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Folgen und Bedeutung der Revolution 1848/49


Im Sommer 1849 war die Revolution 1848/49 gescheitert. Damit lief der Versuch einer vom Volk bewirkten Nationalstaatsgründung mit Verfassung ins Leere. Langfristig setzte die Revolution dennoch wichtige Impulse, ohne die eine deutsche Reichsgründung 1871 undenkbar gewesen wäre. Darüber hinaus liegen die Wurzeln der Ideen von Grundrechten und Demokratie in den Jahren 1848/49.

Freiheits- und Grundrechte

In der 1849 von der Nationalversammlung entworfenen Paulskirchenverfassung wurden erstmals unveräußerliche Freiheits- und Grundrechte für Deutschland festgeschrieben. Das Vorbild lieferte die Französische Revolution. Dazu gehörten vor allem die individuelle Freiheit, Pressefreiheit, Glaubensfreiheit und das Recht gegenüber staatlicher Willkür. Außerdem beinhaltete die Verfassung die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz. Diese Rechte wurden in der Weimarer Verfassung 1919 übernommen und sind wichtige Bestandteile im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.1

Wahlrecht

In der Revolution 1848/49 wurde zwischenzeitlich ein allgemeines Wahlrecht eingeführt. Dies bedeutete, dass alle mindestens 25 jährigen männlichen Bürger in geheimen Wahlen das Parlament wählen durften. Davon ausgeschlossen waren Menschen, die auf Armenunterstützung angewiesen waren. Auch Frauen durften erst seit 1919 wählen. Die Wahlen zum Deutschen Bundestag finden heute ebenfalls nach allgemeinen und geheimen Wahlen statt. Wahlberechtigt sind Männer und Frauen im Alter von 18 Jahren.2

Demokratie und Parlament

In der 1848 eingesetzten Frankfurter Nationalversammlung tagte erstmals ein vom Volk gewähltes Parlament. Nicht mehr allein die Fürsten, sondern Abgeordnete verschiedener Parteien entschieden über die Politik. Ebenfalls gilt das Jahr 1848 als Geburtsstunde politischer Parteien, die unterschiedliche Ansichten vertreten. Parlamente und Parteien sind voraussetzend für Demokratie und werden in der Bundesrepublik Deutschland im Deutschen Bundestag verkörpert. Auch diese Errungenschaft ist auf die Revolution 1848/49 zurückzuführen.

Gewaltenteilung & Volkssouveränität

Die 1849 entworfene Paulskirchenverfassung sollte aus Deutschland eine konstitutionellen Monarchie machen. Darin sollte der Kaiser durch einen vom Volk gewählten Reichstag in seiner Macht eingeschränkt werden. Diese Form der Gewaltenteilung geht auf die frühneuzeitliche Staatstheorie des Montesquieu zurück. Des Weiteren wurde die vom Staatstheoretiker Rousseau entwickelte Theorie der Volkssouveränität umgesetzt. Diese Prinzipien sind charakteristisch für heutige politische Systeme in Europa. In der Bundesrepublik Deutschland geht die staatliche Gewalt formal vom Volk aus. Die Regierung wird durch den Deutschen Bundestag kontrolliert.3

Nationalismus

In der Frankfurter Nationalversammlung debattierten die Abgeordneten über die Gründung eines deutschen Nationalstaates. Die schwarz-rot-goldene Flagge wurde zum Symbol der Nationalversammlung. Die Idee der Nation sollte 1848/49 erstmals in die Praxis umgesetzt werden. Trotz ihres Scheiterns behielt die Nationalstaatsgründung ihre Bedeutung und wurde von Preußen in den 1860er Jahren [Deutsche Einigungskriege] für eigene Zwecke instrumentalisiert. Insofern war die Revolution 1848/49 eine notwendige Bedingung für die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871.

Verfasst von Fabio Schwabe

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