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Debatten zur großdeutschen und kleindeutschen Lösung 1848/49


Heinrich Ahrens, Abgeordneter der linken Fraktion „Westendhall“ , hielt am 22. Januar 1849 folgende Rede in der Frankfurter Nationalversammlung:

Meine Herren! Österreich ist ein großer Völkerorganismus, in welchem, wenn man Italien ausnimmt, worauf es zum großen Teil für die Zukunft wohl wird verzichten müssen, die verschiedenen Volksstämme nicht bloß äußerlich aneinandergelegt sind, sondern sich einander durchwachsen und sich durchhadern. […] In diesem Komplex bildet der deutsche Stamm den Hauptstamm, und dieser wird seine volle Tätigkeit erst dann entwickeln können, wenn er mit Deutschland auf das innigste unter einer gemeinsamen Verfassung vereinigt ist, und dann kann er überall das Streben nach Vervollkommnung wecken, welches dem germanischen Stamm eigen ist. Aber, meine Herren, deshalb darf Österreich nicht ausscheiden; dieses Ausscheiden würde unvermeidlich die Versetzung des Schwerpunktes nach der slawischen Seite zur Folge haben, und der germanische Stamm würde uns immer mehr entfremdet und vielleicht unwiederbringlich dem Slawentum überantwortet werden.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 7. 1849, Frankfurt, M., 1849.


Karl Biedermann, Abgeordneter der liberalen Fraktion „Augsburger Hof“ , hielt am 15. Januar 1849 folgende Rede in der Frankfurter Nationalversammlung:

Man sagt: die Antipathien in den österreichischen Ländern, und ich glaube besonders auch in den österreichisch-deutschen Bevölkerungen, gegen Preußen und Preußens Hegemonien sind so groß, daß, wenn wir Preußen an die Spitze stellen, wir damit sogar die Annäherung Österreichs an uns in der Form einer Union abschneiden, oder doch sehr erschweren. Österreich, sagt man – und zwar Regierung und Volk – würde selbst in ein bloßes Unionsverhältnis mit uns nicht eingehen, wenn Deutschland geeinigt ist unter der starken Hand des preußischen Herrschers. […] Meine Herren, ich sehe die Sache so an; wenn solche Antipathien in Österreich herrschen – ich kann es nicht ableugnen, denn ich kenne das nicht – wenn sie dort herrschen bei der Bevölkerung oder bei der Regierung, so sind sie nicht bloß gerichtet gegen das preußische Kaisertum, weil es preußisch ist, sondern sie sind gerichtet gegen die Idee eines sich gefestigten starken Deutschlands – sie sind gerichtet gegen den Plan, den wir in unserer Verfassung verwirklichen wollen, uns in uns selbst fest zusammenzufassen und etwas Tüchtiges zu begründen; es wird dieser Gedanke gehegt von denen, die Deutschland schwach erhalten wollen, um es mit der Zeit als gute Beute hinzunehmen. […]

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 6. 1849, Frankfurt, M., 1849.


Georg von Vincke, Abgeordneter der rechtskonservativen Fraktion „Café Milani“, hielt am 22. Januar 1849 folgende Rede:

Darum will man Preußen an die Spitze, weil man sich überzeugt, daß, wenn man von Österreich absieht – und das ist bei allen diesen Reden supponiert worden -, es ganz unpraktisch ist, einen andern Stamm zu berufen, weil wir der möglichen Opposition, nicht der Dynastie, die sich immer für Deutschland geopfert hat, sondern des Stammes, gegen die Berufung eines minder mächtigen Stammes anders als auf diese Weise nicht entgegentreten können.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 6. 1849, Frankfurt, M., 1849.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 23. Oktober 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 23. Oktober 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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