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Friedrich Wilhelm IV. Biografie


Friedrich Wilhelm IV. war von 1840 bis 1861 König von Preußen. Seine Regierungszeit prägten politische und soziale Umbrüche, die sich 1848 in der deutschen Revolution entluden. Er lehnte 1849 die ihm von einem gesamtdeutschen Parlament angebotene Kaiserkrone ab. Friedrich berief sich auf das Gottesgnadentum und vertrat einen konservativ-romantischen Politikstil, den er in Preußen verwirklichen wollte.

Jugend und Erziehung

Friedrich Wilhelm entstammte den Hohenzollern und wurde 1795 als Sohn von Friedrich Wilhelm III. im Kronprinzenpalais in Berlin geboren. Seine Erziehung übernahm seit 1800 Friedrich Delbrück, der ihn für die Ideen der Romantik begeistern konnte. In seinen Jugendjahren erlebte Friedrich Wilhelm die Napoleonische Vorherrschaft in Europa. Nach Preußens Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 floh Friedrichs Familie aus Berlin. Friedrich beteiligte sich seit 1813 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Der siegreiche Krieg gegen das revolutionäre Frankreich prägte seinen späteren konservativ-monarchischen Politikstil. Daher begrüßte er auch die seit 1815 eingeführte Restaurationspolitik im Deutschen Bund, die nationale und liberale Bewegungen unterdrücken sollte.1

Thronbesteigung

Nach dem Tod seines Vaters wurde Friedrich Wilhelm IV. am 7. Juni 1840 neuer König von Preußen. Er war vor allem mit den politischen und sozialen Umbrüchen seiner Zeit konfrontiert [Vormärz und Industrialisierung]. Diesbezüglich machte er den Liberalen zunächst Verfassungsversprechen und ließ politische Gegner frei. Trotz dieser Zugeständnisse blieb Friedrich Wilhelm IV. gegenüber einer liberalen Reform des Staates – im Sinne einer konstitutionell-parlamentarischen Monarchie – abgeneigt. Er leitete seine Herrschaft vom „Gottesgnadentum“ ab und befürwortete einen feudalen Ständestaat. Dies erwies sich infolge der Industrialisierung zunehmend problematischer. Das Bürgertum forderte politische Mitsprache, Arbeiter und Bauern bessere Lebensbedingungen [Soziale Frage].2

Revolution 1848/49

Im März 1848 wurde der Deutsche Bund – und auch Preußen – von einer Revolution überwältigt. Friedrich Wilhelm IV. musste sich zunächst den Revolutionären geschlagen geben und versprach liberale Reformen. Er stellte sich an die Spitze der deutschen Einheitsbewegung und unterstützte die Bildung eines gesamtdeutschen Parlaments in Frankfurt. Am 5. Dezember 1848 löste er aber die Nationalversammlung in Preußen auf. Kurz darauf verabschiedete er selbstständig eine oktroyierte Verfassung für Preußen. Damit wurde Preußen zwar eine konstitutionelle Monarchie. Die wichtigsten Kompetenzen lagen aber weiterhin beim König.3

Ablehnung der Kaiserkrone

Im April 1849 wurde Friedrich Wilhelm IV. von der Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung die Krone für einen gesamtdeutschen Einheitsstaat angeboten. Dieser lehnte die Krone jedoch ab, da er sich auf das Gottesgnadentum berief und seine Macht nicht mit einem Parlament teilen wollte. Eine Kaiserwahl hätte er nur von den deutschen Fürsten akzeptiert. Auf diese Weise entzog Friedrich Wilhelm IV. der Revolution 1848/49 den Boden und ließ sie endgültig scheitern. Ein deutscher Nationalstaat kam erst infolge der – von Preußen bewirkten – Reichsgründung im Jahr 1871 zustande. Damit hat Friedrich Wilhelm IV. die Entwicklung Deutschlands zum parlamentarischen System entschieden gehemmt [Deutscher Sonderweg]. Seinen Tod fand er 1861 in Potsdam.4

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 29. April 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 1. Mai 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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