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Marxismus-Leninismus


Der Marxismus-Leninismus war seit 1924 die offizielle Staatsdoktrin der noch jungen Sowjetunion. Sie berief sich auf die von Karl Marx erfundene und von Lenin weiterentwickelte Gesellschaftstheorie, die den Aufbau des Sozialismus zum wichtigsten Ziel erklärte. Ferner fungierte sie als Wissenschaft und durchdrang nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens.

Marxismus

In der Mitte des 19. Jahrhunderts reagierten die Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels auf die soziale Ungleichheit, die durch die Industrielle Revolution entstanden war. Die lohnabhängige Arbeiterschaft lebte in Massenarmut [Pauperismus] und wurde von den bürgerlichen Fabrikbesitzern mit Billiglöhnen ausgebeutet. Im Jahr 1848 veröffentlichten Marx und Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“ . Sie sprachen von einem „Klassenkampf“ zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Gemäß des „Historischen Materialismus“ , so lehrten sie, komme es in Gesellschaften immer wieder zu neuen Gegensätzen zwischen einer Klasse der Besitzenden und Nicht-Besitzenden. Zwangsläufig folge auf den Kapitalismus eine Revolution, dann die „Diktatur des Proletariats“ und letztlich der Kommunismus .1

Marxismus-Leninismus

Infolge der Oktoberrevolution 1917 übernahmen die kommunistischen Bolschewiki in Russland die Macht. Ihr Parteiführer Lenin orientierte sich an den Ideen des Marxismus und entwickelte sie auf eigene Weise weiter. Während bei Marx die Arbeiterklasse direkt die Macht ergreifen solle, benötige sie bei Lenin eine Partei, um ihre Ziele verwirklichen zu können. In Russland war die Arbeiterschaft im Vergleich zu Westeuropa schwach ausgeprägt. Die überwiegende Bevölkerung war noch agrarisch geprägt. Mit dem Marxismus-Leninismus geriet der Fokus auf die – zuvor Bolschewiki genannte – KPdSU . Sie agierte als straff geführte Kaderpartei und setzte die Leitideen für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. 1924 wurde sie zur offiziellen Staatsdoktrin der Sowjetunion erklärt.2

Stalinismus

Nach Lenins Tod übernahm Josef Stalin die Kontrolle in der KPdSU. Seit 1928 regierte er de facto als Diktator und interpretierte den Marxismus-Leninismus um. Anstelle einer internationalen Weltrevolution befürwortete Stalin den Aufbau des „Sozialismus in einem Land“ . Seine Herrschaft war totalitär und von einem Personenkult geprägt. Mutmaßliche politische Gegner wurden unter dem „Großen Terror“ gewaltsam ausgeschaltet. Des Weiteren führte Stalin Zwangskollektivierungen gegen „Kulaken“ durch und ließ diese vertreiben. Der Stalinismus hatte mit dem ursprünglichen Marxismus nichts mehr gemein. Eine vom Stalinismus abweichende Strömung stellte in den 1920er Jahren der Trotzkismus dar. Er spielte aber keine nennenswerte Rolle.3

Marxismus-Leninismus in Wissenschaft und Politik

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 setzte die Sowjetunion in den Ländern Mittel- und Osteuropas kommunistische Regierungen ein. Auch dort wurde der Marxismus-Leninismus fest verankert. In der DDR war er ein verpflichtendes Studienfach in allen höheren Bildungseinrichtungen. Ähnlich wie die KPdSU in der Sowjetunion übernahm die SED in der DDR die Rolle als staatstragende Partei. Sie war geprägt von einem Demokratischen Zentralismus und verstand sie als notwendige Stütze für den Aufbau des Sozialismus.4

Verfasst von Fabio Schwabe

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