Zwei-Lager-Theorie

Die Zwei-Lager-Theorie war ein grundlegender Bestandteil des Kalten Krieges. Sie charakterisierte den seit 1947 bestehenden Ost/West-Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion und hatte zur Folge, dass sich die Welt in ein westliches (von den USA geführtes) und östliches (von der Sowjetunion geführtes) Lager aufteilte [Bipolare Welt].

Historischer Kontext

Während des Zweiten Weltkrieges waren die USA und Sowjetion gemeinsam in der Anti-Hitler-Koalition verbündet. Seit der Potsdamer Konferenz im Jahr 1945 kamen die politischen und ideologischen Unterschiede beider Supermächte immer mehr zum Vorschein. Die Sowjetunion hatte in Mittel- und Osteuropa zahlreiche Satellitenstaaten unter Kontrolle gebracht. Die USA betrachteten dieses Vorgehen mit großem Misstrauen und versuchten ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Europa auszuweiten. Seit 1947 veränderten die USA ihre Außenpolitik: aus der Kooperation entwickelte sich ein Ost/West-Konflikt.1

Truman-Doktrin

Den Beginn des Kalten Krieges markierte die sogenannte Truman-Doktrin, die am 12. März 1947 von US-Präsident Truman in einer Rede verkündet wurde. Sie war Grundlage für die Containment-Politik, mit der der sowjetische Kommunismus weltweit eingedämmt werden sollte. Durch die Truman-Doktrin sicherten die USA vor allem der Türkei und Griechenland militärische Hilfe zu, damit diese nicht unter Kontrolle der Sowjetunion gerieten.2

Zwei-Lager-Theorie

Auf die veränderte Außenpolitik der USA reagierte der sowjetische Politiker Schdanow in einer Rede am 25. September 1947. Darin bezeichnete er die USA und die westliche Staatengemeinschaft als “Imperialisten” und “Kriegstreiber”. In seinen Augen diente der von den USA entwickelte Marshallplan der “imperialistischen” Einflussnahme über Europa. Vor diesem Hintergrund betrachtete Schdanow die Welt als zweigeteilt – in ein imperialistisch-antidemokratisches (USA) sowie ein antiimperialistisch-demokratisches (Sowjetunion) Lager.3

Folgen

Der außenpolitische Kurswechsel der USA und Sowjetunion seit 1947 leitete den Kalten Krieg ein. Die USA unterstützten die westliche Staatengemeinschaft mit dem Marshallplan und gründeten mit der NATO ein westliches Verteidigungsbündnis. Die Sowjetunion hingegen begründete in ihrer Einflusssphäre das Kominform, RGW und fügte die Ostblockstaaten in den “Warschauer Pakt” ein. Die Zwei-Lager-Theorie verlor seit Ende der 1950er Jahre an Bedeutung, da infolge der Dekolonialisierung immer mehr Länder der “Dritten Welt” unabhängig wurden und keinem der beiden Lager angehörten.4

Bild 1: Karte NATO und Warschauer Pakt, Autor: Julian Oster, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bild 2: Harry S. Truman (1947), Lizenz: Gemeinfrei

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 23.02.2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 06.01.2023. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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