Industrielle Revolution – ein Fortschritt für alle?

Eng verbunden mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist der Begriff “Fortschritt“. Es stellt sich die historische Frage, inwiefern von den technischen Entwicklungen des industriellen Zeitalters alle Menschen profitieren konnten. Dazu ist es notwendig, verschiedene Kategorien – wie Technik, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Umwelt – heranzuziehen und diese kritisch hinsichtlich der Problemfrage zu beleuchten.

Technik

Die technischen Erfindungen der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert erbrachten eine bis dahin unbekannte Modernisierung der Arbeitswelt. Einige Historiker beschreiben diese Entwicklung daher als “Revolution“, da alle Bereiche des menschlichen Lebens nachhaltig von diesem Wandel betroffen waren. Infolge der Innovationen der Dampfmaschine, Spinnmaschine und des mechanische Webstuhls wurde die Muskelkraft durch Maschinen ersetzt. Kohle konnte aus immer tieferen Schichten der Erde abgebaut werden und entwickelte sich zur wichtigsten Energiequelle. Die Eisenbahn und das Automobil revolutionierten den Verkehr und beschleunigten den Transport von Gütern, Waren und Menschen. Über die Elektrizität konnten Städte nun dauerhaft beleuchtet werden, was eine rasche Urbanisierung mit sich brachte. Produziert wurde nun unabhängig von Standort und Jahreszeit. Auch die Errungenschaften der Chemieindustrie hatten einen dauerhaften Einfluss auf das Leben der Menschen. Fortschritte in der Medizin reduzierten die Säuglingssterblichkeit und erhöhten die Lebenserwartung der Bevölkerungen.1

Wirtschaft

Die Wirtschaft gewann im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunehmenden Einfluss. Durch die Gründung des “Deutschen Zollvereins” im Jahr 1834 fielen die zwischenstaatlichen Zölle im Deutschen Bund weg. Der neue Binnenmarkt ermöglichte einen intensiveren Handel und vereinheitlichte Maße, Gewichte und Währungen. Das wirtschaftliche Zusammenwachsen der deutschen Staaten war eine Grundlage für das 1871 gegründete Kaiserreich. Es entstanden neue Absatzmärkte, die Produktionssteigerungen und Wirtschaftswachstum zur Folge hatten. In den Industriegebieten – beispielsweise im Ruhrgebiet – wurden zahlreiche Fabriken gebaut, die immer mehr Menschen vom Land in die Städte lockten. Darüber hinaus modernisierte dieser Prozess auch die Infrastruktur – so wurden viele neue Straßen gebaut und mit Straßenbahnen ausgestattet.2

Politik

Auch in der Politik kam es zu grundlegenden Veränderungen, die die starren Schranken der Ständegesellschaft auflockerten. Den Grundstein für diesen Wandel legten die Preußischen Reformen im Jahr 1807. Zu ihren wichtigsten Inhalten zählten die Gewerbefreiheit, Bauernbefreiung und Abschaffung der Zunftschranken. Langfristig reagierte die Politik auf die Soziale Frage der lohnabhängigen Arbeiterschaft. Auf Initiative Otto von Bismarcks wurde in den 1880er Jahren eine staatliche Sozialgesetzgebung eingeführt – die Wurzeln des deutschen Sozialstaates. Außerdem kamen Gesetze zum Mindestlohn, Arbeitsschutz und Verbot der Kinderarbeit zustande. Infolge der Demokratisierung wurde es auch Arbeitern ermöglicht, ihre Interessen über Gewerkschaften, Parteien und Wahlen in der Politik zu vertreten.3

Gesellschaft

In der Gesellschaft profitierte vor allem das Bürgertum von der Modernisierung der Arbeitswelt. Das Bürgertum erlebte durch die Lockerung der Ständegesellschaft einen sozialen Aufstieg, da nun auch Leistung und Wohlstand den gesellschaftlichen Rang bestimmten. Es kam zum Wandel von der Agrar– zur Industriegesellschaft. Unternehmer konnten in den Fabriken enormen Reichtum anhäufen, da sie über Kapital und Maschinen verfügten. Auf er anderen Seite stand die Arbeiterschaft, die von den Fabrikbesitzern mit Niedriglöhnen ausgebeutet wurde. Karl Marx bezeichnete diesen Gegensatz als “Klassenkampf” zwischen “Bourgeoisie und Proletariat“. Die Schere zwischen Arm und Reich vergrößerte sich durch die Industrialisierung. Grund dafür waren unter anderem die politischen Reformen, durch die die soziale Absicherung weggefallen war. Der Pauperismus der Arbeiterfamilien – darunter auch die Kinderarbeit – war somit eine der negativen Konsequenzen des industriellen Wandels im 19. Jahrhundert.4

Umwelt

Fabriken und Chemieunternehmen verursachten eine unkontrollierte Luft- und Wasserverschmutzung. Flüsse dienten oftmals als natürliche Entsorgungskanäle für chemische Schadstoffe, die in den Industrien produziert worden waren. Durch die Verseuchung der Gewässer wurde das Leben von Fischen flächendeckend vernichtet. Gleichzeitig verloren Fischer ihre lebenswichtige Existenzgrundlage. Über die Fabriken gelangte gesundheitsschädigender Feinstaub in die Umwelt. Langfristig gesehen gab es in dieser Hinsicht aber auch Fortschritte: So wurden Kläranlagen errichtet und gesetzliche Vorschriften zur Sauberkeit von Luft und Gewässer erlassen. In der Gesellschaft hat sich auf Grundlage dieser Erfahrungen ein nachhaltiges Umweltbewusstsein entwickelt, das – bis heute – die Entscheidungen der Politik beeinflusst hat.5

Übersichtsbild: Mindmap zum Thema “Industrielle Revolution – ein Fortschritt für alle?”, Autor: Fabio Schwabe (2021), Lizenz: Gemeinfrei

Bild 1: Eröffnung der Bahnstrecke Köln-Bonn (1844), Autor: Nikolaus Christian Hohe (1841), Scanvorlage: Wolfgang Drösser: Brühl (2005), Lizenz: Gemeinfrei

Bild 2: Armut im Vormärz, Autor: Theodor Hosemann (1840), Lizenz: Gemeinfrei

 

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 20.11.2021 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 26.11.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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