Parteien im Kaiserreich

Nach der Reichsgründung 1871 wurde im Deutschen Kaiserreich erstmals eine gesamtdeutsche Volksvertretung, der Reichstag, einberufen. Deren Abgeordnete setzten sich aus verschiedenen Fraktionen zusammen, die eigene politische Ziele verfolgten. Zu den bedeutendsten Parteien gehörten die Nationalliberalen, Linksliberale, Konservative, Zentrumspartei und die Sozialdemokraten.

Nationalliberale

Die Nationalliberale Partei ging 1866/67 als rechter Flügel aus der Deutschen Fortschrittspartei hervor. Sie vertrat die politische Strömung des Liberalismus. Die Nationalliberalen unterstützten Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck in seiner Außenpolitik und befürworteten die deutsche Nationalstaatsgründung. Nach der Reichsgründung 1871 dominierten sie mehrere Jahre lang als stärkste Fraktion den Reichstag. Durch Bismarcks 1879 eingeführte Schutzzollpolitik wendete sich die Partei von ihm ab und verlor seitdem zunehmend Einfluss im Reichstag.

Linksliberale

Als linksliberal galt der restliche Teil der Deutschen Fortschrittspartei, von der sich 1866/67 die Nationalliberalen abgespaltet hatten. Die Linksliberalen standen Bismarcks Politik misstrauisch gegenüber und wünschten sich eine stärkere Parlamentarisierung und Sozialpolitik im Reich. Nach den siegreichen Einigungskriegen mussten sie gegenüber den Nationalliberalen deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Im Jahr 1884 fusionierte die Partei zur Deutschen Freisinnigen Partei. Nach weiteren Fusionen kam es 1910 zur Gründung der Fortschrittlichen Volkspartei.1

Konservative

Die konservativen Parteien vertraten Adelige, Großgrundbesitzer und hochrangige Anhänger der Regierung. Sie setzten sich gegen liberale Reformen ein und unterstützten vor allem die Wirtschaftsinteressen der ostpreußischen Junker. Demzufolge unterstützten sie Bismarck bei seiner Schutzzollpolitik, die die deutschen Agrarprodukte vor ausländischen Billigimporten schützen sollte. Diesem politischen Spektrum waren die Deutschkonservative Partei und die Deutsche Reichspartei (auch Freikonservative Partei) zuzuordnen.

Zentrumspartei

Die Zentrumspartei wurde 1870 gegründet und vertrat die Interessen der katholischen Kirche. Sie stellte sich gegen den Einfluss des preußisch dominierten Protestantismus und versuchte den Katholizismus im Reich zu verteidigen. Bismarck bezeichnete die Katholiken als „Reichsfeinde“ und führte daher zwischen 1871 und 1878 einen „Kulturkampf„. Erst nach Bismarcks Kurswechsel 1878 konnte die Zentrumspartei größere Stimmenanteile im Reichstag gewinnen.2

Sozialdemokraten

Die Sozialdemokraten vertraten die Interessen der Arbeiterschaft. Bedingt durch die Industrielle Revolution lebten viele Arbeiter am Existenzminimum und forderten gerechtere Löhne. Diese machten sich daher politisch aktiv und gründeten 1863 den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der im Jahr 1875 in der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands aufging. 1890 wurde diese in SPD umbenannt. Bismarck stand deren Aktivitäten misstrauisch gegenüber und versuchte sie mit dem Sozialistengesetz von 1878 zu unterdrücken. Gleichzeitig führte er eine staatliche Sozialgesetzgebung ein, die die Arbeiter zufrieden stellen sollte. Langfristig etablierten sich die Sozialdemokraten allerdings zur stärksten Fraktion im Reichstag.3

Fabio Schwabe

Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2018 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 30.01.2021. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt

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Fabio Schwabe und Christopher Schwab