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Unterricht: Das Krisenjahr 1923 – misslungene Generalprobe für die Republik?


Das Jahr 1923 ging als sogenanntes „Krisenjahr“ der Weimarer Republik in die Geschichtsbücher ein. Zwar drohte Deutschland durch die politische und wirtschaftliche Mehrfachkrise auseinanderzubrechen. Trotzdem gelang die Rettung, indem die Währung reformiert und die „Goldenen 20er Jahre“ eingeleitet wurden. Vor diesem Hintergrund eignet sich eine problemorientierte Geschichtsstunde zum Thema „Das Krisenjahr 1923 – eine misslungene Generalprobe für die Republik?“

Einordnung in die Unterrichtsreihe

Das problemorientierte Thema „Krisenjahr 1923 – eine misslungene Generalprobe für die Republik?“ ist Teil der übergeordneten Unterrichtsreihe „Warum scheiterte die Weimarer Republik?“ . Als Lernziel sollen die Schülerinnen und Schüler die multikausalen Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik herausarbeiten und diese anschließend durch eine eigenständige Stellungnahme gewichten. Auf diese Weise wird bei den Lernenden schwerpunktmäßig die Urteilskompetenz gefördert, weil sie die wichtigsten Aspekte der Weimarer Republik miteinander verknüpfen und ihre Zusammenhänge deuten müssen. Als Reiheneinstieg diente die Analyse eines Historikerurteils, anhand dessen die Lernenden die benannten Gründe für das Scheitern von Weimar herausarbeiten und in einer Mindmap visualisieren sollten. Diese Mindmap wird seitdem als Strukturierungshilfe genutzt und auf Grundlage der weiteren Unterrichtsstunden fortlaufend ergänzt. In der ersten Stunde erfolgte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Novemberrevolution – eine gebremste Revolution?“. Anschließend untersuchten die Lernenden die Bestimmungen des Versailler Vertrags und beurteilten auf Grundlage zweier kontroverser Historikerurteile, inwiefern bei diesem von einem „gerechten Frieden“ gesprochen werden kann. In der dritten Stunde arbeitete die Lerngruppe die wichtigsten Artikel aus der Weimarer Verfassung heraus, charakterisierte sie und beurteilte, ob es sich um eine „wehrhafte Demokratie“ gehandelt habe. Die vorliegende Stunde lässt sich thematisch in den Reihenkontext einordnen, indem sie auf auf dem Vorwissen der oben genannten Aspekte aufbaut und ergänzend in die Mindmap aufgenommen werden kann.

Kernanliegen der Stunde

Indem die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig drei exemplarische Quellen aus dem „Krisenjahr“ 1923 zum Hitler-Putsch, Ruhrkampf und Inflation hinsichtlich der Kategorien „Ursachen“, „Verlauf, „Folgen“ analysieren (Methodenkompetenz), erkennen sie die Zusammenhänge der politischen und wirtschaftlichen Mehrfachkrise jenes Jahres (Sachkompetenz) und können beurteilen, inwiefern das Jahr 1923 eine „misslungene Generalprobe“ für die Weimarer Republik dargestellt hat (Urteilskompetenz).

Sachanalyse

Vor allem in politikgeschichtlicher Hinsicht spielte das Jahr 1923 eine prägende Rolle für die Geschichte der Weimarer Republik. Innere und äußere Krisen – wie die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen, linksradikale Aufstände, separatistische Bewegungen, die Hyperinflation und der Hitler-Ludendorff-Putsch – bedrohten die noch junge Republik in ihrer Existenz und stellten die Reichsregierung vor große Herausforderungen. Aufgrund des politischen und wirtschaftlichen Ausnahmezustandes wird das Jahr 1923 daher als „Krisenjahr“ bezeichnet. Dennoch konnte der staatliche Zusammenbruch abgewendet werden. Die Probleme der Hyperinflation wurden durch eine reformierte Finanzpolitik und Währungsreform gelöst. Die Beendigung des „Ruhrkampfes“ begünstigte eine Entspannung im Verhältnis zu Frankreich und stellte die diplomatischen Beziehungen im späteren Locarno-Vertrag auf eine neue Grundlage. Auch bewährte sich die Republik in der Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches, auf die das NSDAP-Verbot folgte und die politischen Verhältnisse für einige Jahre stabilisiert werden konnten. Langfristig führte das „Krisenjahr“ aber die strukturellen Schwächen der Republik vor Augen, die durch die „Goldenen 20er Jahre“ und ökonomische Entspannung nur verschoben wurden. Die Reichsregierung war weiterhin abhängig von der Reichswehr und blieb eine „Demokratie ohne Demokraten“, da Polizei, Justiz und Verwaltung weiterhin rechtsnational eingestellt waren. Aufgrund dieses ambivalenten Charakters kann das „Krisenjahr 1923“ hinsichtlich ihrer kurz- und langfristigen Folgen für das Scheitern der Weimarer Republik untersucht werden.

