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Euthanasie im „Dritten Reich“


Die Euthanasie im „Dritten Reich“ hatte es auf kranke und behinderte deutsche Staatsbürger abgesehen. Die Nationalsozialisten stellten diese Menschen als „Volksschädlinge“ dar und wollten deren Vernichtung auf eine rechtliche Grundlage stellen. Demzufolge kam es zwischen 1939 und 1945 zu einer systematischen Tötungswelle, die als „Euthanasie“ in die Geschichtsbücher einging. Moralisch begründeten sie dies mit dem Sozialdarwinismus.

Vorgeschichte

Die NS-Ideologie vermittelte seit 1933 eine Rassenlehre, die bestimmte Menschen als „lebensunwert“ definierte. Dazu gehörten Juden, Slawen, Sinti und Roma – aber eben auch Kranke und Behinderte. Die Nationalsozialisten bezogen sich auf Charles Darwins Theorie der „selektiven Auslese“ und übertrugen diese auf den Menschen. Diese als Sozialdarwinismus bezeichnete Theorie ging seit 1933 in die politische Praxis über. Durch das „Gesetz zur Verhütung erbranken Nachwuchses“ wurde bereits die Zwangssterilisation vermeintlich kranker Menschen verabschiedet.1

Verlauf der Euthanasie

1939 setzte die Phase der systematischen Massenvernichtung ein. Infolge des sogenannten „Fall Kind K.“ legitimierte Adolf Hitler per Führererlass zunächst die systematische Einschläferung kranker Kinder. Infolge des im September 1939 unterschriebenen „Euthanasiebefehls“ gab es nun eine Meldepflicht für Patienten in psychiatrischen Anstalten. Auf Meldebögen sollte der Gesundheitszustand der Patienten dokumentiert werden, um anschließend über deren Ermordung zu entscheiden. Als Mordwaffen kamen Giftspritzen, Medikamente und Gaskammern zum Einsatz. 1940 wurde in der Tiergartenstraße 4 (Berlin) eine Euthanasie-Zentrale eingesetzt. die die Durchführung der Krankenmorde organisieren sollte. Aufgrund der Adresse erhielt dieses Ereignis später den Beinamen „Aktion T4„.2

Folgen

Die zum Tod freigegebenen Patienten wurden in Tötungsanstalten transportiert. Das massenhafte Ermorden stieß in der Öffentlichkeit – insbesondere von Bischof Graf von Galen – auf starke Kritik. Aufgrund dessen ließ Hitler die „Aktion T4“ im Jahr 1941 beenden. Bis 1945 wurde die Euthanasie inoffiziell weitergeführt und betraf zunehmend kranke und invalide KZ-Häftlinge. Dies wurde charakteristisch für den Zweiten Weltkrieg. Bei der „Aktion T4“ kamen rund 100.000 Menschen ums Leben. Die Opferzahl der anschließenden Euthanasie konnte nicht genau dokumentiert werden. Schätzungen gehen von über 200.000 Menschen aus.3

Verfasst von Fabio Schwabe

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