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Debatten über die Staatsform in der Frankfurter Nationalversammlung


Karl Biedermann, Abgeordneter der liberalen Fraktion „Augsburger Hof“ , hielt am 15. Januar 1849 folgende Rede in der Frankfurter Nationalversammlung:

Sie [gemeint ist der Abgeordnete Schüler] werden als erbliches Oberhaupt an die Spitze Deutschlands das Haupt eines bestimmten Staates stellen, und zwar des mächtigsten. Es ist gesprochen worden von der erdrückenden Macht des Staates, dessen Haupt Sie an die Spitze stellen. Ich meine nun: wenn Sie dieses Haupt erblich an die Spitze stellen, so wird jener Staat nicht auf die anderen drücken, denn er wird aufhören, ein Staat neben dem Reiche zu sein; stellen Sie aber das Oberhaupt nicht erblich hin, so wäre es von seiten dieses Fürsten ein Verrat an seinem eigenen Staate, wenn er diesen Staat unter- und aufgehen lassen wollte in dem Ganzen, auf die Gefahr hin, bei der nächsten Wahl verdrängt zu werden.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 6. 1849, Frankfurt, M., 1849.


Gottlieb Christian Schüler, Abgeordneter der linken Fraktion „Deutscher Hof“ , hielt am 15. Januar 1849 folgende Rede:

Ein persönlicher, sichtbarer, bleibender Repräsentant der Staatsidee und der Volkseinheit, dessen Würde von Geschlecht zu Geschlecht sich forterbt, gibt einen Mittelpunkt, an welchen der sinnliche Mensch sich leichter anklammert als an die abstrakte Idee. Allein demungeachtet glaube ich, daß wenigstens unter den vorhandenen Umständen ein erblicher Kaiser für Deutschland ganz unmöglich ist, denn wir haben ja in Deutschland bereits vierunddreißig erbliche Monarchien; ich dächte, da sei doch einstweilen genug. Ein erblicher Kaiser aber über diesen konföderierten erblichen Fürsten würde eine wahre Unform sein, was sich in der Geschichte noch nicht bewährt hat, und worüber wir bereits warnende Beispiele in Deutschland haben, […] weil der Kaiser nicht auf das Volk, sondern auf die Fürsten sich stützen mußte; er hing von dem guten Willen der Fürsten ab und wurde dem Volke entfremdet. Ein ähnliches würde jetzt jedenfalls wiederkommen, wenn wir einen erblichen Kaiser über die konföderierten Fürsten stellen wollten.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 6. 1849, Frankfurt, M., 1849.


Jakob Venedey, Abgeordneter der liberalen Fraktion „Westendhall“, hielt am 16. Januar 1849 folgende Rede:

Die Exekutivgewalt ist an sich monarchischer Natur, und es ist niemals gut gegangen, wo diese Macht nicht in der Hand eines einzelnen war. Die gesetzgebende Gewalt ist republikanischer Natur, und es niemals gut damit gegangen, wenn sie in der Hand eines einzelnen war. Wenn aber die Exekutivgewalt monarchisch sein kann, so braucht sie deshalb nicht dynastisch zu sein; Sie sind aber entschlossen, eine Exekutivgewalt in diesem letzteren Sinne zu gründen. Wenn Sie das monarchische Prinzip der Vollziehungsgewalt anerkennen, so scheint mir doch damit das erbliche Prinzip dieses Elements keineswegs bewiesen. Man hat hier getan, als ob beides eines und dasselbe sei […]. Die gewählte Spitze, meine Herren, darf keine fürstliche, keine aristokratische, sondern sie muß eine nationale sein. Wenn man von diesem Standpunkte ausgeht, so kommt etwas ganz anderes heraus, als wenn man von dem so engen Kreise der Fürsten, oder gar der Aristokratie seinen Ausgangspunkt nimmt. […] Es scheint mit überhaupt, als ob ein grundsätzlicher Irrtum obwalte, wenn man die Einheit Deutschlands in einer Spitze und nicht in der Grundlage sucht. Die Einheit Deutschlands liegt in einem einzigen Parlamente, und sie wird groß und stark sein, sobald dieses Parlament der Nation zeigt, daß es die Macht und Kraft des deutschen Volkes will. Daneben noch eine dynastische und in alten Ansichten wurzelnde, durch eine gewaltige Bürokratie, Aristokratie und Soldatenorganisation übermächtige Einheitsspitze suchen zu wollen, scheint mit dem Parlamente in gewisser Beziehung den Boden wieder einzuschlagen.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 6. 1849, Frankfurt, M., 1849.


Arnold Ruge, Abgeordneter der linksradikalen Fraktion „Donnersberg“, hielt am 23. Juni 1848 folgende Rede:

Der Friede, den die neue Zeit mit der alten geschlossen hat, ist also das Prinzip der Demokratie, sie ist das Prinzip der neuen Konstituierung. Das ist der Friede, und wie der Westfälische Friede die Rückkehr zum Katholizismus unmöglich machte, so macht der Friede von 1848 die Rückkehr zum Despotismus unmöglich, ja selbst die Einsetzung eines Herrn, der eine Null wäre, da wo gar kein Herrentum existiert, im Gesamtstaat von Deutschland. Es ist dies die Basis, auf der wir stehen, es ist nicht der Rechtsboden, den man mit Füßen tritt, sondern jenes heilige Recht, das in jedem freien Gemüte herrscht, das ewige Recht der Freiheit. Die Basis ist die Republik, und diese Republik ist diese Versammlung. Ihre republikanischen Formen dürfen nicht wieder aufgegeben werden.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 1. 1848, Frankfurt, M., 1848.


Georg von Vincke, Abgeordneter der rechtskonservativen Fraktion „Café Milani“ , hielt am 2. Dezember 1848 folgende Rede:

Aus beiden Gründen, aus dem positiven und aus dem negativen, will die große Majorität des deutschen Volkes keine Republik, und will sie namentlich deshalb nicht, […] weil man dem Körper nicht ein Haupt geben will, welches von anderer Beschaffenheit und anderer Natur ist, als der ganze übrige Körper; weil man die einzelnen Organe homogen organisiert haben will und weil bis jetzt, mit Ausnahme der vier freien Städte, in Deutschland keine Republiken bestehen.

Auszug zitiert nach: Wigard, Franz: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der Deutschen Constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Main, Bd.: 5. 1848, Frankfurt, M., 1848.

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 23. Oktober 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 23. Oktober 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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