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Lebensraum im Osten


Der „Lebensraum im Osten“ gehörte zu den Grundpfeilern der NS-Ideologie. Mit dieser Politik strebten die Nationalsozialisten Gebietseroberungen in Mittel- und Osteuropa an. Begründet wurden diese Expansionspläne mit dem Sozialdarwinismus, der die „deutsch-arische Rasse“ als das „Herrenvolk“ verstand. Im Zweiten Weltkrieg hatten darunter vor allem die als „Untermenschen“ diffamierten Juden, Slawen, Sinti und Roma zu leiden.

Ursprünge

Der Begriff „Lebensraum“ gelangte erstmals durch den Zoologen Friedrich Ratzel an die Öffentlichkeit. Er bezog sich auf Darwins Theorie der „selektiven Auslese“ und interpretierte daraus, dass sich Staaten in einem ewigen „Kampf ums Dasein“ befänden. In der Zeit des Kaiserreichs (1871-1918) wurde diese Idee vor allem vom Alldeutschen Verband befürwortet. Dieser verbreitete die Vorstellung, dass das deutsche Volk neue Siedlungsgebiete im Osten erschließen müsse, um selbst nicht verloren zu gehen. Seitdem wurde Mittel- und Osteuropa in völkisch-nationalen Kreisen als ein für das germanische Volk ausgewählter Lebensraum betrachtet.1

Lebensraum in Hitlers „Mein Kampf“

Hitler hatte in seinem 1925 erschienenen Buch „Mein Kampf“ unter anderem von seiner „Lebensraumpolitik im Osten“ gesprochen. Er knüpfte an die schon bestehenden Vorstellungen zum Osten als neues Siedlungsgebiet an. Als Begründung zog Hitler die Theorie des Sozialdarwinismus heran. Seiner Ansicht nach verkörpere das deutsche Volk die „Herrenrasse“. Die in Mittel- und Osteuropa lebenden Menschen – Juden, Slawen, Sinti und Roma –  seien minderwertig und müssen der „deutsch-arischen“ Rasse daher weichen. Kurz nach seiner „Machtergreifung“ erwähnte Hitler bei einer Rede vor der Reichswehr am 3. Februar 1933 sein Ziel einer umfassenden Germanisierung des Ostens.2

Generalplan Ost

Seit dem 1939 ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg wurde die Lebensraumpolitik in Mittel- und Osteuropa von der SS und Wehrmacht brutal angewendet. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 sollte die dort lebende Zivilbevölkerung systematisch aushungern. Mit dem „Generalplan Ost“ bereitete das NS-Regime eine Vertreibung und Vernichtung der Slawen im Osten vor, um neue Siedlungsräume für ein „Großgermanisches Reich“ zu erschließen. Die Schlacht bei Stalingrad führte die Kriegswende herbei und ließ die Ziele des „Generalplan Ost“ schließlich scheitern. In der Nachkriegszeit wurde das Deutsche Reich unter anderem von der Sowjetunion besetzt. Seitdem war vom „Lebensraum im Osten“ keine Rede mehr.3

Verfasst von Fabio Schwabe

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