Folgen der Industriellen Revolution für die Gesellschaft

Die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert hatte weitreichende Folgen. Sie veränderte nahezu alle Lebensbereiche: Staat, Arbeit, Technik, Kommunikation, Mobilität und die Gesellschaft. Durch eine erhöhte Lebenserwartung kam es in den Städten zu einem starken Bevölkerungswachstum. Vom Fortschritt konnten aber nicht alle Menschen profitieren – die Gesellschaft spaltete sich zunehmend in zwei Klassen: dem aufstrebenden Bürgertum und der lohnabhängigen Arbeiterschaft.

Maschinisierung der Arbeitswelt

Die Grundlagen für den technischen Fortschritt hatte bereits die “Erste Industrielle Revolution” in England seit 1780 gelegt. Die Erfindungen der Dampfmaschine, Spinnmaschine und des mechanische Webstuhls konnten die Textilproduktion um ein Vielfaches erhöhen. Die Muskelkraft wurde zunehmend durch Maschinen ersetzt. Die neuen Fabriken zeichneten sich durch ihre Massenproduktion aus. Im deutschsprachigen Raum setzte die “Zweite Industrielle Revolution” langsam ab 1830 ein. Charakteristisch für die rasante Veränderung der Arbeitswelt waren die Dampfkraft, Fließbänder, Elektrizität und der Verbrennungsmotor. Als wertvolle Energiequelle erwies sich die Kohle, die aufgrund der Maschinisierung immer tiefer aus dem Erdboden abgebaut werden konnte. Darüber hinaus war sie eine Voraussetzung für den Eisenbahnbau.1

Bevölkerungswachstum

Infolge der “Zweiten Industriellen Revolution” wuchs die Bevölkerung im 19. Jahrhundert stark an. Ursache dafür war die medizinische und hygienische Verbesserung der Lebensbedingungen. Die modernisierte Landwirtschaft sorgte für höhere Ernteerträge, sodass sich die Ernährungslage enorm verbesserte. Die Lebenserwartung der Menschen stieg an, die Säuglingssterblichkeit reduzierte sich. Zwischen 1871 und 1914 vergrößerte sich die Bevölkerung im Deutschen Kaiserreich von 41 auf 65 Millionen Menschen. Unterdessen zogen immer mehr Menschen in die rasant wachsenden Städten, um nach Arbeit zu suchen.

Urbanisierung

Parallel zur fortschreitenden Industrialisierung verlief die Urbanisierung. Die immer größer werdenden Städte waren aufgrund ihrer vielfältigen neuen Arbeitsplätze attraktiv – das sorgte für eine “Landflucht”. Kleinstädte entwickelten sich innerhalb weniger Jahre – meist aufgrund reicher Rohstoffvorkommen – zu Großstädten und Industriezentren. Beispiel hierfür sind die Städte im “Revier” des Ruhrgebiets. Darüber hinaus trug auch die Elektrizität zu einem raschen Städtewachstum bei. Straßen konnten jederzeit beleuchtet werden; elektrische Straßenbahnen modernisierten und beschleunigten den Straßenverkehr. Vielerorts waren Wohnungen nun mit Wasser, Gas und Elektrik versorgt. Städte stellten Dienstleistungen wie Wasserwerke, Kanalisationen, Kläranlagen, Straßenreinigungen, Müllabfuhren, Krankenhäuser und viele weitere Angebote zur Verfügung, um die städtische Lebensqualität zu verbessern – dadurch rückten insbesondere Hygiene und Gesundheit in den Mittelpunkt.2

Mobilität

Die Mobilität war eine weitere Folge der Industrialisierung. Der Eisenbahnbau ermöglichte einen nun deutlich schnelleren Transport von Gütern und Personen. Die Eisenbahn erwies sich als “Motor” der deutschen Industrialisierung. Sie erhöhte die Nachfrage nach Kohle und Eisen. Gleichzeitig bescherte sie den Menschen eine bis dahin unbekannte Bewegungsfreiheit. Das hatte auch zur Folge, dass im Jahr 1893 eine einheitliche Zeit für Deutschland eingeführt wurde. Über die technologischen Erfindungen der Telegrafie und des Telefons konnten die Menschen nun – unabhängig ihres Standorts – miteinander kommunizieren. Neben der Eisenbahn entstanden auch die Straßenbahn, das Automobil und das Flugzeug als neue Verkehrsmittel.3

Neue Gesellschaftsstruktur

Mit der Industrialisierung vollzog sich der Wandel von der Agrar– zur Industriegesellschaft. Die starren Schranken der Ständegesellschaft wurden gelockert. Mit dem Bürgertum und der Arbeiterschaft bildeten sich zwei Gesellschaftsklassen heraus, zwischen denen – hinsichtlich ihrer Lebensbedingungen – enorme Unterschiede existierten. Während das Bürgertum vom technischen Fortschritt profitieren konnte und in der gesellschaftlichen Rangordnung aufstieg, lebte die Arbeiterschaft in den Städten in Massenarmut [Pauperismus]. Die Lohnarbeiter bildeten dadurch ein eigenes “Klassenbewusstsein” aus und schlossen sich aufgrund gemeinsamer Interessen zu Gewerkschaften und Parteien zusammen. Innerhalb des Bürgertums differenzierte sich die Gesellschaft weiter aus: man unterschied zwischen Wirtschaftsbürgern, Bildungsbürgern und dem “neuen Mittelstand“.4

Massengesellschaft, Freizeit und Konsum

Die neuen Großstädte brachten eine Massengesellschaft hervor. Menschen kamen auf den Straßen und Marktplätzen oder bei Großveranstaltungen zusammen. Über die Massenmedien wurden sie immer schneller mit neuen Nachrichten versorgt. Die städtische Lebensweise bot Unternehmen einen Spielraum für kommerzielle Werbung, die auf den Tageszeitungen abgedruckt wurde. Auf diese Weise konnten Menschenmassen nun innerhalb kurzer Zeit für bestimmte politische und wirtschaftliche Zwecke beeinflusst werden. Ebenso entstand eine Massenkultur, die sich insbesondere durch Freizeit und Konsum auszeichnete: Zu den am häufigsten besuchten Kultur- und Freizeiteinrichtungen gehörten Kinos und Kaufhäuser.

Sozialstaat

Die Entwicklungen der Industrialisierung hatten gezeigt, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich deutlich vergrößerte. Als Reaktion auf die “Soziale Frage” der Arbeiterschaft entwickelte sich der Sozialstaat. Das geschah vor allem auf Initiative Otto von Bismarcks, der in den 1880er Jahren eine staatliche Sozialgesetzgebung für Deutschland einführte. Damit sollte den Arbeitern eine soziale Absicherung gewährleistet – und Revolutionen verhindert – werden. Eine staatliche Bildungspolitik passte die Menschen an die neuen Herausforderungen der modernisierten Arbeitswelt an. Dadurch ging die Analphabetenrate deutlich zurück. Der Staat griff nun stärker in die Wirtschaft ein, um die negativen Folgen der Marktwirtschaft zu “korrigieren”.5

Übersichtsbild: Gemälde Barmen um 1870 vom Ehrenberg aus gesehen, Autor: August von Wille (1870), Lizenz: Gemeinfrei

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2021 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 28.11.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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