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Kommunismus und Sozialismus


Die Industrielle Revolution hatte im 19. Jahrhundert eine stark veränderte Gesellschaft hervorgebracht. Während das Bürgertum vom technischen und wirtschaftlichen Fortschritt profitieren konnte, wurde die Arbeiterschaft mit billigen Löhnen ausgebeutet und lebte in Armut. Als Reaktion darauf entwickelten Karl Marx und Friedrich Engels die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung – den Kommunismus.

Vorgeschichte

Die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert leitete einen historischen Umbruch ein. Sie lockerte die Schranken der traditionellen Ständegesellschaft. Ermöglicht wurde der Fortschritt durch die Preußischen Reformen 1807, in denen GewerbefreiheitBauernbefreiung und Lockerung der Zunftschranken verankert wurden. Die technischen Erfindungen ersetzten die Handarbeit durch Maschinen. Da gleichzeitig immer mehr Menschen vom Land in die Städte zogen, gab es dort ein Überangebot an Lohnarbeitern. Sie wurden von den bürgerlichen Fabrikbesitzern mit Billiglöhnen ausgebeutet oder blieben arbeitslos. In den Städten herrschte Massenarmut [Pauperismus]. Für diese soziale Frage wurden folglich verschiedene Lösungsansätze entwickelt.1

Mehrwerttheorie

Der berühmteste Lösungsansatz der sozialen Frage stammt von den Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels. Sie stellten fest, dass die bürgerlichen Unternehmer über Produktionsmittel verfügten, während die Arbeiter lediglich ihre Arbeitskraft anzubieten hätten. Nach Auszahlung der Löhne eignen sich die Unternehmer den Überschuss an, der durch das verkaufte Produkt entsteht. Aufgrund dieses „Mehrwerts“ können sich die Unternehmer ihren Reichtum unbegrenzt anhäufen und das Geld neu investieren. Die Arbeiterschaft bleibt davon ausgeschlossen und erhält lediglich ihren niedrigen Lohn.2

Historischer Materialismus

Marx und Engels lehrten, dass sich die Gesellschaft in einem „Klassenkampf“ zwischen einer besitzenden und nicht-besitzenden Klasse befinde [Bourgeoisie und Proletariat]. Sie stellten dieses Spannungsverhältnis in eine historischen Zusammenhang. Ihrer Ansicht nach sei die Geschichte der Menschheit eine ständige Abfolge von „Klassenkämpfen“ zweier konkurrierender Gesellschaftsklassen [Historischer Materialismus]. Sie begründeten diese Theorie mit den ungleich verteilten Besitzverhältnissen. Marx und Engels prophezeiten, dass die Monopolisierung des Reichtums die Klasse der Bourgeoisie immer kleiner machen werde. Folglich sei das Proletariat irgendwann so groß, dass eine Revolution ausbrechen und eine „Diktatur des Proletariats“ entstehen müsse.3

Sozialismus und Kommunismus

Marx und Engels veröffentlichten im Jahr 1848 das „Kommunistische Manifest“ . Darin schilderten sie ihre Idee einer neuen Gesellschaftsordnung – den Kommunismus. Sie befürworteten eine sozial gerechte Gesellschaft, in der jedes Individuum für das Gemeinwohl arbeitet. Das Privateigentum an Produktionsmitteln wird abgeschafft. Um aber eine derartig ideale Gesellschaft herstellen zu können, müssen in einer Vorstufe – dem Sozialismus – die Grundlagen gelegt werden. In der Geschichte des 20. Jahrhunderts blieben viele Staaten, die sich auf den Kommunismus beriefen, jedoch auf der „Vorstufe“ des Sozialismus stehen. Insbesondere nach der Russischen Oktoberrevolution 1917 wurde der Kommunismus – beispielsweise als Marxismus-Leninismus – uminterpretiert. Er nahm Grundzüge einer Diktatur an, die in der Zeit des Stalinismus – Zwangskollektivierungen, Vertreibung, Terror – ihren Höhepunkt erreichte.4

Verfasst von Fabio Schwabe

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