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Nikita Chruschtschow Biografie


Nikita Sergejewitsch Chruschtschow war zwischen 1958 und 1964 Regierungschef der Sowjetunion. Mit seiner berühmten Rede auf dem 20. Parteitag der KPdSU leitete er die sogenannte „Entstalinisierung“ ein, auf die zahlreiche innenpolitische Reformen folgten. Er befürwortete eine Politik der „friedlichen Koexistenz“ gegenüber den USA. In seine Amtszeit fiel außerdem die Kuba-Krise, die den Höhepunkt des Kalten Krieges markierte.

Jugend und Ausbildung

Nikita Chruschtschow wurde 1894 in Kalinowka (Ukraine) als Sohn eines Bergmanns geboren. Nach der Übersiedlung ins Donezbecken absolvierte er eine Ausbildung als Maschinenschlosser und arbeitete anschließend im Bergwerk. Im Jahr 1918 trat er in die Kommunistische Partei ein. Nach der Russischen „Oktoberrevolution“ beteiligte er sich seit 1918 freiwillig in der Roten Armee am Bürgerkrieg. Zwischen 1922 und 1925 ließ sich Chruschtschow in der Arbeiterfakultät von Jusowka ausbilden, wo gleichzeitig seine politische Karriere begann.1

Politischer Aufstieg

In den 1920er Jahren stieg Chruschtschow zum einflussreichen Politiker in der Sowjetunion auf. Er machte sich als linientreuer Anhänger Josef Stalins bemerkbar und absolvierte zwischen 1929 und 1932 ein Studium an der Parteihochschule in Moskau. Im Jahr 1934 wurde er erstmals ins Zentralkomitee der KPdSU gewählt. Ein Jahr später folgte die Ernennung zum Ersten Sekretär der Parteikomitees in Moskau, wo er für die Stadtplanung zuständig war. Für seine Verdienste erhielt er einen Leninorden. Im Jahr 1939 trat Chruschtschow in das Politbüro der KPdSU ein. Er unterstützte die Politik Josef Stalins und überlebte die „Säuberungen“ des Stalinismus. Im Zweiten Weltkrieg übernahm Chruschtschow übergangsweise das Amt eines Generalleutnants.2

Entstalinisierung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Hochphase von Chruschtschows politischer Karriere. Im Jahr 1949 wurde er Sekretär im Zentralkomitee der KPdSU. Auf den Tod Josef Stalins im Jahr 1953 folgte seine Ernennung zum Generalsekretär der KPdSU. Auf einer Rede des 20. Parteitag hielt er im Jahr 1956 eine Geheimrede, in der dieser den politischen Terror und Personenkult um Josef Stalin kritisierte. Chruschtschow leitete mit dieser Rede die „Entstalinisierung“ ein, die zahlreiche innenpolitische Reformen zur Folge hatte. Die Aufstände in Ungarn und Polen ließ er jedoch niederschlagen und kehrte zu einer harten politischen Linie zurück. Seit 1958 war Chruschtschow offiziell Regierungschef der Sowjetunion. Er vereinigte anschließend das Partei- und Regierungsamt in seiner Person.3

Friedliche Koexistenz und Kuba-Krise

In der Regierungszeit Nikita Chruschtschows erlebte der Kalte Krieg seinen Höhepunkt. Außenpolitisch sprach sich Chruschtschow gegenüber den USA für einen Kurs der „friedlichen Koexistenz“ aus. Im Jahr 1958 stellte er den Westmächten ein (vergebliches) Ultimatum und forderte die Übergabe Westberlins an die DDR [Berlin-Krise]. Chruschtschow erlebte im Jahr 1962 die sogenannte „Kuba-Krise“ . Nach einer zwischenzeitlichen Seeblockade der USA einigte sich er mit US-Präsident John F. Kennedy auf eine friedliche Lösung und ersparte der Welt damit einen Atomkrieg. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion ging daraufhin in eine Entspannungsphase über. Es folgte die Einrichtung des „Heißen Drahts“ und ein „Atomteststopp“-Abkommen.4

Politischer Niedergang und Tod

Im Jahr 1964 neigte sich Chruschtschows politische Karriere dem Ende zu. Er wurde vom Zentralkomitee von seinem Amt als Staats- und Parteichef abgewählt und durch Leonid Breschnew ersetzt. Zwei Jahre später folgte der Austritt aus dem Zentralkomitee der KPdSU. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zurückgezogen auf Datscha bei Moskau, wo er im Jahr 1971 seinen Tod fand. Seinen persönlichen Rückblick auf die politische Laufbahn hielt er in dem 1970 erschienenen Buch „Chruschtschow erinnert sich“ fest.

Verfasst von Fabio Schwabe

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