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Bourgeoisie und Proletariat


Die Begriffe „Bourgeoisie“ und „Proletariat“ entstanden im Zuge der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Karl Marx sprach von einem „Klassenkampf“ zwischen beiden Gesellschaftsgruppen. Während die wohlhabenden Bürger (Bourgeoisie) über Fabriken und Maschinen verfügten, konnten die Lohnarbeiter (Proleratiat) nur ihre Arbeitskraft anbieten. Die Folge waren Ausbeutung und Pauperismus der arbeitenden Klasse.

Historischer Kontext

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Gesellschaften in Europa nach drei Ständen – Klerus, Adel, Bürger/Bauern – gegliedert. Als Folge der Französischen Revolution und Revolution 1848/49 wurde diese Ordnung zunehmend durch eine bürgerliche Gesellschaft ersetzt. Die alten Privilegien für den Adel und Klerus fielen weg. Für eine umfassende Umwälzung der Gesellschaftsordnung sorgte auch die Industrielle Revolution. Größter Nutznießer der veränderten Arbeitswelt war das Großbürgertum. Es verfügte über Kapital, baute Fabriken und stieg zur bedeutenden Gesellschaftsschicht auf. Viele Handwerker und Bauern verließen ihre ländlichen Höfe und zogen in die Städte, um in den Fabriken zu arbeiten. Es vollzog sich also ein Wandel von der Agrar– zur Industriegesellschaft.1

Bourgeoisie

Das von Karl Marx als „Bourgeoisie“ bezeichnete Großbürgertum war in der alten Ständegesellschaft im „Dritten Stand“ vertreten. Infolge der Industriellen Revolution wurde die Bourgeoisie nun zur treibenden Gesellschaftskraft. Durch die Abschaffung der alten Ordnung konnte sie frei wirtschaften und in neue Fabriken investieren. Sie entwickelte sich zur besitzenden Klasse, indem sie über Bodenschätze, Maschinen und Arbeiter verfügte. Dank des rasanten wirtschaftlichen und technischen Fortschritts konnte die Bourgeoisie ihren Besitz stetig vermehren.2

Proletariat

Auch die „Proletariat“ genannten Lohnarbeiter waren ursprünglich ein Teil des „Dritten Standes“. Sie unterschieden sich aber deutlich von den bürgerlichen Unternehmern und erhielten den Beinamen „Vierter Stand„. Da immer mehr Handwerker und Bauern in die Städte zogen, gab es dort nun ein Überangebot an Arbeitern. Sie hatten lediglich ihre Arbeitskraft anzubieten. Dies nutzten die Fabrikbesitzer aus, indem sie diese mit Billiglöhnen ausbeuteten. Folglich lebten zahlreiche Arbeiter am Existenzminimum. Man sprach vom Pauperismus. Die prekäre Lage des Proletariats führte zu einer Sozialen Frage, für die nachhaltige Lösungsansätze gefunden werden mussten.3

Klassenkampf

Als Reaktion auf die soziale Ungleichheit publizierten Karl Marx und Friedrich Engels im Jahr 1848 das „Kommunistische Manifest„. Darin erläuterten sie die Aufteilung der Gesellschaft in „Bourgeoisie“ und „Proletariat“, die sich in einem ständigen „Klassenkampf“ befänden. Darüber hinaus entwickelten sie mit dem Sozialismus und Kommunismus eine neue Gesellschaftsordnung. Sie befürworteten eine „Diktatur des Proletariats“ und letztlich eine klassenlose Gesellschaft. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Gründung zahlreicher Gewerkschaften und Arbeitervereine. In der Zeit des Kaiserreichs führte Reichskanzler Otto von Bismarck eine staatliche Sozialgesetzgebung ein. Die SPD etablierte sich unterdessen zur Massenpartei und vertrat die Interessen der Arbeiterklasse. Diese Entwicklungen konnten deren Lebensverhältnisse langfristig verbessern. In Russland wurden die Ideen des Sozialismus/Kommunismus infolge der Oktoberrevolution 1917 zur offiziellen Staatsform. Im Kalten Krieg (1945-1990) prägten sie den unter sowjetischer Vorherrschaft stehenden Ostblock, zu dem auch die DDR gehörte.4

Verfasst von Fabio Schwabe

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