Lexikon
Auswahl > Lexikon > Übersicht Industrielle Revolution > Historischer Materialismus

Historischer Materialismus


Der Historische Materialismus war eine von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelte Theorie. Diese ging davon aus, dass die Geschichte der Menschheit von Produktionsverhältnissen bestimmt werde. Demzufolge sei jede Gesellschaft von einem Klassenkampf geprägt, auf den eine neue Gesellschaftsordnung und letztlich die klassenlose Gesellschaft folgen werde. Die Theorie prophezeite die Entstehung des Kommunismus als gerechte soziale Ordnung.

Historischer Hintergrund

Die Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichten im Jahr 1848 das „Kommunistische Manifest„. Dieses war eine Reaktion auf die soziale Ungerechtigkeit, die infolge der Industriellen Revolution entstanden war. Die im Rahmen der Preußischen Reformen [1807] beschlossene Bauernbefreiung und Gewerbefreiheit durchbrachen die starre traditionelle Ständegesellschaft. Es konnte nun frei auf einem zunehmend größer werdenden Markt gewirtschaftet werden. Den größten Nutzen aus diesen Reformen zog das Bürgertum. Es verfügte über Fabriken, Maschinen und Kapital. Durch den Fortschritt der Industrialisierung konnte es enormen Reichtum anhäufen. Gleichzeitig zogen immer mehr Handwerker und Bauern vom Land in die wachsenden Städte. Sie hatten lediglich ihre Arbeitskraft anzubieten und wurden von den bürgerlichen Fabrikbesitzern mit Billiglöhnen ausgebeutet. Schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Absicherung und elende Wohnverhältnisse führten zur Massenarmut der Lohnarbeiter. Auf diese soziale Frage gaben Marx und Engels eine Antwort.1

Klassenkampf

Marx und Engels bezeichneten die soziale Ungleichheit als „Klassenkampf“ zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Sie gingen aber noch weiter und stellten historische Bezüge her. Ihrer Meinung nach sei die gesamte Geschichte eine Abfolge von Klassenkämpfen zwischen Besitzenden und Besitzlosen. Es folgten immer wieder neue Gesellschaftsordnungen. Ausgangspunkt dieser Theorie seien ungleiche Besitzverhältnisse, unter denen eine Masse der Unterdrückten zu leiden habe. Ursprünglich habe es einen Urkommunismus gegeben. Auf diese folgte die Sklavenhaltergesellschaft. Im Mittelalter entstand dann die Feudalgesellschaft. Die von Marx und Engels selbst erlebte Gesellschaftsordnung sei der Kapitalismus. In dieser verfüge die Bourgeoisie über Produktionsmittel, während das Proletariat nur seine Arbeitskraft verkaufen könne.2

Revolution und Kommunismus

Der Historische Materialismus analysierte nicht nur vergangene Entwicklungen, sondern prophezeite auch die Zukunft. Er ging davon aus, dass die zunehmende soziale Ungleichheit den Kapitalismus in den Abrund treiben werde. Durch die Anhäufung von Kapital würde die Klasse der Bourgeoisie immer kleiner werden. Am Ende stünden sich nur noch wenige Großkapitalisten einer riesigen Menge an Proletariern gegenüber. Als Konsequenz müsse darauf ein verschärfter Klassenkampf und eine sozialistische Revolution folgen, die wiederum eine neue Gesellschaftsordnung hervorbringe – den Kommunismus. Diese Theorie wurde später vor allem in Russland seit der Oktoberrevolution 1917 populär und etablierte sich nach 1945 als offizielle Staatsdoktrin in den Ostblockstaaten – und der DDR. Im Kalten Krieg war der Kommunismus die vorherrschende Ideologie der Sowjetunion und ihrer Bündnispartner.3

Verfasst von Fabio Schwabe

Sag' uns Deine Meinung!