen:

Göring, der Brandstifter bist Du! Erdrückende Beweise gegen die Nazi-Brandstifter

Die Lage für das faschistische Brandstifter Tribunal wurde mit jedem Tag schwieriger. Die Alibi Dimitroffs, Torglers, Popoffs und Taneffs [weitere Angeklagte] sind klar nachgewiesen. Dagegen aber verplapperte sich der Nazi-Graf Helldorf, ein bereits aus vergangenen Prozessen als notorischer Lügner überführter Halunke, er habe schon um 1/2 9 Uhr vom Brand erfahren, während dieser erst 8 Minuten nach 9 Uhr entdeckt wurde. […] [Er] zog es vor, vor Gericht überhaupt nicht zu erscheinen, sondern durch einige gekaufte Subjekte und Freunde ein „Alibi“ zusammenkonstruieren zu lassen. [Schulz] wurde sogar des Meineides überführt, als er angab, am Brandtage bei seinem Arzt in Tutzing gewesen zu sein, während dieser Arzt selbst bezeugen mußte, daß Schulz erst einen Tag später zu ihm kam und mit ihm bereits über den Reichstagsbrand sprach. Dieser Meineid ist nicht nur Beweis genug, daß die Nazibonzen skrupellos lügen, um von ihrer Täterschaft abzulenken, sondern ist gleichzeitig auch der eindeutige Beweis, daß die Schulz und Co. an der Brandstiftung beteiligt sind. […]

Es ist nunmehr selbst durch die faschistischen „Sachverständigern“ eindeutig festgestellt worden, daß mindestens 6 von 10 Personen den Brand gelegt haben müssen. Ein Sachverständiger erklärte sogar, Lubbe hatte überhaupt nur die Aufgabe, sich verhaften zu lassen, als „Kommunist“ nämlich, zu dem das Gericht Lubbe vergeblich zu stempeln versuchte. […] Es ist ferner festgestellt, daß große Mengen flüssigen Brandmaterials verwendet worden sind. Wo sind diese 6 bis 10 Personen in den Reichstag hineingekommen. Sie können nur durch den unterirdischen Gang gekommen sein, der den Reichstag mit dem Palast des Reichstagspräsidenten Göring verbindet. […]

Auszüge zitiert nach: Die Rote Fahne vom Oktober 1933.

Verfasst von Fabio Schwabe
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