Lösungsansätze zur sozialen Frage

Vom wirtschaftlichen Aufschwung der Industriellen Revolution konnten längst nicht alle Menschen profitieren. In den Städten breitete sich Massenarmut aus, da es einen Überschuss an lohnabhängigen Arbeitern [Proletariat] gab. Sie lebten am Rande des Existenzminimums, konnten ihre Familien nicht ernähren und verfügten über keine soziale Absicherung. Aufgrund dessen wurden unterschiedliche Lösungsansätze zur sozialen Frage formuliert.

Arbeiterbewegung

Die elenden Zustände der Arbeiterschaft bewegten viele Arbeiter dazu, selbst politisch aktiv zu werden. Diesbezüglich wurde 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) gegründet, die sich seit 1890 SPD nannte. Zu den berühmtesten Politikern gehörten Ferdinand LassalleAugust Bebel und Wilhelm Liebknecht. Neben der Partei entstanden zudem zahlreiche Vereine und Gewerkschaften, die die gesamte Arbeiterschaft politisch mobilisieren wollten. Die Gewerkschaften setzten sich für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten ein. Karl Marx und Friedrich Engels entwickelten im 1848 erschienenen „Kommunistische Manifest“ die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung, die soziale Gerechtigkeit betonte. Damit waren der Sozialismus und Kommunismus verbunden.1

Betriebliche Sozialpolitik

Auch die aus dem Bürgertum stammenden Unternehmer entwickelten Lösungsansätze und entschieden sich für eine betriebliche Sozialpolitik. Sie richteten für ihre Arbeiter Pensions- und Krankenkassen ein, bauten Wohnungen und erhöhten die Löhne mit Prämien. Mit diesen sozialen Verbesserungen versuchten die Unternehmer ihre Arbeiter an sich zu binden und von den Aktivitäten der Arbeiterpartei fernzuhalten. Auf diese Weise sollten auch Streiks und Widerstand vermieden werden. Einer der populärsten Vertreter dieser betrieblichen Sozialpolitik war Alfred Krupp.2

Staatliche Sozialversicherung

Auf die gewachsene politische Arbeiterbewegung versuchte in den 1880er Jahren auch der Staat zu reagieren. Im Deutschen Kaiserreich unternahm Reichskanzler Otto von Bismarck eine umfassende Sozialgesetzgebung, mit der er die Arbeiter von politischen Aktivitäten fernzuhalten versuchte. Dazu gehörten die Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884) sowie Invaliden- und Altersversicherung (1889). Auf diese Weise konnten die sozialen Bedingungen der Arbeiter etwas verbessert werden. Dennoch gelang es Bismarck dadurch nicht, die Arbeiterbewegung in Schranken zu halten. Die SPD entwickelte sich im Kaiserreich bis 1914 zur stärksten politischen Fraktion im Reichstag.3

Kirchen

Ebenso versuchten die Kirchen auf die Missstände der Arbeiterschaft zu reagieren. Sowohl die katholische als auch evangelische Kirche boten den Bedürftigen karitative Hilfen an. 1849 gründete Adolph Kolping einen Gesellenverein, der zur Anlaufstelle für junge Arbeiter wurde. In diesen „Kolpinghäusern“ fanden sie eine Unterkunft und soziale Versorgung. Darüber hinaus entwickelte die katholische Kirche eine eigene Soziallehre, die die angewachsene Armut thematisierte. Das bekannteste Werk ist das von Papst Leo XIII. verfasste „Enzyklika Rerum Novarum“ [Quelle]. Darin forderte er für die Arbeiter gerechtere Löhne und befürwortete eine „Rückkehr zu christlichen Werten“, mit denen er die soziale Frage lösen wollte.4

Bild 1: Foto der Delegierten und Gäste unmittelbar vor der Gründung des ADAV am 23. Mai 1863, Lizenz: Gemeinfrei

Bild 2: Karl Marx und Friedrich Engels, Autor: Friedrich Karl Wunder und George Lester, Lizenz: Gemeinfrei

Bild 3: Alfred Krupp, Lizenz: Gemeinfrei

Bild 4: Otto von Bismarck Autor: Franz Robert Richard Brendamour (1895/96), Lizenz: Gemeinfrei

Bild 5: Adolph Kolping, Lizenz: Gemeinfrei

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2018 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 13.03.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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