Fernsehansprache Kennedys 1962 (Kuba-Krise)

Seit der Nachkriegszeit 1945 hatte sich die Welt durch den Konkurrenzkampf der Supermächte USA und Sowjetunion in zwei Blöcke gespalten. Den Höhepunkt dieses Kalten Kriegs markierte die sogenannte Kuba-Krise 1962. Nachdem bekannt geworden war, dass die Sowjetunion den mit ihr verbündeten sozialistischen Staat Kuba mit Mittelstreckenraketen belieferte, hielt US-Präsident Kennedy am 22. Oktober 1962 folgende Fernsehansprache:

Meine Regierung hat, wie angekündigt, den militärischen Aufbau der Sowjets auf der Insel Kuba auf das genaueste überwacht. In der vergangenen Woche haben eindeutige Beweise die Tatsache erhärtet, daß gegenwärtig eine Reihe offensiver Raketenabschußrampen auf dieser in ein Gefängnis verwandelten Insel vorbereitet wird. Der Zweck dieser Basen kann nur sein, eine nukleare Angriffskapazität gegen die westliche Hemisphäre zu schaffen. […]

Nukleare Waffen haben eine derartige Zerstörungskraft und ballistische Raketen sind derart schnell, daß jede wesentlich gesteigerte Möglichkeit für ihren Einsatz oder jede plötzliche Veränderung ihrer standortmäßigen Aufstellung sehr wohl als eine definitive Bedrohung des Friedens angesehen werden kann. Viele Jahre lang haben beide, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten, dieses Tatsache anerkannt und die standortmäßige Verteilung von strategischen Kernwaffen mit großer Vorsicht gehandhabt, damit niemals der prekäre Status quo gestört würde, der sicherstellte, daß diese Waffen nur im Falle einer lebensentscheidenden Herausforderung eingesetzt würden. Unsere eigenen strategischen Raketen sind niemals unter dem Deckmantel der Geheimhaltung und Täuschung in das Gebiet irgendeines anderen Landes gebracht worden. […] Ich habe daher im Interesse der Verteidigung unserer eigenen Sicherheit und der der gesamten westlichen Hemisphäre sowie im Rahmen der Vollmacht, mit der ich durch die Verfassung betraut und die durch die Resolution des Kongresses bekräftigt wurde, handelnd angeordnet, daß die folgenden ersten Schritte sofort ergriffen werden:

1. Um diesem offensiven Rüstungsaufbau Einhalt zu gebieten, wird eine strikte Sperre für alle offensiven militärischen Ausrüstungen, die auf dem Seewege nach Kuba gebracht werden, eingeführt. Alle für Kuba bestimmten Schiffe, gleichgültig welcher Nationalität sie sind oder von welchem Hafen sie kommen, werden, falls festgestellt wird, daß sie als Fracht Offensivwaffen an Bord haben, abgewiesen werden. Diese Sperre wird, falls erforderlich, auch auf andere Arten von Frachten und Trägern ausgedehnt werden. Dagegen unterbinden wir dieses Mal den Transport lebensnotwendiger Dinge nicht, wie dies die Sowjets 1948 in ihrer Berlin-Blockade versuchten. […]

3. Es wird die Politik unseres Landes sein, jeden Abschuß einer Atomrakete von Kuba aus gegen irgendeine Nation der westlichen Hemisphäre als einen Angriff der Sowjetunion auf die Vereinigten Staaten anzusehen, der einen umfassenden Vergeltungsschlag gegen die Sowjetunion erfordert. […]

Auszüge zitiert nach: Prof. Dr. Heinrich Bodensieck: Der Kalte Krieg. Weltpolitik 1945-1962, 3. Auflage, Stuttgart 1971, S. 78 f.

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 09.03.2016 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 09.03.2016. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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