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Chruschtschows Erinnerungen an die Kuba-Krise


Die Kuba-Krise von 1962 markierte den Höhepunkt des Kalten Krieges und brachte die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Ein paar Jahre später erinnerte sich der damals amtierende sowjetische Staatschef Chruschtschow an den Konflikt. Er wertete die Lösung der Kuba-Krise als Sieg für das sozialistische Lager, das die USA seiner Ansicht nach nicht bremsen konnten:

Chruschtschow über die Kuba-Krise

Wir waren sicher, daß die Amerikaner sich niemals mit der Existenz von Castros Kuba abfinden würden. Sie fürchteten ebenso sehr, wie wir es erhofften, daß ein sozialistisches Kuba möglicherweise ein Magnet werden würde, der den Sozialismus für andere lateinamerikanische Länder anziehend machte. Welche Politik sollten wir selbst angesichts der ständigen Drohung einer amerikanischen Intervention in der Karibischen See einschlagen? […] Wir waren verpflichtet, alles zu tun, was in unserer Macht stand, um Kubas Existenz als sozialistisches Land und als praktisches Beispiel für die anderen Länder Lateinamerikas zu schützen. Es war mir klar, daß wir Kuba sehr wohl verlieren könnten, falls wir nicht einige entscheidende Schritte zu seiner Verteidigung unternahmen. […] Wir mußten ein greifbares und wirksames Abschreckungsmittel schaffen gegen eine amerikanische Einmischung in der Karibischen See. Aber was für eins? Die logische Antwort waren Raketen. […] Während meines Besuches in Bulgarien kam mir der Gedanke, auf Kuba Raketen mit nuklearen Sprengköpfen zu installieren und ihre Anwesenheit dort vor den Vereinigten Staaten so lange geheimzuhalten, bis es für sie zu spät war, etwas dagegen zu unternehmen. […]

Abgesehen davon, daß sie Kuba geschützt hätten, würden unsere Raketen das hergestellt haben, was der Westen gerne das „Gleichgewicht der Kräfte“ nennt. Die Amerikaner hatten unser Land mit Militärstützpunkten umgeben und bedrohten uns mit nuklearen Waffen, und jetzt würden sie erfahren, wie einem zumute ist, wenn feindliche Raketen auf einen gerichtet sind; wir würden nichts weiter tun, als ihnen ein bisschen von ihrer eigenen Medizin zu verabreichen. […]

Es war, gelinde gesagt, eine interessante und herausfordernde Situation gewesen. Die beiden mächtigsten Nationen der Welt waren zum Kampf gegeneinander angetreten, jede mit dem Finger auf dem Knopf. Man hatte gedacht, daß ein Krieg unvermeidlich war. Aber beide Seiten zeigten, daß selbst die dringlichste Meinungsverschiedenheit durch einen Kompromiß gelöst werden kann, wenn der Wunsch, einen Krieg zu vermeiden, stark genug ist. Und ein Kompromiß hinsichtlich Kubas wurde tatsächlich gefunden. […] Doch war es ein großer Sieg für uns, daß wir in der Lage gewesen waren, Kennedy das Versprechen abzuringen, daß weder Amerika noch einer seiner Verbündeten Kuba angreifen werde. […] Indem wir die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachten, gewannen wir ein sozialistisches Kuba. […]

Auszüge zitiert nach: Strobe Talbott (Hg.), Chruschtschow erinnert sich, übersetzt u.a. v. Margaret Carroux, Reinbek bei Hamburg 1971, S. 492ff.

Verfasst von Fabio Schwabe

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