Methodisch-didaktisches Vorgehen

Einstieg

Im Einstieg wird der Lerngruppe eine Auswahl an Schlagzeilen aus Zeitungsartikeln des Jahres 1923 präsentiert. Die SuS erhalten den Auftrag, sich diese durchzulesen und die politischen bzw. wirtschaftlichen Ereignisse jenes Jahres zu benennen. Die Lehrkraft regt die SuS anschließend zu einer Charakterisierung des Jahres 1923 an, sodass sie dieses als krisenhaftes Jahr erkennen und die möglichen Folgen und Auswirkungen für die Weimarer Republik erläutern. Die Problemfrage wird von der Lehrkraft an der Tafel notiert und dient als Leitfaden für den folgenden Stundenverlauf.

Erarbeitung

Die Lehrkraft teilt den Kurs für die Erarbeitung in drei Gruppen auf, die arbeitsteilig jeweils eine Quelle zu den Themen „Ruhrbesetzung“, „Inflation“ und „Hitler-Ludendorff-Putsch“ aus dem Jahr 1923 hinsichtlich der Kategorien „Ursachen“, „Verlauf“ und „Folgen“ analysieren sollen. Für die Sicherung der Ergebnisse erhalten diese eine vorgefertigte Strukturskizze, auf der die oben genannten Kategorien tabellarisch aufgelistet sind. Das Material für die Gruppe „Ruhrbesetzung“ enthält zwei multiperspektivische Quellen der französischen und deutschen Regierung über die Besetzung des Ruhrgebiets. Die Gruppe „Inflation“ erhält Quellen und Grafiken zu den wirtschaftlichen Problemen und Lösungen der Währungskrise. Das Material für die dritte Gruppe besteht aus einem amtlichen Bericht der bayerischen Landesregierung vom 9. November 1923 über den Hitler-Ludendorff-Putsch.

Sicherung/Transfer

In der Sicherungsphase trägt jeweils ein Schülerpaar der drei Gruppen die Ergebnisse per OHP/Dokumentenkamera im Plenum vor. Die zuhörenden SuS ergänzen diese Ergebnisse auf ihren Arbeitsblättern und fügen gegebenenfalls Informationen hinzu. In einer Diskussion sollen die Lernenden die Zusammenhänge zwischen den drei Ereignissen erläutern und sich hinsichtlich der Problemfrage, inwiefern das „Krisenjahr 1923“ eine misslungene Generalprobe für die Weimarer Republik dargestellt hat, positionieren. Für einen Transfer eignet sich – bezüglich der kurz- und langfristigen Folgen – die Einordnung des Themas in den übergeordneten Reihenkontext zum Scheitern der Weimarer Republik.

(Hinweis: Es handelt sich um einen beispielhaften Unterrichtsentwurf. Es fehlen Angaben zur Lerngruppenanalyse, zum Kernlehrplan und didaktischen Schwerpunkt, weil diese sich je nach Bundesland, Schule und Fachleitung individuell unterscheiden.)

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Der Autor

Dieser Beitrag wurde am 3. Oktober 2020 verfasst von Fabio Schwabe, Mettmann. Die aktuelle Version stammt vom 10. Oktober 2020. Fabio Schwabe ist Gymnasiallehrer der Fachrichtung Geschichte und Gründer von Geschichte kompakt.

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