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Innenpolitik


Nach der Reichsgründung 1871 neigte sich der deutsche Patriotismus dem Ende zu. Die Wirtschaftskrise 1873 leitete eine neue Krisenstimmung unter der Bevölkerung ein, die Bismarck mit seiner Innenpolitik zu hemmen versuchte1. Dies spiegelte sich besonders im sogenannten Kulturkampf wieder, durch den er politische Oppositionen zu „Reichsfeinden“ verleumdete und seine Macht dadurch auf Reichstagswahlen festigen wollte.

Kulturkampf

Der Katholizismus und die ihn repräsentierende Zentrumspartei waren die ersten Opfer unter der Bismarckschen Politik. Er bezeichnete die katholische Kirche als untreu und warf ihr nationale Unzuverlässigkeit vor. In diesem Zusammenhang unterstützten ihn wiederum die Liberalen, da diese für die Trennung zwischen Kirchen und Staat plädierten. Als staatliche Maßnahmen führte die Regierung die Zivilehe ein und verbot die geistliche Schulaufsicht sowie den Jesuitenorden. Hier geht es zum ganzen Artikel über Bismarcks Kulturkampf2.

Kurswechsel 1878

Das stagnierende Wirtschaftswachstum veranlasste Reichskanzler Bismarck im Jahr 1878 zu einem Kurswechsel. Er führte eine Schutzzollpolitik ein, um die inländische Produktion vor billigen ausländischen Importen zu schützen. Dadurch wendete sich Bismarck von der Nationalliberalen Partei ab, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft kritisierte. Seitdem erklärte er die Sozialdemokraten, die in den vorherigen Jahren großen Zulauf bekommen hatte, zu neuen „Reichsfeinden“. Diesbezüglich wurden zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. dazu genutzt, den Reichstag aufzulösen und neue Wahlen einzuführen. Dabei gingen die Zentrumspartei und die Konservativen als stärkste Parteien hervor. Zudem versuchte Bismarck mithilfe des Sozialistengesetzes die Aktivitäten der Arbeiterbewegung gesetzlich einzudämmen und politisch zu isolieren3. Gleichzeitig führte er eine staatliche Sozialgesetzgebung ein, die die Arbeiter zufrieden stellen und von politischen Aktivitäten fernhalten sollte. Trotz dieser Maßnahmen etablierten sich die Sozialdemokraten bis 1914 zur stärksten Fraktion im Reichstag. Hier geht es zu den Parteien im Kaiserreich.

Gesellschaft

Im Kaiserreich hatte das Militär aufgrund des Sieges im Deutsch-Französischen Krieg ein besonderes Prestige innerhalb der Gesellschaft. Durch diesen Erfolg war es 1871 zur deutschen Reichsgründung gekommen. Zudem besaß der Adel durch den Großgrundbesitz die soziale Macht über ihre abhängigen Bauern.
Bei Arbeitsplätzen von höheren Beamten spielten soziale Herkunft und politische Gesinnung eine entscheidende Rolle. Des Weiteren wurde das Bürgertum im Zuge der Industrialisierung zu einem wichtigen Träger wirtschaftlicher Prozesse4. Hier werden die wichtigsten Merkmale der Gesellschaft im Kaiserreich ausführlich erklärt.

Kaiser Wilhelm II.

Der neue Kaiser Wilhelm II. leitete mit seiner Thronbesteigung 1888 eine neue Ära im Kaiserreich ein. Er wollte politisch mehr Entscheidungen treffen und dem Reichskanzler weniger Macht überlassen. Bismarcks Entlassung als Reichskanzler 1890 war sein erster Schritt für eine neue innenpolitische Ordnung5.
Die Industrialisierung leitete einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung ein und begünstigte den Ausbau des Kaiserreichs zu einer imperialen Großmacht. In der Folgezeit kam es durch die internationale Entfremdung zu Spannungen, die in einen Weltkrieg führten.

» Hier geht es zur Quellensammlung 

Verfasst von Fabio Schwabe

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