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Quellenverweise

Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV.

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Nach der Konterrevolution konnten die preußischen und österreichischen Militärs die Revolution 1848 wieder zurückdrängen. Im Frühjahr 1849 bot die Frankfurter Nationalversammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. dennoch die Kaiserkrone für einen kleindeutschen Nationalstaat an [Kaiserdeputation]. Doch dieser lehnte ab, weil er die Krone nur von „Gottes Gnaden erhalten wolle. Dies rechtfertigt er mit einer tausendjährigen Tradition der deutschen Kaiser, die nicht mit einer Revolution zu vereinbaren sei. So antwortete er Eduard Simson, dem Präsidenten der Nationalversammlung, auf die Kaiserdeputation:

Ablehnung der Kaiserkrone

Meine Herren! Die Botschaft, als deren Träger Sie zu mir gekommen sind, hat mich tief ergriffen, sie hat meinen Blick auf den König der Könige gelenkt und auf die heiligen und unantastbaren Pflichten, welche mir als dem Könige meines Volkes und als einem der mächtigsten deutschen Fürsten obliegen. Solch ein Blick, meine Herren, macht das Auge klar und das Herz gewiß. In dem Beschluß der deutschen Nationalversammlung, welchen Sie, meine Herren, mir überbringen, erkenne ich die Stimme der Vertreter des deutschen Volkes. Dieser Ruf gibt mir ein Anrecht, dessen Wert ich zu schätzen weiß; er fordert, wenn ich ihm folge, unermeßliche Opfer von mir; er legt mit die schwersten Pflichten auf. Die deutsche Nationalversammlung hat auf mich vor allem gezählt, wo es gilt, Deutschlands Einheit und Kraft zu gründen. Ich ehre ihr Vertrauen, sprechen Sie ihr meinen Dank dafür aus. Ich bin bereit, durch die Tat zu beweisen, daß die Männer sich nicht geirrt haben, welche ihre Zuversicht auf meine Hingebung, auf meine Treue, auf meine Liebe zum gemeinsamen deutschen Vaterlande stützen. Aber, meine Herren, ich würde Ihr Vertrauen nicht rechtfertigen, ich würde dem Sinne des deutschen Volkes nicht entsprechen, ich würde Deutschlands Einheit nicht aufrichten, wollte ich mit Verletzung heiliger Rechte und meiner früheren ausdrücklichen und feierlichen Versicherung, ohne das freie Einverständnis der gekrönten Häupter, der Fürsten und freien Städte Deutschlands eine Entschließung fassen, welche für sie und die von ihnen regierten deutschen Stämme die entscheidensten Folgen haben muß. An den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten wird es daher jetzt sein, in gemeinsamer Beratung zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelnen, wie dem Ganzen, frommt, ob die mir zugedachten Rechte mich in den Stand setzen würden, mit starker Hand, wie ein solcher Beruf es von mir fordert, die Geschicke des großen deutschen Vaterlandes zu leiten und die Hoffnungen seiner Völker zu erfüllen. Dessen aber möge Deutschland gewiß sein und das, meine Herren, verkündigen Sie in allen seinen Gauen: bedarf es des preußischen Schildes und Schwertes gegen äußere und innere Feinde, so werde ich auch ohne Ruf nicht fehlen; ich werde dann getrost den Weg meines Hauses und meines Volkes gehen, den Weg der deutschen Ehre und Treue.

Auszug aus: Simson, B. von (Hrsg.): Eduard von Simson, Erinnerungen aus seinem Leben. Zusammengestellt von B. von Simson, Leipzig 1900, S. 183f.

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